Schweden: Kräftiger Aufschwung bei Nullzinsen

veröffentlicht am 22. September 2021

Schweden: Kräftiger Aufschwung bei Nullzinsen

Die Sveriges Riksbank ließ den Leitzins im September unverändert bei 0,00%. Sie plant auch weiterhin keine Anhebung, sondern will den Repo-Satz gemäß ihrer aktuellen Projektion noch bis zum 3. Quartal 2024 bei 0,00% lassen.

Anleihekäufe laufen aus

Um trotz der Corona-Pandemie eine angemessene Kreditversorgung und niedrige Zinsen zu gewährleisten, beschloss die Schwedische Notenbank im März vergangenen Jahres den Erwerb von Anleihen. Das Programm wurde in mehreren Schritten auf 700 Mrd. Schwedische Kronen (SEK) erhöht und bis Ende 2021 verlängert. Mitte September hatte die Riksbank davon gut 609 Mrd. SEK investiert. Mit dem Erwerb von 68,5 Mrd. SEK im 4. Quartal 2021 wird das Programm voll ausgeschöpft und auch beendet. Die Anleihebestände der Notenbank sollen im nächsten Jahr mehr oder weniger unverändert bleiben.

Bereits eingestellt wurde auch das Refinanzierungsprogramm für Banken. Es kann laut Riksbank bei Bedarf wieder aktiviert werden. Dies dürfte jedoch angesichts des kräftigen konjunkturellen Aufschwungs nicht erforderlich sein.

BIP 2021: +4,7%

Das schwedische Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im Corona-Jahr 2020 lediglich um 2,9%. Damit kam Schweden konjunkturell besser durch die Pandemie als die meisten anderen Länder.

Im 1. Halbjahr 2021 wuchs das BIP mit Quartalsraten von 0,8% bzw. 0,9%. Für das 3. Quartal erwartet die Notenbank ein Plus von 2,4%, dem dann ein etwas moderateres Schlussquartal folgen soll. Damit zeichnet sich für das Gesamtjahr 2021 ein Zuwachs des BIP von 4,7% ab. Die Sveriges Riskbank rechnet in ihren Projektionen mit Wachstumsraten von 3,6% in 2022, 2,0% in 2023 und 1,8% in 2024. Wir halten diese Werte für realistisch.

Inflationsziel übertroffen

Die schwedische Inflationsrate soll 2% betragen. Im August lag sie mit 2,4% etwas darüber, blieb aber in der angestrebten Spanne von 1% bis 3%. Die schwedische Notenbank geht davon aus, dass die Teuerungsrate bis zum Jahresende auf 3% ansteigt und im nächsten Jahr wieder deutlich zurückkommt.

Als Messlatte dient die Inflationsrate ohne Hypothekenzahlungen CPIF. Die Riksbank rechnete in ihrer aktuellen Projektion mit Inflationsraten von 2,3% in 2021, 2,1% in 2022, 1,8% in 2023 sowie 2,1% im 3. Quartal 2024.

Hoher Leistungsbilanzüberschuss

Der Leistungsbilanzsaldo ist einer der wichtigsten Maßstäbe bei der Beurteilung einer Währung. In Schweden weist die Leistungsbilanz traditionell einen Überschuss auf. Im laufenden Jahr dürfte er bei 5,9% des BIP liegen. In den kommenden beiden Jahren werden ähnlich gute Werte erwartet. Dies sind klare Pluspunkte für die Währung.

Schwedische Krone

Die Schwedische Krone (SEK) markierte im März 2020 mit mehr als 11 SEK für einen Euro einen mehrjährigen Tiefstand. Angesichts der guten Fundamentaldaten erholte sie sich im Laufe des vergangenen Jahres. Aktuell notiert sie mit 10,15 SEK und hat seit Jahresbeginn zum Euro 1% nachgegeben. Gemäß den Projektionen der Riksbank bleibt der Wechselkurs der Kronen in den nächsten Jahren auf dem aktuellen Niveau.

Öffentliche Finanzen sind solide

Der schwedische Staatshaushalt steuert im laufenden Jahr auf ein Defizit von 1,6% des BIP zu. Es soll sich gemäß Riksbank in 2022 auf 0,8% des BIP reduzieren und 2023 wieder einem Haushaltsüberschuss von 0,3% des BIP weichen.

Die Staatsschuldenquote lag 2020 mit gut 38% des BIP im internationalen Vergleich auf einem sehr niedrigen Niveau. Sie wird gemäß der Prognose des Internationalen Währungsfonds vorübergehend auf rund 40% steigen, 2023 jedoch bereits wieder bei 38% liegen.

Fazit: Die Krone hat fundamentales Potenzial. Sie kann es bisher jedoch nicht ausschöpfen.