ZEW Indikator: Erwartungen besser, Lage schlechter

ZEW Indikator: Erwartungen besser, Lage schlechter

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Der vom Mannheimer Leibnitz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung ZEW ermittelte konjunkturelle Frühindikator hat sich im Mai wieder etwas erholt, bleibt aber mit minus 34,3 Punkten klar „unter Wasser“.

Mehrheitlich Pessimisten
Im Mai erwarteten lediglich 17,4% der Befragten eine konjunkturelle Verbesserung, 51,7% jedoch eine Verschlechterung. Daraus errechnete sich der aktuelle ZEW Indikator von minus 34,3 Punkten.

Lage erneut schlechter
Die aktuelle Lage wurde zum dritten Mal in Folge schlechter beurteilt als im Vormonat. Der entsprechende Wert fiel um 5,7 auf minus 36,5 Punkte.

Inflationsraten stabil oder rückläufig
Nur noch eine Minderheit von 26,7% der Befragten rechnet mit weiter steigenden Verbraucherpreisen in Deutschland. Die meisten erwarten unveränderte (36,1%) oder rückläufige (37,2%) Inflationsraten. Für die USA geht sogar knapp die Hälfte (48,6%) davon aus, dass die Teuerungsraten sinken.

Höhere Zinsen
Der Zinstrend dürfte klar aufwärts gerichtet bleiben. Knapp 70% der Befragten erwarten höhere langfristige Renditen in Deutschland und den USA. Bei den kurzfristigen Zinsen rechnen sogar knapp 90% mit einem Anstieg in der Euro-Zone und den USA.

Aktienkurse uneinheitlich
Den Deutschen Aktienindex (DAX) sehen 34,9% weiter steigen und 37,9% unverändert, während 27,2% der Befragten rückläufige DAX-Notierungen erwarten.

Dollar weiter positiv
Der US-Dollar wird weiterhin überwiegend positiv eingeschätzt. Während 30,1% der Befragten mit einer Abschwächung zum Euro rechnen und 23,1% ihn unverändert sehen, rechnet die Mehrheit von 46,8% mit einer weiteren Dollar-Aufwertung gegenüber dem Euro.

Fazit: Die ZEW-Daten unterstreichen unsere Einschätzung eines von geringem Wachstum und hohen Inflationsraten geprägten Sommerhalbjahres.

Hintergrund:

Vorbote konjunktureller Wendepunkte
Der ZEW Indikator gilt als Vorbote konjunktureller Wendepunkte in Deutschland. Die ZEW Konjunkturerwartungen sind ein Frühindikator für die wirtschaftliche Lage, vergleichbar mit den ifo Geschäftserwartungen. Abgefragt werden die Erwartungen für die kommenden sechs Monate.

Seit 1991 werden im Rahmen des ZEW-Finanzmarkttests monatlich bis zu 300 Expertinnen und Experten von Banken, Versicherungen und Finanzabteilungen ausgewählter Großunternehmen kontaktiert. Sie werden nach ihren mittelfristigen Erwartungen bezüglich der Konjunktur- und Kapitalmarktentwicklung in Deutschland, der Euro-Zone, den USA und China befragt.
Konkret sind es die Erwartungen für die nächsten 6 Monate bezüglich Wirtschaftswachstum, Inflationsraten, Zinsen, Aktienindizes und Wechselkursen.
An der Mai-Umfrage des ZEW vom 02. bis 09.05.2022 beteiligten sich 184 Personen.