China durch Lockdowns gebremst

veröffentlicht am 15. Juli 2022

China durch Lockdowns gebremst

Dem erfreulichen konjunkturellen Jahresauftakt folgte in China ein sehr schwaches Frühjahrsquartal, denn das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im Vergleich zum Vorquartal um 2,6%. Es war erst das zweite Quartalsminus seit 30 Jahren. Im Vorjahresvergleich meldete das Nationale Statistikbüro einen Zuwachs um 0,4%. Auch dies war der zweitschlechteste Wert seit drei Jahrzehnten.

Ursächlich für das Abkommen vom Wachstumspfad war die rigide Pandemie-Bekämpfung mit der „Covid-Zero-Strategie“. Sie führte zu umfangreichen Lockdowns mit entsprechenden Produktionseinschränkungen und ließ die Einzelhandelsumsätze sinken.

Außenhandel dämpft den Rücksetzer
Der Außenhandel wuchs in den ersten sechs Monaten um 9,4% auf 19,8 Bill. Renminbi (RMB). Während die Exporte um 13,2% auf 11,1 Bill. RMB stiegen, expandierten die Importe um 4,8% auf 8,7 Bill. RMB. Daraus resultierte ein Außenhandelsüberschuss von 2,5 Bill. RMB, der den konjunkturellen Rücksetzer dämpfte.
Die Industrieproduktion legte im 2. Quartal nur noch um 0,7% zu. Im gesamten 1. Halbjahr wurde allerdings ein Plus von 3,4% erzielt.
Probleme gab es im Einzelhandel. Der Umsatz ging im 2. Quartal um 4,6% zurück. Im gesamten 1. Halbjahr lag das Minus bei 0,7%.
Ein Pluspunkt war die Entwicklung der Verbraucherpreise, denn die Inflationsrate betrug im 1. Halbjahr lediglich 1,7%.
Beim verfügbaren Einkommen meldete das Statistikamt einen realen Zuwachs von 3,0% im 1. Halbjahr.

Dienstleistungssektor dominiert weiterhin
Im 1. Halbjahr 2022 betrug das BIP insgesamt 56,3 Bill. RMB. 54,2% des BIP (bzw. 30,5 Bill. RMB) wurden im Dienstleistungssektor generiert, 40,6% (22,9 Bill. RMB) entfielen auf die Industrie und 5,2% (2,9 Bill. RMB) auf die Landwirtschaft.
Im 2. Quartal war die Verteilung ähnlich. Vom BIP von insgesamt 29,2 Bill. RMB wurden 51,9% (bzw. 15,2 Bill. RMB) im Dienstleistungssektor, 41,9% (12,2 Bill. RMB) in der Industrie und 6,2% (1,8 Bill. RMB) in der Landwirtschaft generiert.

Wie geht es weiter?
Die Regierung beschloss ein konjunkturelles Hilfsprogramm der „33 Maßnahmen“ sowie ein Infrastrukturprogramm über umgerechnet 71 Mrd. USD. Weitere Wachstumsimpulse könnten von der Notenbank kommen, indem die Leitzinsen und die Mindestreserveanforderungen gesenkt werden.
Die chinesischen Einkaufsmanagerindizes bewegten sich nach einer mehrmonatigen Schwächephase im Juni wieder leicht oberhalb der Wachstumsschwelle, d. h., die Konjunktur ist auf den Wachstumspfad zurückgekehrt.

BIP-Prognose 2022: maximal 3%
Das chinesische BIP wuchs im 1. Quartal um 1,4% und schrumpfte im 2. Quartal um 2,6%, jeweils zum Vorquartal gerechnet. Damit ist das offizielle Wachstumsziel von „etwa 5,5%“ endgültig außer Reichweite. Selbst wenn in der zweiten Jahreshälfte sehr hohe Quartalswachstumsraten erreicht werden sollten, dürfte in der Gesamtjahresabrechnung 2022 bestenfalls die Drei vor dem Komma stehen. Vor diesem Hintergrund reduzieren wir unsere Wachstumsprognose auf maximal 3%.

Fazit: Chinas Aufschwung wurde im Frühjahr unterbrochen. Mittlerweile sollte das Land auf den Wachstumspfad zurückgefunden haben. Dieser dürfte jedoch weit weniger steil ausfallen wird, als man es „früher“ von China gewohnt war.