Einkaufsmanager werden vorsichtiger

veröffentlicht am 23. Juni 2022

Einkaufsmanager werden vorsichtiger

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Die Einkaufsmanagerindizes (PMI) in Deutschland, Frankreich und der Euro-Zone haben sich im Juni in allen Ausprägungen weiter der Wachstumsschwelle von 50 Indexpunkten angenähert. Und zwar von oben. Damit bleiben sie zwar weiterhin im Expansionsbereich, spiegeln aber die wachsenden Rezessionsängste wider. Zudem wurden die Erwartungen weit verfehlt.

Industrie noch auf Wachstumskurs

Die Einschätzungen der industriellen Einkaufsmanager haben sich im Juni deutlich verschlechtert. Während der deutsche und der europäische PMI auf jeweils 52,0 Punkte zurückfielen (-2,8 bzw. -2,6 Punkte), trübte sich die Stimmung in Frankreich sogar um 3,6 auf 51,0 Zähler ein. Trotz anhaltender Lieferschwierigkeiten sowie hoher Preise für Energie, Material und Personal bleibt die Industrie damit auf dem Wachstumspfad. Die Rezessionsbefürchtungen nehmen jedoch zu.

Dienstleister werden vorsichtiger

Nachdem die Stimmung der Dienstleister bereits im Mai wieder nachgegeben hatte, trübte sie sich im Juni deutlich ein. So gaben der Service-PMI in Deutschland um 2,6 auf 52,4 Punkte, in Frankreich um 3,9 auf 54,4 Punkte und in der Euro-Zone um 3,3 auf 52,8 Punkte nach. Gleichwohl liegen die Juni-Werte immer noch oberhalb der Wachstumsschwelle. Aber auch hier sind die Sorgen vor einer rezessiven Entwicklung deutlich größer geworden.

Composites deutlich schwächer

Bei den Gesamtindizes (Composites) ging es ausnahmslos bergab. Während der Composite in Deutschland um 2,4 auf 51,3 Punkte nachgab, fiel der französische Gesamtindex sogar um 4,2 auf 52,8 Punkte zurück. In der Euro-Zone gab es ein Minus von 2,9 auf 51,9 Zähler.

Fazit: Die Einkaufsmanagerindizes bewegen sich zwar immer noch im Wachstumsbereich, lassen jedoch die wachsenden Sorgen vor einer Rezession erkennen.

Hintergrund: Was ist ein PMI?

Einkaufsmanagerindizes sind auch als PMI (Purchasing Managers Index) bekannt. Sie gelten als recht zuverlässige Frühindikatoren für die kurzfristige konjunkturelle Entwicklung. PMI werden sowohl für die Industrie als auch für den Dienstleitungssektor erhoben. Sie zeigen an, ob eine Volkswirtschaft wächst, stagniert oder schrumpft.

Einkaufsmanagerindizes basieren auf monatlichen Befragungen von mehreren hundert Unternehmen. Gefragt wird nach der erwarteten Entwicklung von Kenngrößen wie Produktion, Auftragseingang, Beschäftigung, Lieferzeiten und Lagerbestand. Aus den Antworten werden die PMI berechnet.

Dabei gilt ein Wert von 50 als Wachstumsschwelle, als neutral. Bei 50 Punkten erwarten die befragten Unternehmen in der Summe keine Veränderung gegenüber dem Vormonat, also Stagnation.

Werte über 50 signalisieren eine Verbesserung, also Wachstum.

Liegt ein industrieller PMI unter 50 Punkten, wird mit einer schrumpfenden Industrieproduktion gerechnet.

Je größer die Abweichung von der Wachstumsschwelle, desto ausgeprägter ist der Aufschwung (über 50) bzw. der Abschwung (unter 50).

PMI für alle wichtigen Volkswirtschaften 

Einkaufsmanagerindizes werden für alle bedeutenden Volkswirtschaften erhoben. Der älteste ist der amerikanische Purchasing Managers Index, erstmals berechnet 1931.

PMI bewegen sich im Normalfall zwischen 40 und 60 Punkten. In Extremzeiten sind vorübergehend auch höhere oder tiefere Werte möglich.

So fielen die Industrie-PMI in der Corona-Krise in den unteren 30-er Bereich, die Dienstleister sogar bis auf die 10-er Linie.

Im März 2021 stellte der deutsche Industrie-PMI mit 66,6 Punkten einen neuen Rekord auf, während der Einkaufsmanagerindex aus Chicago seinen Höchststand von 76,6 Zählern bereits im Februar 1973 markierte.