Norwegen: Leitzins auf 1,25% angehoben

veröffentlicht am 23. Juni 2022

Norwegen: Leitzins auf 1,25% angehoben

Die norwegische Notenbank Norges Bank erhöhte die Key Policy Rate um 50 Basispunkte auf 1,25% und kündigte für August eine Anhebung auf 1,50% an. Erwartet war lediglich ein Zinsschritt von 25 Basispunkten.

Nach Einschätzung der Norges Bank sind weitere Leitzinserhöhungen erforderlich, um die Inflationsrate wieder in der Nähe des Zielwertes zu senken. Sie rechnet mittlerweile mit einem Leitzins von 3,00% im Sommer 2023. Er liegt nach Einschätzung der Notenbank über dem „neutralen Zinssatz“ und soll die Konjunktur und die Inflationsrate dämpfen.

Inflationsrate über dem Zielwert
Die Notenbank betrachtet bei der Inflationseinschätzung vor allem die um Steuern und Energiepreise bereinigte „Kernrate der Inflation“ (CPI-ATE). Sie lag im Mai mit 3,4% weit über dem Zielwert des norwegischen Finanzministeriums von 2,0%. Die den gesamten Warenkorb umfassende Headline-Inflationsrate kletterte im Mai sogar auf 5,7%. Die langfristigen Inflationserwartungen liegen allerdings lediglich bei gut 2%.
Die CPI-ATE wird im Jahresdurchschnitt nach Einschätzung der Norges Bank den Zielwert bis 2025 überschreiten. Die Notenbank rechnet mit 3,2% in 2022, 3,3% in 2023, 3,0% in 2024 und 2,8% in 2025.

BIP 2022: +2,5% erwartet
Norwegen ist relativ gut durch die Pandemie gekommen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im Corona-Jahr 2020 lediglich um 1,3% und wuchs 2021 um 4,0%.
Im 1. Quartal 2022 schrumpfte das BIP jedoch aufgrund stark rückläufiger Exporte um 1,0% zum Vorquartal. Vor diesem Hintergrund dürfte das BIP im Gesamtjahr 2022 lediglich um 2,5% wachsen. Die Notenbank Norges Bank rechnet in ihren aktuellen Projektionen mit BIP-Zuwächsen von 2,5% in 2022, 1,6% in 2023, 1,1% in 2024 und 0,2% in 2024.
Dabei ist unterstellt, dass sich der Ölpreis wieder ermäßigt. Die Norges Bank erwartet beim Barrel Nordseeöl Brent einen Preisrückgang von 108 USD in 2022 auf 97 USD in 2023, 88 USD in 2024 und 82 USD in 2025.

Krone im Rückwärtsgang

Norwegens Reichtum gründet auf der Öl- und Gasförderung in der Nordsee. Die Norwegische Krone (NOK) zählt daher zu den sogenannten „Ölwährungen“, denn sie bewegt sich üblicherweise im Gleichschritt mit dem Preis für das Nordseeöl Brent.
Aktuell ist es jedoch nicht der Fall. So zog die Krone nach dem jüngsten Höhenflug der Öl- und Gaspreise bis Mitte April kräftig an, schaltete danach jedoch in den Rückwärtsgang. Seit Jahresbeginn liegt sie gegenüber dem Euro knapp 3% hinten.
Der aktuelle Wechselkurs liegt auch unter den Erwartungen der Norges Bank. Diese geht jedoch davon aus, dass sich die Krone mittelfristig wieder erholen wird.

Staatsfonds wächst
Ursächlich für den jüngsten Wechselkursrückgang könnte die norwegische Notenbank sein, die mit den Erlösen aus dem Öl- und Gasverkauf seit Mai in großem Stil ausländische Wertpapiere für den Staatsfonds kaufte.
Seit 1998 investiert Norwegen die Gewinne aus dem Öl- und Gasverkauf in den Staatsfonds „Government Pension Fund Global (GPFG)“. Er hat aktuell einen Marktwert von 11,7 Bill. NOK bzw. 1,125 Bill. EUR. Der GPFG hält Anteile an mehr als 9.000 Unternehmen in 73 Ländern und besitzt 1,4% aller weltweit notierten Aktiengesellschaften. Rund 70% des Fonds sind in Aktien, knapp 3% in Immobilien und rund 27% in Anleihen investiert.

Fazit: Die hohen Preise für Öl und Gas sowie weitere Leitzinsanhebungen sollten der Norwegischen Krone wieder Auftrieb verleihen.