Bank of England erhöht Leitzins auf 1,25%

veröffentlicht am 16. Juni 2022

Bank of England erhöht Leitzins auf 1,25%

Die Bank of England (BoE) setzte die Serie von Leitzinserhöhungen fort und hob die Bank Rate um weitere 25 Basispunkte auf 1,25% an. Der Beschluss erfolgte mit einer Mehrheit von 6:3 Stimmen. Drei Mitglieder des Zentralbankrates wünschten eine Anhebung um 50 Basispunkte auf 1,50%.
Die Bank Rate dürfte gemäß den bisherigen Projektionen der BoE bis Ende 2022 auf 2,00% steigen und den Hochpunkt mit gut 2,50% Mitte 2023 erreichen. Im Jahr 2025 soll sie wieder bei 2,00% liegen.

Anleihebestände werden langsam abgebaut
Die Bank of England hat Anleihen von insgesamt 867 Mrd. Pfund Sterling (GBP) im Bestand, davon 847 Mrd. GBP Staatsanleihen und 19,6 Mrd. GBP Unternehmensanleihen. Im Juli beginnt die Reduzierung der Bestände, indem eine Fälligkeit von 3,2 Mrd. Pfund Sterling (GBP) nicht wieder investiert wird.
Bei den Unternehmensanleihen werden bereits seit Mai keine Rückflüsse und Fälligkeiten mehr reinvestiert. Von September 2022 bis Ende 2023 sollen sie komplett verkauft werden.

Inflationsgipfel bei 11% erwartet
Ursächlich für die weitere Straffung der Geldpolitik sind die rasant steigenden Verbraucherpreise. So lag die Inflationsrate im April mit 9% extrem weit über dem Zielwert von 2,0%. Die Bank of England erwartet auch in den kommenden Monaten Werte im Bereich von 9%. Der Hochpunkt soll im Oktober mit etwa 11% erreicht werden. In zwei Jahren soll die Inflationsrate wieder bei gut 2% liegen, in drei Jahren sollen wieder Werte unter 2% gemessen werden.

BIP 2022: plus 3%
Die Notenbank rechnet mit einer deutlichen Verlangsamung des Wachstums. Dem sehr guten Jahresauftakt 2022 dürfte ein schwächeres Frühjahr gefolgt sein. Die BoE rechnet im 2. Quartal beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit einem Quartalsminus von 0,3%. Für das Gesamtjahr 2022 zeichnet sich ein BIP-Plus von 3% ab. In den Jahren ab 2023 rechnet die BoE allerdings nur noch mit BIP-Veränderungen nahe der Nulllinie.

Pfund gedrückt
Seit Anfang 2021 befand sich das Pfund gegenüber dem Euro im Aufwind, hat zuletzt allerdings nachgegeben. Seit Jahresbeginn liegt es gegenüber dem Euro knapp 2% hinten. Einerseits stützt der weiter aufwärts gerichtete Leitzinstrend, andererseits belasten die deutlich eingetrübten Konjunkturperspektiven.
In der Langzeitbetrachtung fehlen dem Pfund immer noch knapp 12% zu den Notierungen vor dem Brexit-Votum vom Sommer 2016.

Fazit: Das Pfund Sterling könnte sich im Spannungsfeld steigender Leitzinsen und eingetrübter Konjunkturperspektiven etwas abschwächen.