Deutschland: ZEW Indikator abgestürzt

Deutschland: ZEW Indikator abgestürzt

.

Der vom Mannheimer Leibnitz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung ZEW ermittelte konjunkturelle Frühindikator stürzte im Juli regelrecht ab und markierte mit minus 53,8 Punkten den tiefsten Stand seit Ende 2011.

Zwei Drittel Pessimisten
Im Juli erwarteten nur noch 10,2% der Befragten eine konjunkturelle Verbesserung, 64,0% jedoch eine Verschlechterung. Daraus errechnete sich der aktuelle ZEW Indikator von minus 53,8 Punkten.

Lage massiv verschlechtert
Die aktuelle Lage wurde noch deutlich schlechter beurteilt als im Vormonat. Der entsprechende Wert fiel um 18,2 auf minus 45,8 Punkte.

Inflationserwartungen rückläufig
Nur noch eine Minderheit von 22,3% der Befragten rechnet mit weiter steigenden Verbraucherpreise in Deutschland. Die meisten erwarten unveränderte (30,2%) oder rückläufige (47,5%) Inflationsraten. Für die USA gehen sogar 61,0% davon aus, dass die Teuerungsraten in den nächsten sechs Monaten sinken.

Höhere Zinsen
Der Zinstrend dürfte klar aufwärts gerichtet bleiben. Gut 60% der Befragten erwarten höhere langfristige Renditen in Deutschland. 53,7% erwarten dies in den USA. Bei den kurzfristigen Zinsen rechnen 91% mit einem Anstieg in der Euro-Zone und 88,7% in den USA.

Aktienkurse unverändert
Den Deutschen Aktienindex (DAX) sehen 30,0% weiter steigen und 29,3% rückläufig. Die meisten der Befragten (40,7%) rechnen in der zweiten Jahreshälfte mit unveränderten DAX-Notierungen.

Dollar uneinheitlich
Bei der Beurteilung des US-Dollar gibt es keine klare Tendenz. Lediglich 23,4% der Befragten rechnen allerdings mit einer Abschwächung zum Euro. 38,0% sehen ihn unverändert, während 38,6% mit einer weiteren Dollar-Aufwertung gegenüber dem Euro rechnen.

Fazit: Die ZEW-Daten sind ein weiterer Ausdruck der stark wachsenden Rezessionssorgen in Deutschland.

Hintergrund:
Vorbote konjunktureller Wendepunkte
Der ZEW Indikator gilt als Vorbote konjunktureller Wendepunkte in Deutschland. Die ZEW Konjunkturerwartungen sind ein Frühindikator für die wirtschaftliche Lage, vergleichbar mit den ifo Geschäftserwartungen. Abgefragt werden die Erwartungen für die kommenden sechs Monate.

ZEW Indikator seit 1991
Seit 1991 werden im Rahmen des ZEW-Finanzmarkttests monatlich bis zu 300 Expertinnen und Experten von Banken, Versicherungen und Finanzabteilungen ausgewählter Großunternehmen kontaktiert. Sie werden nach ihren mittelfristigen Erwartungen bezüglich der Konjunktur- und Kapitalmarktentwicklung in Deutschland, der Euro-Zone, den USA und China befragt.
Konkret sind es die Erwartungen für die nächsten 6 Monate bezüglich Wirtschaftswachstum, Inflationsraten, Zinsen, Aktienindizes und Wechselkursen.