Australien: Zinskurvensteuerung beendet

veröffentlicht am 5. November 2021

Australien: Zinskurvensteuerung beendet

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Die Reserve Bank of Australia (RBA) hat ihre monetären Zügel ein wenig gestrafft. Der Leitzins bleibt zwar bei 0,10% und die Anleihekäufe werden bis Mitte Februar 2022 fortgesetzt. Die Zinskurvensteuerung wird jedoch eingestellt.

Keine Leitzinserhöhung in Sicht

Die RBA ließ den Leitzins auch im November bei 0,10%. Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Notenbanken aus der „zweiten Reihe“ plant die RBA auch keine Zinserhöhung. Im Gegenteil: Die Cash Rate soll erst wieder angehoben werden, wenn Vollbeschäftigung herrscht und die Inflationsrate dauerhaft in der Zielzone von 2% bis 3% liegt. Dies wird nach Einschätzung der Notenbank im nächsten Jahr noch nicht der Fall sein.

Anleihekäufe bis Mitte Februar

Die Notenbank erwirbt im Rahmen des zweiten Anleihekaufprogramms über 100 Mrd. Australische Dollar (AUD) seit Anfang September jede Woche Anleihen für 4 Mrd. AUD. Die Käufe werden zunächst einmal bis Mitte Februar 2022 fortgeführt. Dann erfolgt eine Überprüfung.

Zinskurvensteuerung beendet

Im März 2020 begann die RBA mit einer aktiven Zinskurvensteuerung. Die Rendite der dreijährigen Staatsanleihe sollte bei 0,10% liegen. Um den Zielwert zu fixieren, wurden entsprechende Anleihen gekauft oder verkauft. Mittlerweile sieht die RBA keine weitere Notwendigkeit für die Zinskurvensteuerung und beendete das Programm.

Refinanzierungsprogramm beendet

Seit März 2020 stellte die Notenbank den Kreditinstituten zusätzliche Liquidität über dreijährige Refinanzierungsgeschäfte bereit. Das Programm wurde bereits im Juni 2021 beendet.

Rohstoff-Boom stützt die Konjunktur

„Down Under“ profitierte bereits im vergangenen Jahr vom Höhenflug der Rohstoffpreise. So schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Gesamtjahr 2020 lediglich um 2,4%.

Bereits im 1. Quartal 2021 wurde beim BIP mit einer Quartalswachstumsrate von 1,9% das Vor-Corona-Niveau erreicht. Im 2. Quartal setzte sich der Aufschwung mit einem Zuwachs von 0,7% fort. Treibende Kräfte waren die privaten und staatlichen Konsumausgaben, während der Außenhandel einen negativen Wachstumsbeitrag lieferte. Die Sparquote ging auf immer noch stattliche 9,7% des verfügbaren Einkommens zurück.

Delta-Variante unterbrach den Aufschwung

Neue Corona-Ausbrüche und der bis September verlängerte Lockdown dämpften den konjunkturellen Höhenflug allerdings seit dem Frühsommer, so dass das BIP im 3. Quartal geschrumpft sein dürfte. Im 4. Quartal sollte sich der Aufschwung fortsetzen. Für das Gesamtjahr 2021 zeichnet sich ein BIP-Plus von 4,3% ab.

Die RBA rechnet für die Jahre 2022 und 2023 mit Wachstumsraten von 5% bzw. 3%. Wir halten insbesondere die 2022er-Prognose für zu hoch.

Inflationsrate am Rand der Zielzone

Die Inflationsrate lag im 3. Quartal mit 3% am oberen Rand der Zielzone, die von 2% bis 3% reicht. Sie wird nach Einschätzung der Notenbank zunächst die Drei vor dem Komma behalten, danach jedoch in den Korridor zurückkehren. Ende 2022 wird eine Inflationsrate von 2,25% erwartet, Ende 2023 soll sie bei 2,5% liegen.

Rohstoff-Hausse stärkt den A-Dollar

Der Australische Dollar zählt zu den Gewinnern des Rohstoff-Booms. Nach einem zwischenzeitlichen Dämpfer legte er zuletzt wieder deutlich zu. Gegenüber dem Euro hat er seit Jahresbeginn knapp zwei Prozent aufgewertet.

Ursächlich für den Dämpfer war der Handelsstreit mit China, Australiens wichtigstem Handelspartner. Rund 40% der Exporte gehen nach China, ein Viertel der Importe stammt aus China. Nachdem Australien das chinesische Unternehmen Huawei vom Aufbau des 5G-Netzwerks ausschloss und sich zudem vom chinesischen Seidenstraßen-Projekt verabschiedete, erhob China Strafzölle auf australische Waren.

Der A-Dollar dürfte trotz guter Fundamentaldaten und hoher Rohstoffpreise nur begrenztes Aufwärtspotenzial besitzen, weil die Notenbank wohl noch längere Zeit am niedrigen Leitzins festhalten wird.