Australien: Leitzins auf 1,35% erhöht

veröffentlicht am 5. Juli 2022

Australien: Leitzins auf 1,35% erhöht

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Die Reserve Bank of Australia (RBA) hob den Leitzins erwartungsgemäß von 0,85% auf 1,35% an. Die innere Stärke der australischen Wirtschaft und die gute Verfassung des Arbeitsmarktes erfordern nach Einschätzung der RBA keine monetären Hilfsmaßnahmen mehr.

Weitere Zinsschritte in Sicht
Die jüngste Anhebung ist ein weiterer Schritt auf dem Weg aus der extrem expansiven Geldpolitik. Die RBA geht davon aus, dass im Zuge der monetären Normalisierung in den kommenden Monaten weitere Leitzinserhöhungen vorgenommen werden. Am Markt werden Sätze von 3% am Jahresende erwartet.

Inflationsrate über der Zielzone
Der australische Preisauftrieb ist niedriger als in vielen anderen Industrieländern. Gleichwohl lag die den gesamten Warenkorb umfassende Headline-Inflationsrate im 1. Quartal mit 5,1% weit über der von 2% bis 3% reichenden Zielzone. Die ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise berechnete Kernrate der Inflation betrug 3,7%.
Die Inflationsrate dürfte im 2. Quartal die Sechs vor dem Komma gehabt haben. Die RBA geht davon aus, dass der Inflationsgipfel in der zweiten Jahreshälfte erreicht und die Teuerungsrate im nächsten Jahr in den Zielkorridor zurückkehren wird. Die mittelfristigen Inflationserwartungen sind weiterhin fest verankert.

Rohstoff-Boom stützt die Konjunktur
„Down Under“ zählt zu den Gewinnern des Rohstoffbooms. So schrumpfte das australische Bruttoinlandsprodukt (BIP) bereits im ersten Corona-Jahr 2020 lediglich um 2,1% und legte 2021 um beachtliche 4,8% zu.
Im 1. Quartal 2022 wuchs das BIP um 0,8% zum Vorquartal bzw. 3,3% zum Vorjahr. Die Kapazitäten in einigen Wirtschaftsbereichen sind ausgelastet. Für das Gesamtjahr 2022 rechnen wir mit einer Wachstumsrate des BIP von 3,5%. Die Reserve Bank of Australia (RBA) erwartet sogar ein BIP-Plus von gut 4%.
Der Arbeitsmarkt ist angespannt. Die Arbeitslosenquote liegt aktuell mit 3,9% auf dem niedrigsten Stand seit 50 Jahren und dürfte noch weiter sinken.

A-Dollar verlor an Schwung
Die Rohstoff-Hausse verlieh dem Australischen Dollar kräftigen Auftrieb. Er zog bis Anfang April deutlich an, kam danach jedoch wieder zurück. Seit Jahresbeginn liegt er gegenüber dem Euro um gut 3% vorne. Ursächlich für den jüngsten Rückgang des A-Dollar dürften die wachsenden Sorgen vor einer globalen Rezession sein, die der Rohstoffnachfrage einen Dämpfer verleihen würde.

Fazit: Der aktuelle Wechselkurs des A-Dollar signalisiert die globalen Rezessionsängste. Die weiterhin guten konjunkturellen Perspektiven Australiens und weitere Leitzinserhöhungen sollten ihn stützen und stärken.