Norwegen: Leitzins auf 1,75% angehoben

veröffentlicht am 18. August 2022

Norwegen: Leitzins auf 1,75% angehoben

Die norwegische Notenbank Norges Bank erhöhte die Key Policy Rate um weitere 50 Basispunkte auf 1,75% und kündigte für den September die nächste Anhebung an.
Nach Einschätzung der Norges Bank sind weitere Leitzinserhöhungen erforderlich, um den Preisdruck zu reduzieren und die Inflationsrate wieder in die Nähe des Zielwertes zu bringen. Der weitere Anstieg wird davon abhängen, wie sich die Wirtschaftsdaten entwickeln, könnte jedoch schneller erfolgen als bisher angenommen. Die Norges Bank rechnet bisher mit einem Leitzins von 3,00% im Sommer 2023.

Inflationsrate über dem Zielwert
Die Notenbank betrachtet bei der Inflationseinschätzung vor allem die um Steuern und Energiepreise bereinigte „Kernrate der Inflation“ (CPI-ATE). Sie lag im Juli mit 4,5% weit über dem Zielwert des norwegischen Finanzministeriums von 2,0%. Die den gesamten Warenkorb umfassende Headline-Inflationsrate kletterte sogar auf 6,8%.
Die CPI-ATE wird im Jahresdurchschnitt nach Einschätzung der Norges Bank den Zielwert bis 2025 überschreiten. Die Notenbank rechnete in ihren Projektionen vom Juni mit 3,2% in 2022, 3,3% in 2023, 3,0% in 2024 und 2,8% in 2025. Die Schätzungen für 2022 und 2023 dürften bei der nächsten Überarbeitung leicht angehoben werden.

BIP 2022: +2% erwartet
Norwegen ist relativ gut durch die Pandemie gekommen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im Corona-Jahr 2020 lediglich um 1,3% und wuchs 2021 um 4,0%.
Nach einem sehr schwachen Jahresauftakt 2022 – das BIP schrumpfte um 0,9% zum Vorquartal – gab es im Frühjahr eine kräftige Erholung. Die Wirtschaftsleistung legte um 0,6% zum Vorquartal zu. Die Auslastung der Kapazitäten ist derzeit hoch, die Arbeitslosigkeit sehr niedrig.
Für das Gesamtjahr 2022 zeichnet sich eine Wachstumsrate des BIP von gut 2,0% ab. Die Norges Bank rechnete in ihren jüngsten Projektionen mit BIP-Zuwächsen von 2,5% in 2022, 1,6% in 2023, 1,1% in 2024 und 0,2% in 2024.
Dabei wurde unterstellt, dass sich der Ölpreis wieder ermäßigt. Die Norges Bank erwartete im Juni beim Barrel Nordseeöl Brent einen Preisrückgang von 108 USD in 2022 auf 97 USD in 2023, 88 USD in 2024 und 82 USD in 2025.

Krone erholt
Norwegens Reichtum gründet auf der Öl- und Gasförderung in der Nordsee. Die Norwegische Krone (NOK) zählt daher zu den sogenannten „Ölwährungen“, denn sie bewegt sich üblicherweise im Gleichschritt mit dem Preis für das Nordseeöl Brent.

Aktuell ist es jedoch nicht der Fall. So schaltete sie zur Jahresmitte trotz des Höhenfluges des Ölpreises in den Rückwärtsgang und erholte sich zuletzt trotz sinkender Ölpreise. Ursächlich könnte der enorme Anstieg der Gasnotierungen gewesen sein, denn Norwegen zählt auch zu den bedeutendsten Lieferanten von Erdgas. Seit Jahresbeginn liegt die Krone gegenüber dem Euro knapp 2% vorne.

Staatsfonds mit Halbjahresverlust
Seit 1998 investiert Norwegen die Gewinne aus dem Öl- und Gasverkauf in den Staatsfonds „Government Pension Fund Global“ (GPFG). Er hat aktuell einen Marktwert von 12,4 Bill. NOK bzw. 1,125 Bill. EUR. Der GPFG hält Anteile an mehr als 9.000 Unternehmen in 73 Ländern und besitzt 1,3% aller weltweit notierten Aktiengesellschaften. Rund 69% des Fonds sind in Aktien, knapp 3% in Immobilien und rund 28% in Anleihen investiert.
Im ersten Halbjahr 2022 verzeichnete der GPFG wegen stark rückläufiger Aktienkurse einen Rekordverlust von 14,4%, von dem allerdings ein Teil bereits wieder wettgemacht ist.

Fazit: Die hohen Preise für Öl und Gas sowie weitere Leitzinsanhebungen sollten die Norwegische Krone im Aufwind halten.