Schweden: Leitzins auf 0,75% angehoben

veröffentlicht am 1. Juli 2022

Schweden: Leitzins auf 0,75% angehoben

Die Sveriges Riksbank erhöhte den Leitzins Ende Juni erwartungsgemäß um 50 Basispunkte auf 0,75%. Gleichzeitig signalisierte sie zwei weitere Anhebungen noch in diesem Jahr. So dürfte der Repo-Satz im September und November um jeweils 50 Basispunkte erhöht werden und Anfang 2023 bei knapp 2% liegen.

Die Riksbank räumte ein, die Entwicklung der Inflationsrate unterschätzt zu haben. Möglich erscheint daher auch eine Sondersitzung im Juli oder August, um die Normalisierung der Geldpolitik zu beschleunigen.
In den aktuellen Notenbank-Projektionen liegt der Leitzins bei 1,9% in 2023, 2,0% in 2024 und 2,1% in 2025.
Die Renditen der 10-jährigen Staatsanleihe werden bei 1,50% in 2022, 2,20% in 2023 und 2,40% in 2024 gesehen.

Anleihebestände werden schneller abgebaut
Bereits Ende 2021 beendete die Schwedische Notenbank ihre Anleihekäufe und reinvestiert seither nur noch einen Teil der Rückflüsse und Fälligkeiten aus dem Portfolio. Auch hier wurden die monetären Zügel erneut gestrafft. In der zweiten Jahreshälfte reduziert die Riksbank die Reinvestitionen auf 18,5 Mrd. Schwedische Kronen, so dass die Bilanzsumme schneller abschmilzt.

BIP 2022: +1,8%
Das schwedische Bruttoinlandsprodukt (BIP) ging im Corona-Jahr 2020 lediglich um 2,3% zurück und wuchs im vergangenen Jahr um 4,9%.
Im 1. Quartal 2022 schrumpfte das BIP um 0,8% zum Vorquartal. Für das Gesamtjahr 2022 zeichnet sich daher nur noch ein BIP-Plus von knapp 2% ab.
Die Sveriges Riksbank hat ihre Wachstumsschätzungen deutlich zurückgenommen. Sie rechnet in ihren aktuellen Projektionen mit BIP-Zuwächsen von 1,8% in 2022, 0,7% in 2023, 1,3% in 2024 und 1,8% in 2025. Wir halten diese Werte für realistisch.

Inflationsziel weit übertroffen
Die schwedische Inflationsrate soll 2% betragen und sich in einer Spanne von 1% bis 3% bewegen. Im Mai lag sie mit 7,2% weit darüber. Als Messlatte dient die Inflationsrate ohne Hypothekenzahlungen CPIF.
Die Riksbank geht davon aus, dass die Inflationsrate im weiteren Jahresverlauf noch über 7% verharren wird und erst 2024 wieder den Zielwert erreicht. Sie rechnete in ihrer aktuellen Projektion mit Inflationsraten von 6,9% in 2022, 4,2% in 2023, 2,0% in 2024 und 2,1% in 2025.

Leistungsbilanzüberschuss bleibt sehr hoch
Der Leistungsbilanzsaldo ist einer der wichtigsten Maßstäbe bei der Beurteilung einer Währung. In Schweden weist die Leistungsbilanz traditionell einen Überschuss auf. Die Riksbank rechnet mit Überschüssen von 4,6% des BIP in 2022 und 2023 sowie 5,2% in 2024. Dies sind klare Pluspunkte für den Wechselkurs der Schwedischen Krone.

Haushaltsdefizit schmilzt ab
Das Haushaltsdefizit Schwedens lag 2021 noch bei 2,7% des BIP. Gemäß der aktuellen Notenbank-Projektion soll es 2022 und 2023 auf 0,1% des BIP abschmelzen und 2024 bei 0,3% liegen.

Schwedische Krone unter Druck
Die Schwedische Krone (SEK) litt zu Jahresbeginn unter den fehlenden Leitzinshoffnungen und gab nach dem schwachen konjunkturellen Jahresauftakt weiter nach. Seit Jahresbeginn hat die SEK gegenüber dem Euro gut 4% verloren, obwohl der Euro selbst eine Schwächephase durchläuft. Mit der forcierten schwedischen Leitzinswende könnte die Krone wieder Aufwind bekommen.

Fazit: Die Schwedische Krone sollte angesichts eines soliden fundamentalen Umfeldes und deutlich steigender Leitzinsen über beachtliches Erholungspotenzial verfügen.