US-Notenbank: Leitzins auf 1,50% bis 1,75% angehoben

veröffentlicht am 16. Juni 2022

US-Notenbank: Leitzins auf 1,50% bis 1,75% angehoben

Die US-Notenbank (Fed) geht weiter extrem entschlossen gegen die ausufernde Inflation vor und hob den Leitzins um 75 (!) Basispunkte auf 1,50% bis 1,75% an. Der Beschluss entsprach den Erwartungen, nachdem die Inflationsrate im Mai überraschend weiter gestiegen war. Die Fed signalisierte zudem, dass in den Folgesitzungen weitere größere Anhebungen auf der Tagesordnung stehen könnten.

Neutraler Zins dürfte übertroffen werden
Die US-Notenbank rechnet in ihren aktuellen Projektionen mit einem Anstieg der Federal Funds Rate auf 3,25% bis 3,50% in 2022. Der Hochpunkt soll 2023 mit 3,75% bis 4,00% erreicht werden, ehe es 2024 mit 3,25% bis 3,50% wieder etwas zurückgeht. Langfristig wird ein Wert von 2,50% angepeilt.
Damit dürfte sie bei ihren Zinsanhebungen über den „neutralen“ Zins hinausgehen. Es ist der Satz, der weder positive noch negative Auswirkungen auf die Konjunktur hat. Gemäß dem US-Notenbankpräsidenten liegt dieser Wert „irgendwo zwischen 2% und 3%“. Die aktuellen Projektionen der Notenbank lassen also den Schluss zu, dass sie gewillt ist, die Inflation mit aller Macht wieder zurückzudrängen, auch um den Preis einer Rezession.

Anleihebestände werden reduziert
Die mittlerweile auf rund 9 Bill. USD angeschwollene Bilanzsumme wird abgeschmolzen. Seit Juni werden nicht mehr alle Rückflüsse und Fälligkeiten aus dem Anleiheportfolio reinvestiert. Von Juni bis August erfolgen monatliche Kürzungen von 47,5 Mrd. USD, verteilt auf 30 Mrd. USD Staatsanleihen und 17,5 Mrd. USD hypothekenbesicherte Anleihen (MBS). Ab September werden die Kürzungen auf monatlich 95 Mrd. USD erhöht. Zurückgehalten werden dann jeden Monat Rückflüsse von 60 Mrd. USD Staatsanleihen und 35 Mrd. USD MBS zurückgehalten.

Projektionen angepasst
Die Fed rechnet bei den Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts (BIP) nur noch mit jeweils 1,7% in 2022 und 2023 sowie 1,9% in 2024. Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass diese Werte die Veränderungen vom Schlussquartal zum Schlussquartal des Vorjahres darstellen. Bezogen auf die jahresdurchschnittlichen Wachstumsraten entspricht dies BIP-Zuwachsraten von etwa 2,5% in 2022 und 2% in 2023.
Die Arbeitslosenquote soll trotz geldpolitischer Straffungen bei 3,7% in 2022, 3,9% in 2023 und 4,1% in 2024 liegen. Der Arbeitsmarkt wird nach Einschätzung der Notenbank also nur wenig unter den Leitzinserhöhungen leiden.
Die von der US-Notenbank besonders beachtete Kernrate der Konsumausgaben (Core PCE, Personal Consumption Expenditures) lag im April bei 4,9%. Sie soll gemäß den aktuellen Fed-Projektionen von 4,3% in diesem Jahr auf 2,7% in 2023 und 2,3% in 2024 sinken.

Fazit: Die Fed avisiert weitere kräftige Leitzinserhöhungen und hat die Wachstumsschätzungen folgerichtig zurückgenommen. Um die Inflationsraten wieder zurückzudrängen, scheint sie bereit zu sein, eine Rezession in Kauf zu nehmen.