Norwegen: Leitzins dürfte im September steigen

veröffentlicht am 19. August 2021

Norwegen: Leitzins dürfte im September steigen

Die norwegische Notenbank Norges Bank ließ den Leitzins im August noch einmal bei 0,00% und hält eine Anhebung im September für wahrscheinlich.

Leitzinserhöhungen in Sicht

Die Key Policy Rate befindet sich seit dem Frühjahr 2020 auf der Nulllinie. In den Juni-Projektionen der Notenbank liegt sie am Jahresende 2021 bei 0,10%. Sie steigt 2022 auf 0,75%, 2023 auf 1,25% und 2024 schließlich auf 1,50%.

Inflationsrate unter dem Zielwert

Die Inflationsrate lag im vergangenen Jahr mit 3,0% weit oberhalb des Zielwertes des norwegischen Finanzministeriums von 2,0%. Ursächlich war die Währungsschwäche, die zu deutlich höheren Importpreisen führte.

Im Fokus der Notenbank ist die um Steuern und Energiepreise bereinigte „Kernrate der Inflation“ (CPI-ATE), die im Juli auf 1,1% zurückging. Sie wird nach Einschätzung der Norges Bank in diesem Jahr bei durchschnittlich 1,7% liegen. Auch 2022, 2023 und 2024 soll sie mit 1,3%, 1,4% und 1,6% unter dem Zielwert bleiben.

BIP 2021: plus 3,0%

Norwegen verzeichnete konjunkturell gesehen nur einen geringen Corona-Schaden. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte 2020 lediglich um 1,3%.

Im 3. Quartal dieses Jahres dürfte das norwegische BIP das Niveau vor der Pandemie übertreffen. Im Gesamtjahr 2021 rechnet die Notenbank mit einer Wachstumsrate des BIP von 2,9%, gefolgt von 3,6% in 2022, 1,2% in 2023 und 1,0% in 2024. Wir halten diese Schätzungen für realistisch, vorausgesetzt der Ölpreis bricht nicht wieder ein. Die Norges Bank rechnet bis 2024 mit Preisen zwischen 60 und 70 USD pro Barrel Nordseeöl Brent.

Krone und Ölpreis derzeit nicht im Gleichschritt

Norwegen Reichtum gründet auf der Öl- und Gasförderung in der Nordsee. Die Norwegische Krone (NOK) zählt daher zu den sogenannten „Ölwährungen“, denn sie bewegt sich üblicherweise im Gleichschritt mit dem Preis für das Nordseeöl Brent.

Seit Ende Mai hat sich die Krone allerdings vom Ölpreis nach unten gelöst. Gegenüber dem Euro liegt sie seit Jahresbeginn 0,5% vorne.

Angesichts guter Wirtschaftsdaten und signalisierter Leitzinsanhebungen dürfte die Krone Aufwärtspotenzial besitzen.

Staatsfonds auf Erfolgskurs

Die Gewinne aus dem Öl- und Gasverkauf werden seit 1998 in den Staatsfonds „Government Pension Fund Global (GPFG)“ investiert. Er hat aktuell (19.08.2021) einen Marktwert von 12.208 Mrd. NOK bzw. 1.158 Mrd. EUR.

Der GPFG hält Anteile an mehr als 7.000 Unternehmen in 73 Ländern. Rund 70% des Fonds sind in Aktien, knapp 3% in Immobilien und rund 27% in Anleihen investiert.

Leistungsbilanz positiv

Durch die Einnahmen aus der Öl- und Gaswirtschaft ist Norwegen per Saldo schuldenfrei, wenngleich die staatlichen (Brutto-)Schulden rund 42% des BIP ausmachen.

Der Leistungsbilanzüberschuss Norwegens dürfte in diesem Jahr nach Einschätzung des IWF auf mehr als 5% des BIP steigen.