EZB: Inflationsrate 2022 wieder unter dem Zielwert

veröffentlicht am 9. September 2021

EZB: Inflationsrate 2022 wieder unter dem Zielwert

.

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) bleibt trotz der zuletzt stark gestiegenen Inflationsraten gelassen. Bereits 2022 sollen sie wieder unter dem Zielwert liegen.

PEPP-Käufe mindestens bis Ende März 2022

Das Pandemie-Notfallankaufprogramm namens PEPP bleibt unverändert. Es stehen weiterhin 1.850 Mrd. EUR zur Verfügung, von denen bisher 1.342 Mrd. EUR investiert sind.

Die PEPP-Anleihekäufe werden solange fortgesetzt, bis die Corona-Krise überstanden ist. Sie erfolgen jedoch mindestens bis März 2022. Die Käufe werden allerdings im 4. Quartal wieder etwas geringer ausfallen als im Sommerhalbjahr.

APP-Käufe gehen weiter

Im Rahmen des „normalen“ Anleihekaufprogramms namens APP werden weiterhin monatlich für 20 Mrd. EUR Anleihen erworben. Die Käufe sollen erst eingestellt werden, wenn eine Leitzinserhöhung ansteht. Sie dürften nach dem Ende der PEPP-Käufe eine größere Rolle spielen.

Leitzinsen unverändert

Der Einlagesatz für Banken („Strafzins“) bleibt bei minus 0,50%, der Hauptrefinanzierungssatz bei 0,00% und der Ausleihsatz bei 0,25%.

TLTROs: Entscheidung im Dezember

Die gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte namens TLTRO werden zunächst noch bis Dezember 2021 angeboten. Über eine Verlängerung wird im Dezember entschieden.

Neue Projektionen

Die EZB legte eine überarbeitete Fassung ihrer gesamtwirtschaftlichen Projektionen für die Euro-Zone vor. Dabei wurden die Wachstums- und die Inflationsschätzungen überwiegend leicht angehoben.

BIP 2021: +5,0%

Beim Bruttoinlandsprodukt der Euro-Zone erwartet die EZB Zuwächse von 5,0% in 2021 (bisher 4,6%), 4,6% in 2022 (bisher 4,7%) und unverändert 2,1% in 2023.

Inflationsrate 2021: 2,2%

Die Verbraucherpreise sollen in diesem Jahr mit 2,2% (bisher 1,9%) den Zielwert von 2% überschreiten, in den beiden Folgejahren jedoch mit 1,7% (bisher 1,5%) und 1,5% (bisher 1,4%) bereits wieder darunterliegen. Der grundlegende Inflationstrend ist nach Einschätzung der EZB aufwärtsgerichtet.

Kernrate 2021: 1,3%

Die ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise berechnete Kernrate der Inflation soll tendenziell steigen. Und zwar von 1,3% in 2021 (bisher 1,1%) auf 1,4% in 2022 (bisher 1,3%) und 1,5% in 2023 (bisher1,4%). Sie liegt damit weiterhin weit unter dem Zielwert.

Die EZB geht weiterhin davon aus, dass die aktuell sehr hohen Inflationsraten auf Sonder- und Basiseffekten beruhen und lediglich temporärer Natur sind. Diese Auffassung teilt auch die US-Notenbank.

Fazit: Die EZB lässt sich auch weiterhin nicht von den Inflationsängsten anstecken und hält an der Politik der „ruhigen Hand“ fest. Alles in allem bleibt das von der EZB skizzierte Kapitalmarktumfeld recht komfortabel: Hohe Wachstumsraten werden von niedrigen Zinsen und wieder sinkenden Inflationsraten begleitet.