Öl- und Gaspreise im Höhenflug

veröffentlicht am 4. Februar 2022

Öl- und Gaspreise im Höhenflug

.

Die Preise für Energierohstoffe befinden sich seit Monaten in einem kräftigen Aufwind. Ein Fass Nordseeöl Brent kostet mittlerweile mehr als 90 US-Dollar. Für eine Megawattstunde Erdgas werden rund 80 EUR gezahlt. Vor einem Jahr waren es noch 18 EUR.

Warum ist die Energie so teuer?

Angesichts abnehmender Pandemie-Sorgen nahm die globale Energienachfrage kräftig zu. Gleichzeitig sorgen die immer noch gedrosselte Ölproduktion der OPEC+ und die nur verhaltene Ausweitung der US-Ölförderung für ein nicht ausreichendes Angebot.

Beim Gas ist die weltweite Nachfrage ebenfalls kräftig gestiegen. Zudem scheint das Gasangebot zunehmend politischen Einflüssen im Rahmen des Ukraine-Konflikts zu unterliegen.

OPEC+ drosselt die Ölförderung

Das Kartell der OPEC+ dominiert mit seinem Förderbegrenzungsabkommen weiterhin den Rohölmarkt. Die Produktion der OPEC+ wird derzeit zwar jeden Monat um 400.000 Barrel erhöht. Dies reicht jedoch nicht, den Nachfrageüberhang auszugleichen. Auch schafften es einige Kartellmitglieder nicht immer, die ihnen zustehenden Mengen tatsächlich zu liefern. Zudem gab es Förderausfälle in Libyen, Kanada und Ecuador, die dazu führten, dass die Lagerbestände deutlich abnahmen.

Spekulation hat zugenommen

Kurzfristige Kontrakte auf Rohöl werden derzeit zu höheren Preisen gehandelt als längerfristige. Diese als Backwardation bezeichnete Konstellation drückt die Knappheit am Markt aus und zieht spekulative Investoren an. So nahmen die spekulativen Netto-Long-Positionen im Januar kräftig zu.

USA mit Produktionslücke

Die US-Ölförderung brach im Sommer 2020 von 13 Mio. Mio. Barrel pro Tag (bpd) auf weniger als 10 Mio. bpd ein. Trotz rasant steigender Preise erholte sie sich danach nur teilweise. Ursächlich waren verschärfte Umweltauflagen sowie die Erkenntnis, dass das Ölgeschäft langfristig ein Auslaufmodell sein dürfte. So wird die Erschließung neuer Förderstätten angesichts des Vormarschs erneuerbarer Energien immer riskanter.

Vor diesem Hintergrund liegt die US-Produktion aktuell mit 11,5 Mio. bpd immer noch fast 1,5 Mio. bpd unter dem Vorkrisenniveau. Die Anzahl aktiver US-Bohrstellen (Rigs) stieg zwar von 180 im August 2020 auf fast 500. Dies ist jedoch nicht einmal ein Drittel des Spitzenwertes von 1.591Rigs im Oktober 2014.

OPEC+ kürzt seit 2018

Als OPEC+ werden die 13 Mitglieder der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) bezeichnet, ergänzt um Russland, Mexiko, Kasachstan, Aserbaidschan sowie sechs weitere kleinere Ölförderländer. Zusammen kontrollieren sie knapp die Hälfte des globalen Ölmarktes.

Nach dem Corona-bedingten Konjunkturabsturz nahmen sie im Sommer 2020 rund 10% der Weltproduktion aus dem Markt, um den Öl-Nachfrageinbruch zu kompensieren. Seit Juli vergangenen Jahres wird die Förderung jeden Monat um 400.000 Barrel erhöht. Im Herbst 2022 soll Pandemie-bedingte Kürzung wieder ausgeglichen sein.

Iran könnte mehr liefern

Sollte dem Iran im Atomstreit mit den USA eine Lösung gelingen, die zu einer Aufhebung der Sanktionen führt, könnte er sein Ölangebot deutlich ausweiten. Bis 2018 förderte der Iran nämlich knapp 4 Mio. bpd, aktuell sind es lediglich 2,5 Mio. bpd.

EIA erwartet Marktausgleich in 2022

Die U.S. Energy Information Administration (EIA) erwartet in diesem Jahr die Rückkehr zu einem ausgeglichenen Markt. In 2022 und 2023 sollen auch die Vorräte wieder steigen und auf die Preise drücken. Im Jahresdurchschnitt rechnet die EIA für ein Barrel Nordseeöl Brent mit Preisen von 75 USD in 2022 und 68 USD in 2023.

Beim Erdgas dürfte nach Einschätzung der EIA der Hochpunkt erreicht sein. Für 2022 und 2023 werden leicht rückläufige Notierungen erwartet.

Fazit: Aktuell treibt der Nachfrageüberhang immer noch den Ölpreis. Im weiteren Jahresverlauf sollte sich der Markt dem Ausgleich nähern und die Notierungen wieder nachgeben. Wir halten die Prognosen der EIA für realistisch.