Japan mit Wellblechkonjunktur

veröffentlicht am 18. Mai 2022

Japan mit Wellblechkonjunktur

In der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt setzt sich die Phase der „Wellblechkonjunktur“ fort. Der deutlichen Erholung Ende 2021 folgte ein schwächeres Auftaktquartal 2022.
Ursächlich für den schwachen Jahresauftakt waren die Pandemie-bedingten Restriktionen sowie schwächere Exporte, die unter der nachlassenden Nachfrage aus China litten. Zum Vor-Corona-Niveau fehlen dem japanischen Bruttoinlandsprodukt (BIP) immer noch 0,7%.

BIP-Prognose 2022: +1,0%
Im 1. Quartal schrumpfte das BIP um 0,2% zum Vorquartal. Während die privaten Konsumausgaben um 0,3% expandierten, ging der Staatsverbrauch um 0,2% zurück. Die Importe legten mit 3,4% deutlich stärker zu als die Ausfuhren mit 1,1%, so dass der Außenhandel einen negativen Wachstumsbeitrag von 0,4 Prozentpunkten (Pp.) generierte. Dieser konnte von den Konsumausgaben (+0,2 Pp.) nicht kompensiert werden.
In der Annahme, dass dem schwachen Jahresauftakt moderate Quartalswachstumsraten folgen, dürfte das japanische BIP im Kalenderjahr 2022 um 1% wachsen.
In dem am 1. April beginnenden Fiskaljahr 2022 sollte die Wachstumsrate mit 1,5% etwas höher ausfallen, da in der Berechnung das negative 1. Quartal 2022 nicht enthalten ist.

Kein Inflationsproblem
Anders als die Notenbanken in Europa und den USA hat die Bank of Japan (BoJ) auch weiterhin kein Inflationsproblem, obwohl die Inflationsrate im April den Zielwert von 2% erreicht haben dürfte. Allerdings ist dies nicht auf die erhoffte höhere Binnennachfrage, sondern auf die rasant gestiegenen Energiepreise zurückzuführen.
In ihren aktuellen Projektionen rechnet die BoJ bei der als Messlatte genommenen Kernrate (Konsumentenpreisindex ohne frische Lebensmittel: CPI, all items less fresh food) mit Werten von 1,9% in 2022 und jeweils 1,1% in 2023 und 2024.

Notenbank bleibt expansiv

Vor diesem Hintergrund hält die BoJ an ihrer expansiven Geldpolitik fest. Sie verfolgt seit Ende 2016 eine „quantitative und qualitative monetäre Lockerung mit Zinskurvensteuerung“ (Quantitative and Qualitative Monetary Easing (QQE) with Yield Curve Control). Dabei werden dem Markt klare Zielwerte vorgegeben.
Der japanische Leitzins liegt seit Anfang 2016 bei minus 0,1%, die Zielrendite für 10-jährige Staatsanleihen bei 0,0%. Letztere kann um 25 Basispunkte in beide Richtungen um den Zielwert schwanken. Die Steuerung erfolgt über den Kauf und Verkauf von Anleihen am Markt. Dabei gibt es kein Limit. Aktuell liegt sie mit 0,25% an der oberen Grenze.

Yen unter Druck

Das Fehlen jeglicher Leitzinsphantasie und die überschaubaren Wachstumsperspektiven haben den Wechselkurs des Japanischen Yen zuletzt deutlich belastet. Selbst gegenüber dem zur Schwäche neigenden Euro hat er seit Jahresbeginn knapp 4% nachgegeben.
Fazit: Japans fehlende Leitzinsphantasie und die lediglich verhaltenen Konjunkturaussichten dürften den Yen weiter belasten.