ifo Geschäftsklimaindex: Trübes Winterhalbjahr in Sicht

veröffentlicht am 24. November 2021

ifo Geschäftsklimaindex: Trübes Winterhalbjahr in Sicht

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Das Geschäftsklima trübte sich in Deutschland im November erneut ein. Der vom Münchener ifo Institut ermittelte Geschäftsklimaindex lag mit 96,5 Zählern nicht nur 1,2 Punkte unter dem Vormonatswert, sondern verfehlte auch die Erwartungen.

„Lieferengpässe und die vierte Corona-Welle machen den Unternehmen zu schaffen“ kommentierte das ifo Institut die Ergebnisse.

Erwartungen gesunken

Die Erwartungen trübten sich im November weiter ein. Der entsprechende Subindex fiel um 1,2 auf 94,2 Punkte zurück. Es war der fünfte Rückgang in Folge.

Lage verschlechtert

Die Lagebeurteilung verschlechterte sich zum dritten Mal nacheinander und fiel mit 99,0 Punkten (-1,1) in den zweistelligen Bereich zurück.

Konjunktur-Ampel auf „rot“

Die ifo Konjunktur-Ampel verharrte im November im roten Bereich. Die monatliche Wahrscheinlichkeit einer expansiven Wirtschaftsentwicklung näherte sich der Nulllinie.

Konjunktur-Uhr blieb bei „Abkühlung“

Die aus den aktuellen Einschätzungen der Lage und der Erwartungen gebildet ifo Konjunktur-Uhr blieb im November im Quadranten „Abkühlung“.

Fazit: Die ifo-Daten signalisieren für das Winterhalbjahr eine deutliche konjunkturelle Abkühlung. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte im laufenden Schlussquartal 2021 stagnieren, der Jahresauftakt 2022 könnte verhaltener ausfallen als erwartet. Der Aufschwung 2022 sollte jedoch nicht in Gefahr sein.

Wie sieht es in den Sektoren aus?

Im Verarbeitenden Gewerbe hat sich die Stimmung insgesamt verschlechtert. Die Erwartungen sind zwar etwas besser geworden, die Lage wird jedoch weniger gut eingeschätzt.

Der Dienstleistungssektor hat sich das Geschäftsklima stark eingetrübt. Die vierte Infektions-Welle führte sowohl bei der Lagebeurteilung als auch bei den Erwartungen zu geringeren Noten.

Im Handel wird die Lage zwar etwas besser eingeschätzt, die Erwartungen sind jedoch gesunken. Probleme bereiten weiterhin die Lieferschwierigkeiten.

In der Bauwirtschaft wurde die aktuelle Lage etwas besser beurteilt, während sich die Erwartungen nach einem mehrmonatigen Anstieg wieder etwas eintrübten.

Hintergrund:

ifo als Frühindikator

Der ifo Geschäftsklimaindex gilt als der wichtigste Frühindikator für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Er wird seit den fünfziger Jahren erhoben und setzt sich aus den beiden Komponenten „Lage“ und „Erwartung“ zusammen. Gefragt werden monatlich rund 9000 Unternehmen. Diese beurteilen die aktuelle Lage sowie die Erwartungen für die kommenden sechs Monate. Als Antwortmöglichkeiten stehen zur Wahl:

  • gut / befriedigend / schlecht (bei der Lageeinschätzung) bzw.
  • günstiger / gleich bleibend / ungünstiger (bei den Erwartungen).

Aus den Antworten wird der Geschäftsklimaindex berechnet.

Seit 2018 Spiegelbild der Gesamtwirtschaft

Bis Anfang 2018 bildete „der ifo“ lediglich den gewerblichen Sektor (Industrie, Bau, Groß- und Einzelhandel) ab. Seit Frühjahr 2018 umfasst er auch den Dienstleistungssektor und wurde damit zum Spiegelbild der Gesamtwirtschaft. Der „ifo Geschäftsklimaindex für die Gewerbliche Wirtschaft“ wurde durch das „ifo Geschäftsklima Deutschland“ ersetzt. Darüber hinaus erfolgte die Umstellung des Basisjahres von 2005 auf 2015.

Mit der Einbeziehung der Dienstleistungen repräsentiert der „neue ifo“ einen deutlich größeren Bereich der deutschen Wirtschaft, denn der Dienstleistungssektor alleine generiert rund zwei Drittel der Bruttowertschöpfung in Deutschland. Der „neue ifo“ hat folgende Gewichtungen: Dienstleistungssektor 50,5%, Verarbeitendes Gewerbe 30,2%, Bauhauptgewerbe 6,0%, Großhandel 7,1% und Einzelhandel 6,2%.