Bank of England erhöht Leitzins auf 1,75%

veröffentlicht am 4. August 2022

Bank of England erhöht Leitzins auf 1,75%

Die Bank of England (BoE) setzte die Serie von Leitzinserhöhungen fort und hob die Bank Rate um 50 Basispunkte auf 1,75% an. Es war der erste „große“ Zinsschritt seit Erlangung der Unabhängigkeit im Jahr 1997. Der Beschluss erfolgte mit einer Mehrheit von 8:1 Stimmen. Ein Mitglied des Zentralbankrates wünschte lediglich eine Anhebung um 25 Basispunkte auf 1,50%.
Die Bank Rate dürfte weiter steigen. Der Hochpunkt wird aktuell mit knapp 3% im Frühjahr 2023 angenommen.

Anleihebestände werden abgebaut
Die Bank of England hat noch Anleihen von insgesamt 863 Mrd. Pfund Sterling (GBP) im Bestand, davon 844 Mrd. GBP Staatsanleihen und 19,1 Mrd. GBP Unternehmensanleihen. Nach der nächsten Notenbanksitzung im September soll mit dem Abbau begonnen werden.
Angedacht ist eine Reduzierung der Bilanzsumme um 80 Mrd. Pfund pro Jahr. Unter Berücksichtigung der nicht wieder investierten Rückflüsse würde das Anleiheverkäufe von 10 Mrd. Pfund pro Quartal bedeuten. Die verbliebenen Unternehmensanleihen sollen von September 2022 bis Ende 2023 komplett verkauft werden.

Inflationsgipfel bei 13% erwartet
Ursächlich für die weitere Straffung der Geldpolitik sind die rasant steigenden Verbraucherpreise. So lag die Inflationsrate im Juni mit 9,4% extrem weit über dem Zielwert von 2,0%. Die Bank of England rechnet mit einem Wert von 10% im Juli und erwartet den Hochpunkt mit 13% im 4. Quartal 2022. Auch im nächsten Jahr werden die Inflationsraten voraussichtlich weit über dem Zielwert liegen, der nach Einschätzung der BoE erst 2024 wieder erreicht werden kann.

BIP 2022: plus 3,5%
Die Notenbank rechnet mit einer deutlichen Verlangsamung des Wachstums. Dem guten Jahresauftakt 2022 dürfte ein schwächeres Frühjahr gefolgt sein. Die BoE rechnet im 2. Quartal beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit einem Quartalsminus von 0,2%, dem ein Plus von 0,4% im 3. Quartal folgen soll. Für das Gesamtjahr 2022 zeichnet sich ein BIP-Plus von 3,5% ab. In den Jahren ab 2023 rechnet die BoE allerdings nur noch mit BIP-Veränderungen nahe der Nulllinie.

Pfund erholt

Anfang 2021 befand sich das Pfund gegenüber dem Euro zunächst im Aufwind, gab danach deutlich nach und konnte sich zuletzt wieder erholen. Seit Jahresbeginn notiert es gegenüber dem Euro nahezu unverändert. Einerseits stützt der weiter aufwärts gerichtete Leitzinstrend, andererseits belasten die deutlich eingetrübten Konjunkturperspektiven.
In der Langzeitbetrachtung fehlen dem Pfund immer noch rund 10% zu den Notierungen vor dem Brexit-Votum vom Sommer 2016.
Fazit: Das Pfund Sterling könnte sich im Spannungsfeld steigender Leitzinsen und stark eingetrübter Konjunkturperspektiven etwas abschwächen.