China: Leitzinsen leicht gesenkt

veröffentlicht am 22. August 2022

China: Leitzinsen leicht gesenkt

Während die Notenbanken in den meisten Volkswirtschaften seit Monaten die Leitzinsen kräftig anheben, um die ausufernde Inflation zu bekämpfen, zeigt der Zinstrend in China nach unten. Das Reich der Mitte hat kein Inflationsproblem, sondern ein Wachstumsproblem.

Die Notenbank People’s Bank of China (PBoC) reagierte auf die bisher nur recht schwachen Signale einer konjunkturellen Erholung und nahm die Zinsen zurück. Allerdings nur ein wenig. Die als Leitzins geltende Loan Prime Rate 1Y wurde um 5 Basispunkte auf 3,65% ermäßigt. Die Loan Prime Rate 5Y, an der sich die Zinsen für 5-jährige Kredite orientieren, sinkt um 15 Basispunkte auf 4,30%.

Zinsschrauben gelockert
Bereits zur Monatsmitte lockerte die PBoC die ersten Zinsschrauben. Der Schlüsselzins für einjährige Kredite an bestimmte Kreditinstitute (MLF) sank um 10 Basispunkte auf 2,75%. Und der Schlüsselsatz für einwöchige Reverse-Repo-Geschäfte wurde ebenfalls um 10 Basispunkte auf 2,00% ermäßigt. Bei diesen Geschäften nimmt die Notenbank überschüssige Liquidität von den Geschäftsbanken entgegen, indem sie Wertpapiere verkauft und sich verpflichtet, diese nach einer Woche zurückzukaufen.

Warum nicht mehr?
Die Leitzinssenkungen der PBoC fallen mit 5, 10 bzw. 15 Basispunkte relativ gering aus. Ursächlich dürfte die Sorge vor einer unerwünschten weiteren Abwertung des Renminbi gegenüber dem US-Dollar sein.

Nach der US-Leitzinswende im Frühjahr 2022 schwächte sich der Renminbi gegenüber dem US-Dollar deutlich ab, konnte sich zuletzt jedoch stabilisieren. Sollten die Zinsen in China kräftig fallen und die US-Zinsen kräftig steigen, könnte weiteres Kapital aus China abfließen und den Wechselkurs des Renminbi unter Druck setzen.

Fazit: Die Zinssenkungen der PBoC sind ein Signal dafür, dass die konjunkturellen Wachstumsimpulse immer noch zu gering sind, um das diesjährige Wirtschaftswachstum in dem angestrebten „vernünftigen Bereich“ zu halten.