Kanada: Leitzinsanhebung wahrscheinlich 2022

veröffentlicht am 10. August 2021

Kanada: Leitzinsanhebung wahrscheinlich 2022

Die Bank of Canada (BoC) geht weiterhin davon aus, den Leitzins im zweiten Halbjahr 2022 anzuheben. Die Anleihekäufe werden weiter reduziert.

Die Overnight Rate liegt seit mehr als einem Jahr bei 0,25%. Die BoC will sie erst wieder anheben, wenn die Inflationsrate dauerhaft den Zielwert von 2% erreicht hat. Dies wird nach Einschätzung der BoC wahrscheinlich in der zweiten Jahreshälfte 2022 der Fall sein.

BoC kauft weniger Anleihen

Der geldpolitische Instrumentenkasten besteht in Kanada aus sehr niedrigen Leitzinsen und der Bereitstellung zusätzlicher Liquidität. Die wöchentlichen Käufe wurden Ende April von 4 Mrd. CAD auf 3 Mrd. CAD und im Juli auf 2 Mrd. CAD reduziert.

BIP 2021: plus 6%

Eine Kombination aus niedrigen Zinsen und gezielten Konjunkturprogrammen brachte Kanada im vergangenen Sommer auf den Wachstumspfad zurück. Im Gesamtjahr 2020 schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 5,3%.

Im laufenden Jahr setzt sich der Aufschwung fort. So legte das BIP im 1. Quartal kräftig zu. Für das Gesamtjahr 2021 erwartet die Bank of Canada eine Wachstumsrate des BIP von 6,0%. Die BoC rechnet zudem mit einem Plus von 4,6% in 2022 und 3,3% in 2023. Wir halten diese Prognosen für realistisch.

Inflation weit über dem Zielwert

Die Inflationsrate lag im Juli mit 3,7% weit über dem oberen Rand der von 1% bis 3% reichenden Spanne um den Zielwert von 2%. Sie dürfte im weiteren Jahresverlauf die Drei vor dem Komma behalten und erst 2022 wieder nachgeben.

Der Zielwert ist symmetrisch und flexibel. Abweichungen nach oben sind genauso unerwünscht wie Abweichungen nach unten. Bei Abweichungen soll der Zielwert nach spätestens sechs bis acht Quartalen wieder erreicht sein.

Die BoC rechnet mit Inflationsraten von 3,0% in 2021, 2,4% in 2022 und 2,2% in 2023.

Leistungsbilanzdefizit

Die kanadische Leistungsbilanz bleibt defizitär. Der Fehlbetrag lag in den vergangenen Jahren meist bei etwa 2% des BIP. Er wird nach Einschätzung des IWF in diesem Jahr auf weniger als 1% des BIP abschmelzen, sich danach aber wieder in Richtung 2% des BIP bewegen.

Haushaltsdefizit

Im Zuge der Pandemie verwandelte sich der leichte Haushaltsüberschuss im vergangenen Jahr in ein Defizit von knapp 11% des BIP. Es wird nach Einschätzung des IWF in diesem Jahr auf knapp 8% sinken und bis 2023 auf 1% abschmelzen.

Die kanadische Staatsverschuldung lag vor der Pandemie bei 87% des BIP. Sie schnellte 2020 auf 116% des BIP und dürfte dieses Niveau nur langsam wieder verlassen.

Kanada-Dollar als Ölwährung

Der Kanadische Dollar – auch „Loonie“ genannt – zählt zum Kreis der Ölwährungen, da Kanada große Rohölreserven besitzt. Die Ölwährungen bewegen sich häufig – aber nicht immer – im Gleichschritt mit dem Preis für das „schwarze Gold“. Seit Jahresbeginn hat der Loonie gegenüber dem Euro knapp 5% zugelegt.

Die hohen Rohstoffpreise, das gute fundamentale Umfeld Kanadas und die Zinserhöhungserwartung könnten dem Loonie weiteren Auftrieb verleihen.