Neuseeland: Leitzins auf 2,50% erhöht

veröffentlicht am 13. Juli 2022

Neuseeland: Leitzins auf 2,50% erhöht

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Die Reserve Bank of New Zealand (RBNZ) setzte die vor knapp einem Jahr begonnene Straffung der Geldpolitik fort und erhöhte die Official Cash Rate (OCR) um weitere 50 Basispunkte auf 2,50%.

Leitzins wird weiter steigen
Die RBNZ betonte, dass weitere Leitzinserhöhungen erforderlich sein werden, um die Inflationsrate in den nächsten beiden Jahren wieder in den Zielkorridor zurückzuführen.
Die Official Cash Rate dürfte gemäß den jüngsten RBNZ-Projektionen im Sommer 2023 bis auf 4% angehoben werden und dort solange verharren, bis Angebot und Nachfrage wieder im Gleichgewicht sind. Danach könne der Leitzins auf ein neutraleres Niveau gesenkt werden.
In den aktuellen Projektionen der RBNZ liegt die Official Cash Rate im Jahresdurchschnitt 2023 bei 2,9%, in 2024 bei 3,9% und 2025 bei 3,8%.

BIP-Prognose 2022: plus 2%
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im Gesamtjahr um 5,7% zu. Der Aufschwung wird getragen von einer starken Binnennachfrage. Die Konsum- und Investitionsnachfrage übertrifft teilweise sogar die Angebotsmöglichkeiten. Der Arbeitsmarkt bleibt angespannt.
Gleichwohl verlief der Jahresauftakt 2022 relativ schwach. Das BIP schrumpfte gegenüber dem Vorquartal um 0,2%. Vor diesem Hintergrund dürfte die Wachstumsrate im Gesamtjahr 2022 lediglich 2% erreichen.
Die RBNZ rechnete in ihren Projektionen vom Mai noch mit BIP-Zuwächsen von 4,2% in 2022, 2,7% in 2023, 1,3% in 2024 und 1,2% in 2025. Zumindest die 2022er-Schätzung dürfte deutlich reduziert werden.

Inflationsrate weit über dem Zielkorridor
Die Inflationsrate und auch die Kernrate der Inflation lagen im 1. Quartal mit 6,9% bzw. 4% weit über dem von 1% bis 3% reichenden Zielkorridor.
Der Gipfel des Inflationsgebirges wird nach Einschätzung der RBNZ im laufenden Sommerhalbjahr mit etwa 7% erreicht. Danach sollen die Teuerungsraten wieder zurückgehen. Die RBNZ rechnet mit durchschnittlichen Inflationsraten von 6,9% in 2022, 4,4% in 2023, 2,5% in 2024 und 2,0% in 2025.

Haushaltsdefizite nehmen ab
Das Haushaltsdefizit dürfte sich in diesem Jahr noch einmal auf knapp 5% des BIP belaufen und ab 2023 wieder deutlich sinken. Die Notenbank schätzt die Fehlbeträge für 2023 auf 2,4%, für 2024 auf 1,6% und für 2025 auf 0,5% des BIP.

Leistungsbilanz bleibt defizitär
Der Schwachpunkt des neuseeländischen Datenkranzes bleibt die chronisch defizitäre Leistungsbilanz. Sie dürfte 2022 eine Unterdeckung von 6,2% des BIP aufweisen. Danach sollen sich die Defizite nach Einschätzung der RBNZ auf 7,1% in 2023, 6,9% in 2024 und 6,5% in 2025 belaufen.

Kiwi mit Erholungspotenzial
Der Neuseeland Dollar („Kiwi”) legte im 1. Quartal kräftig zu, gab anschließend deutlich nach und konnte sich zuletzt wieder erholen. Gegenüber dem Euro weist er seit Jahresbeginn ein Plus von knapp 2% auf. Angesichts guter wirtschaftlicher Perspektiven und weiter steigender Leitzinsen dürfte er im Aufwind bleiben.

Fazit: Angesichts solider Wirtschaftsdaten und weiter steigender Leitzinsen dürfte der Neuseeland Dollar im Aufwind bleiben.