Bank of England wartet weiter ab

veröffentlicht am 8. November 2021

Bank of England wartet weiter ab

Die Bank of England (BoE) ließ den Leitzins auch im November bei 0,10%. Die allgemein erwartete Erhöhung wurde erneut nicht realisiert. Sie soll allerdings in den kommenden Monaten beschlossen werden.

Anleihekaufprogramm unverändert

Für Anleihekäufe stehen insgesamt 895 Mrd. Pfund Sterling (GBP) zur Verfügung. Davon sind 20 Mrd. GBP für den Erwerb von Unternehmensanleihen und 875 Mrd. GBP für Staatsanleihen vorgesehen. Bis zum 5. November erwarb die BoE Anleihen für 871 Mrd. GBP.

Historie: Die Bank of England erwarb im Rahmen eines Quantitative Easing (QE) von 2009 bis 2012 Staatsanleihen im Volumen von 435 Mrd. GBP, um die Folgen der damaligen Weltwirtschaftskrise abzufedern. Zudem wurden Unternehmensanleihen für 10 Mrd. GBP gekauft.

Im März 2020 erhöhte die BoE das Ankaufvolumen um 200 Mrd. GBP, um die Folgen der Corona-Pandemie abzumildern. Mitte Juni 2020 wurde das Kontingent um 100 Mrd. GBP auf 745 Mrd. GPB aufstockt und im November 2020 erfolgte eine weitere Erhöhung um 150 Mrd. GBP auf 895 Mrd. GBP.

Inflationsrate über dem Zielwert

Die Inflationsrate lag im September mit 3,1% deutlich über dem Zielwert von 2,0%. Die Bank of England geht davon aus, dass sie über den Jahreswechsel hinaus die Vier vor dem Komma aufweisen wird. Der Hochpunkt wird im April 2022 mit rund 5% gesehen.

Anschließend sollen die Teuerungsraten sukzessive zurückkommen. Während 2022 noch ein Wert über 3% projiziert wird, sollen die Inflationsraten in den Jahren 2023 und 2024 wieder nahe am Zielwert von 2% liegen.

BIP 2021: plus 6,8%

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) brach in Großbritannien im vergangenen Jahr mit 9,7% mehr als doppelt so stark ein wie in Deutschland. Ursächlich waren der Brexit und die Pandemie.

In diesem Jahr findet nach einem schwachen Jahresauftakt eine rasante Aufholjagd statt. Das BIP stieg im 2. Quartal um 5,5% zum Vorquartal. Im 3. Quartal nahm das Wachstumstempo deutlich ab, blieb aber mit 1,3% auf einem erhöhten Niveau. Treibende Kraft war der private Verbrauch (+2,0% zum Vorquartal). Die Investitionen legten um 0,8% und der Staatsverbrauch um 0,9% zu. Während die Importe um 2,5% expandierten, gaben die Exporte um 1,9% nach.

Der Außenhandel „kostete“ auf diese Weise gut 1% Wachstum. Positive Wachstumsbeiträge lieferten der private Verbrauch (1,2 Prozentpunkte Pp), die Investitionen (1,0 Pp) und die staatlichen Konsumausgaben (0,2 Pp). rund s,

Für das Gesamtjahr 2021 zeichnet sich eine Wachstumsrate des britischen BIP von 6,8% ab.

Im nächsten Jahr rechnen wir mit einem Zuwachs von 4%, von dem allerdings rund die Hälfte auf einem statistischen Überhang beruht. Das Vor-Corona-Niveau dürfte das BIP in der ersten Jahreshälfte 2022 erreichen.

Pfund etwas leichter

Das Pfund Sterling verzeichnete nach dem erneuten Ausbleiben der Leitzinserhöhung Anfang November einen leichten Rücksetzer. Es hatte sich jedoch im Zuge des konjunkturellen Aufschwungs zuvor deutlich erholt und liegt seit Jahresbeginn gegenüber dem Euro um mehr als 4% vorne.

In der Langzeitbetrachtung fehlen jedoch immer noch knapp 12% zu den Notierungen vor dem Brexit-Votum vom Sommer 2016.

Eine weitere Aufwertung des Pfundes sollte möglich sein, wenn sich die optimistischen Wachstumserwartungen realisieren und die Bank of England mit der Leitzinswende beginnt.