Neuseeland: Leitzins steigt auf 0,75%

veröffentlicht am 24. November 2021

Neuseeland: Leitzins steigt auf 0,75%

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Die Reserve Bank of New Zealand (RBNZ) hat die im Juli begonnene Straffung der geldpolitischen Zügel fortgesetzt und die Official Cash Rate (OCR) um weitere 25 Basispunkte auf 0,75% erhöht.

Leitzins soll weiter steigen

Die RBNZ will den Rückzug aus der extrem expansiven Geldpolitik fortsetzen. In den aktuellen Projektionen der Notenbank liegt der Leitzins im Jahresdurchschnitt 2023 bei 2,0% und steigt 2024 auf 2,5%.

Anleihekäufe eingestellt

Zur expansiven Geldpolitik zählte auch in Neuseeland der Erwerb langfristiger Anleihen. Das Kaufprogramm LSAP (Large Scale Asset Purchases) umfasste 100 Mrd. NZD und sollte im Juni 2022 auslaufen. Da sich die fundamentale Lage Neuseelands jedoch überraschend schnell und deutlich verbesserte, konnte die RBNZ die monetäre Unterstützung früher zurückfahren und stellte die Anleihekäufe zum 23. Juli 2021 ein. Derzeit wird darüber nachgedacht, die Anleihebestände wieder abzubauen.

BIP 2021: plus 4,5%

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte in der ersten Jahreshälfte 2021 kräftig zu. Im 3. Quartal dürfte der landesweite Lockdown zwar einen schweren Einbruch des Wirtschaftsgeschehens zur Folge gehabt haben, dem allerdings ein starkes Schlussquartal folgen sollte. Für das Gesamtjahr 2021 zeichnet sich eine Wachstumsrate des BIP von 4,5% ab. Im nächsten Jahr rechnen wir mit einem Plus von 4%.

Inflationsrate kurzfristig stark überhöht

Die Inflationsrate liegt aktuell mit 4,9% weit über dem von 1% bis 3% reichenden Zielkorridor der Notenbank. Sie wird nach Einschätzung der Notenbank die Marke von 5% vorübergehend überschreiten, ehe sie im Laufe des nächsten Jahres zurückkommt. Die RBNZ rechnet mit Teuerungsraten von 5,7% in 2022, 2,9% in 2023 und 2,1% in 2024.

Zwillingsdefizit

Neuseeland produziert sogenannte „Zwillingsdefizite“, denn neben der chronisch defizitären Leistungsbilanz weist auch der Staatshaushalt eine Unterdeckung auf.

Das Haushaltsdefizit dürfte sich in diesem Jahr auf 4,1% des BIP belaufen, 2022 auf 4,6% steigen und danach wieder sinken. Die RBNZ schätzt die Defizite für 2023 auf 2,1% und für 2024 auf 1,8%.

Der Schwachpunkt des neuseeländischen Datenkranzes bleibt die Leistungsbilanz. Sie dürfte 2021 eine Unterdeckung von 2,5% des BIP aufweisen. Danach werden die Defizite nach Einschätzung der Notenbank auf 4,4% in 2022, 5,1% in 2023 und 5,8% in 2024 steigen.

Die vor der Pandemie noch recht moderate Staatsschuldenquote von rund 32% des BIP dürfte 2021 auf 46% des BIP ansteigen. Dies ist im internationalen Vergleich ein moderater Wert.

Kiwi im Aufwind

Trotz des Zwillingsdefizits befindet sich der Neuseeland Dollar („Kiwi“) im Aufwind und hat seit Jahresbeginn mehr als 4% zum Euro gewonnen. Der Kiwi profitiert vom Ausstieg aus der extrem expansiven Geldpolitik und der Aussicht auf weiter steigende Leitzinsen.

Fazit: Angesichts guter Wirtschaftsdaten und einer restriktiveren Geldpolitik dürfte der Neuseeland Dollar weiteres Aufwärtspotenzial besitzen.