Gold bleibt interessant

veröffentlicht am 17. Januar 2022

Gold bleibt interessant

Der Preis für die Feinunze Gold pendelte sich im vergangenen Jahr unter abnehmenden Schwankungen im Bereich um 1.800 USD ein. Gleich zu Jahresbeginn wurde der Höchststand von rund 1.950 USD markiert. Am Jahresende lag er bei 1.828 USD.

Im Gesamtjahr 2021 büßte der Goldpreis in US-Dollar gerechnet 4% ein. Da der Euro zum Dollar jedoch leicht abwertete, ergab sich auf Euro-Basis ein Plus von 3,3%.

Fazit vorweg: Gold dürfte auch weiterhin seinen festen Platz in der Asset Allokation behalten. Das gelbe Metall profitiert von hohen Inflationsraten, negativen Realzinsen und anhaltenden politischen Spannungen. Eine Rückkehr des Goldpreises zu den Höchstständen um 2.000 USD pro Feinunze ist jedoch weiterhin nicht in Sicht.

Gold profitiert von niedrigen Realzinsen

Zieht man von den aktuellen Renditen die Inflationsrate ab, erhält man die Realverzinsung. Diese ist seit Jahren negativ und dürfte in absehbarer Zeit auch nicht wieder in den positiven Bereich vorstoßen. Aus dem relativ engen Zusammenhang „steigen die US-Realzinsen, sinkt der Goldpreis“, lässt sich also ein Pluspunkt für das gelbe Metall ableiten, denn die Inflationsraten sollten noch längere Zeit höher sein als die langfristigen Renditen.

Gold profitiert von Verunsicherung

Die anhaltenden politischen Spannungen rund um die Ukraine sowie der Dauerkonflikt zwischen den USA und China um die führende Position in der Weltwirtschaft dürften auch weiterhin für Verunsicherung sorgen.

In Europa stehen im April die Präsidentschaftswahlen in Frankreich und im Herbst in Italien an. Im Umfeld dieser bedeutenden Urnengänge ist ebenfalls mit erhöhter politischer Nervosität zu rechnen.

Nicht überall steigen die Leitzinsen

Die bereits begonnene Leitzinswende ist grundsätzlich ein Bremsfaktor für den Goldpreis. Allerdings werden wohl nicht alle großen Notenbanken die Zinsen erhöhen. In Japan ist angesichts anhaltender Deflationssorgen nichts dergleichen zu erwarten. Und in China nimmt die Zentralbank die Sätze derzeit sogar leicht zurück, um die schwächelnde Konjunktur zu stützen. Auch in der Euro-Zone sind in diesem Jahr noch keine höheren Leitzinsen zu erwarten.

Hohe Bewertungen stützen den Goldpreis

Die hohe Bewertung vieler Aktienmärkte und rekordhohe Immobilienpreise lassen die Sorgen vor einer Korrektur größer werden und machen Gold-Investments interessanter.

„Weißes Gold“?

Cyberdevisen wie Bitcoin und Co. wurden im vergangenen Jahr häufig als „weißes Gold“ bezeichnet, als Konkurrenz zum gelben Metall. Angesichts der ungebrochen hohen Schwankungsanfälligkeit der digitalen „Währungen“ dürfte diese Rolle zunehmend in Frage gestellt werden.

China und Indien fragen mehr Gold nach

China und Indien sind die beiden bedeutendsten Märkte für den Handel mit Goldschmuck. Im vergangenen Jahr nahm die Nachfrage nach dem 2020er-Einbruch wieder kräftig zu. Im 3. Quartal 2021 wurden in China insgesamt 157 Tonnen (t) Gold gekauft. Dies ist ein Plus von 32% zum Vorjahr. In Indien legte die Nachfrage im gleichen Zeitraum um 58% auf 96 t zu.

Goldnachfrage leicht rückläufig

Insgesamt ging die die Nachfrage nach dem gelben Metall zuletzt jedoch zurück. Im 3. Quartal 2021 gab es ein Minus von 7% auf 831 t.

Während die Schmucknachfrage um 33% auf 443 t stieg, orderten die Zentralbanken nur noch 69 t (-59%). Verkäufe der Türkei standen Aufstockungen in Indien und Brasilien gegenüber.

Im Technologiesektor wurden 84 t Gold (+9%) nachgefragt, der Großteil davon ging an elektronische Unternehmen.

Für Investmentzwecke wurden netto 235 t erworben. Während die Aufträge für Barren und Münzen um 18% auf 262 t expandierten, flossen 27 t aus den mit Gold unterlegten börsengehandelten Fonds (Gold-ETFs) ab. Gleichwohl waren Ende September immer noch fast 3.600 t Gold für ETFs hinterlegt. Der Rekordbestand von knapp 4.000 t vom Jahresende 2020 wurde allerdings deutlich verfehlt.

Goldangebot leicht rückläufig

Das Goldangebot gab im 3. Quartal nach Angaben des World Gold Council um 3% auf 1.239 t nach. Während die Minenproduktion um 4% auf 960 t zulegte, gab es beim Recycling ein Minus von 22% auf 298 t.

Wie geht es weiter?

Angesichts nur langsam abnehmender Inflationsraten, nur moderat steigender Renditen und anhaltender politischer Verunsicherungen dürfte Gold auch weiterhin glänzen. Eine Bewegung des Goldpreises im Bereich um 1.850 USD pro Feinunze erscheint realistisch.