Kanada: Leitzins auf 2,50% erhöht

veröffentlicht am 14. Juli 2022

Kanada: Leitzins auf 2,50% erhöht

Die Bank of Canada (BoC) forcierte das Tempo der geldpolitischen Straffung enorm und hob die Overnight Rate um 100 (!) Basispunkte auf 2,50% an. Die BoC will damit die konjunkturelle Überhitzung dämpfen und den anhaltenden Preisdruck verringern.

Weitere Zinsanhebungen folgen
Der Leitzins muss nach Einschätzung der Bank of Canada weiter steigen. Er befindet sich derzeit mit 2,50% in der „neutralen Zone“, die laut BoC von 2% bis 3% reicht. Die BoC ist bereit, ihn relativ schnell in den restriktiven Bereich – also über 3% – anzuheben.
Ziel der restriktiven Geldpolitik ist die Dämpfung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage. Gleichzeitig soll das Angebot ausgeweitet werden, um wieder ein Gleichgewicht entstehen zu lassen. Ziel der Notenbank ist weiterhin ein „Soft landing“ der Wirtschaft, also die Vermeidung einer Rezession.

Inflation weit über dem Zielwert
Die kanadische Inflationsrate soll sich in einer Spanne von 1% bis 3% um den Zielwert von 2% bewegen. Der Zielwert ist symmetrisch und flexibel. Abweichungen nach oben sind genauso unerwünscht wie Abweichungen nach unten. Bei Abweichungen soll der Korridor nach spätestens sechs bis acht Quartalen wieder erreicht sein. Das wird derzeit nicht möglich sein.
Denn die Inflationsrate bewegt sich aktuell im Bereich um 8% und wird dort nach Einschätzung der BoC auch noch einige Monate verharren. Ende 2023 soll sie sich wieder bei 3% befinden und Ende 2024 auf den Zielwert von 2% zurückgefunden haben.

BIP 2022: plus 3,5%
Kanada zählt zu den bedeutendsten Rohstoffproduzenten der Welt und besitzt u.a. umfangreiche Ölreserven. Die kanadische Wirtschaft verzeichnete daher auch in diesem Jahr einen sehr guten Start. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs im 1. Quartal um 0,8% zum Vorquartal. Es war der dritte starke Quartalszuwachs nacheinander.
Die Notenbank rechnet auch im Sommerhalbjahr mit kräftigen Quartalszuwächsen und im Gesamtjahr 2022 mit einem BIP-Plus von 3,5%. Die aktuellen Projektionen der BoC beinhalten zudem BIP-Wachstumsraten von 1,8% in 2023 und 2,4% in 2024. Wir halten diese Werte für realistisch.

Leistungsbilanzüberschuss
Dank der florierenden Rohstoffexporte dürfte die kanadische Leistungsbilanz nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in diesem Jahr einen Überschuss von 1,1% des BIP erzielen. In 2023 soll sie ausgeglichen sein und danach leichte Defizite aufweisen.
Das Haushaltsdefizit wird vom IWF in diesem Jahr auf 2,2% des BIP geschätzt und soll 2023 auf 0,8% des BIP sinken. Danach dürfte es sich zwar der Nulllinie annähern, Haushaltsüberschüsse werden allerdings nicht erwartet.
Die kanadische Staatsverschuldung wird vom IWF für 2022 auf 101% des BIP taxiert und soll bis 2027 auf 88% des BIP zurückgehen.

Kanada-Dollar profitiert vom Rohstoffboom

Der Kanadische Dollar – auch „Loonie“ genannt – profitiert von den rasant gestiegenen Öl- und Gaspreisen und wertete im Fahrwasser der Energiepreise kräftig auf. Gegenüber dem Euro legte er seit Jahresbeginn rund 10% zu.

Fazit: Die hohen Öl- und Gaspreise, das gute fundamentale Umfeld Kanadas und weitere Leitzinserhöhungen sollten dem Loonie weiteren Auftrieb verleihen.