Japan: Notenbank will „grüner“ werden

veröffentlicht am 16. Juli 2021

Japan: Notenbank will „grüner“ werden

Anders als derzeit manche andere Notenbank hat die Bank of Japan (BoJ) kein Inflations- sondern ein Deflationsproblem. Sie kämpft seit Jahrzehnten gegen die tief im Bewusstsein der Bevölkerung verankerten Deflationsmentalität. Vor diesem Hintergrund hält die BoJ an ihrer extrem expansiven Geldpolitik fest. Der Leitzins bleibt bei minus 0,1%, die 10-jährige Rendite soll weiterhin bei 0,0% fixiert werden.

Sonderprogramm für „grüne“ Gelder

Die BoJ will zudem noch in diesem Jahr ein zusätzliches „grünes“ Programm auflegen. Damit soll den Banken die Refinanzierung von Krediten und Investitionen mit Nachhaltigkeits-Bezug erleichtert werden. Die konkrete Ausgestaltung und das Volumen sollen noch 2021 festgelegt werden.

Notenbank bekämpft die Deflation

Die Bank of Japan kämpft seit Ende der 90-er Jahre gegen die Deflation, also gegen sinkende Preise. Dafür entwickelte sie geldpolitische Instrumente, die Jahre später auch von anderen Notenbanken übernommen wurden.

Geldpolitische Innovationen

Bereits im Oktober 1999 führte sie die Nullzinspolitik ein und senkte den Leitzins erstmals auf 0,0%. Seit 2002 tätigt sie Anleihekäufe, um zusätzliche Liquidität bereitzustellen. Seit 2010 werden auch Aktien-ETFs erworben. Und im September 2016 führte sie schließlich die aktive Zinskurvensteuerung ein.

Inflationsziel nicht in Sicht

Gleichwohl gelang es bisher nicht, die Inflationsrate an den Zielwert von 2% zu steuern. Sie dürfte nach Einschätzung der Bank of Japan kurzfristig nahe Null bleiben und anschließend etwas steigen.

Die im Juli aktualisierten Projektionen der BoJ beinhalten Inflationsraten von 0,6% in 2021, 0,9% in 2022 und 1,0% in 2023. Das Ziel von 2% ist weiterhin nicht in Sicht.

Gleichwohl betonte die BoJ erneut, dass die Geldbasis solange ausgeweitet wird, bis die Inflationsrate stabil über 2% liegt.

Zinskurvensteuerung

Die BoJ verfolgt seit Ende 2016 eine „quantitative und qualitative monetäre Lockerung mit Zinskurvensteuerung“ (Quantitative and Qualitative Monetary Easing (QQE) with Yield Curve Control). Dabei werden dem Markt klare Zielwerte vorgegeben.

Der japanische Leitzins liegt seit Anfang 2016 bei minus 0,1%, die Zielrendite für 10-jährige Staatsanleihen bei 0,0%. Letztere kann um 0,25% in beide Richtungen um den Zielwert schwanken. Die Steuerung der langfristigen Rendite erfolgt über den Kauf und Verkauf von Anleihen am Markt.

Notenbank ist größter Aktionär Japans

Darüber hinaus kauft die BoJ japanische Aktien-ETFs auf den marktbreiten TOPIX. Hierfür stehen 12 Bill. Yen bzw. 96 Mrd. EUR zur Verfügung. Die BoJ ist größter Aktionär Japans.

Weitere 180 Mrd. Yen stehen für Stützungsmaßnahmen des Immobiliensektors zur Verfügung (Kauf von J-REITs). Bis März 2022 können zudem Unternehmensanleihen und Commercial Papers für maximal 20 Mrd. Yen erworben werden.

BIP 2021: +2,5%

Der japanische Aufschwung erlitt zu Jahresbeginn einen Dämpfer. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im 1. Quartal um 1,0% zum Vorquartal. Zudem erlaubt die nunmehr vierte Ausweitung des Corona-Notstandes nur einen mit Verzögerung einsetzenden Aufschwung. Das BIP dürfte im Kalenderjahr 2021 um 2,5% und 2022 um 3,0% wachsen.

Die BoJ rechnet mit 3,8% bzw. 2,7%, allerdings bezogen auf das jeweils im März endende Fiskaljahr. Für 2023 wird ein BIP-Plus von 1,3% avisiert.

Yen als „sicherer Hafen Asiens“

Trotz eher durchschnittlicher Wachstumsraten und einer extrem hohen Staatsverschuldung gilt der Japanische Yen als der „sichere Hafen“ Asiens. Er hat sich zuletzt wieder etwas erholt, liegt aber zum Euro seit Jahresbeginn gut 3% hinten.

Zweitgrößter Schuldner der Welt

Durch die Konjunkturprogramme steigt die japanische Staatsverschuldung weiter. Japan ist mit rund 12 Bill. USD hinter den USA (22,5 Bill. USD) der zweitgrößte Schuldner der Welt. Die entsprechenden Staatsanleihen werden jedoch überwiegend von japanischen Anlegern und der Bank of Japan gehalten. Durch die aktuellen Corona-Hilfen klettert die japanische Staatsschuldenquote auf knapp 260% (!) des BIP.

Größter Netto-Gläubiger der Welt

Gleichzeitig besitzt Japan aber auch ein enormes Auslandsvermögen. So ist Japan vor Deutschland und China mit rund 4 Bill. USD der größte Netto-Gläubiger der Welt. Amerikanische Staatsanleihen für mehr als 1,2 Bill. USD sind in japanischem Besitz.

Fazit: Der japanische Weg wird auch nach der Corona-Pandemie voraussichtlich wieder von „wenig Wachstum, wenig Inflation und wenig Rendite“ geprägt werden und könnte eine Blaupause für die langfristige Entwicklung in Deutschland sein.