Ölpreise noch im Aufwind

veröffentlicht am 15. Juni 2021

Ölpreise noch im Aufwind

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Der Preis für ein Barrel Nordseeöl Brent kletterte weiter und liegt mittlerweile klar oberhalb von 70 US-Dollar. Die Annahme, bei Notierungen oberhalb von 60 USD werde die US-Produktion kräftig erhöht, ist bisher nicht eingetreten.

Das Kartell der OPEC+ dominiert mit seinem Förderbegrenzungsabkommen weiterhin den Markt. Die stark gedrosselte Öl-Produktion wird derzeit zwar wieder etwas erhöht. Es reicht aber nicht, die zusätzliche Nachfrage zu kompensieren. Zudem ist die Förderdisziplin ungewöhnlich hoch. Im April förderten die Kartellmitglieder sogar weniger Öl als vereinbart.

OPEC+ kürzt seit 2018

Als OPEC+ werden die 13 Mitglieder der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) bezeichnet, ergänzt um Russland, Mexiko, Kasachstan, Aserbaidschan sowie sechs weitere kleinere Ölförderländer. Zusammen kontrollieren sie etwa die Hälfte des globalen Ölmarktes. Seit 2018 haben sie die Förderung drastisch gekürzt, um die Preise zu stabilisieren. Aktuell hat die OPEC+ immer noch etwa 7 Mio. Barrel pro Tag aus dem Markt genommen. Dies entspricht etwa 7% der täglichen Weltproduktion.

OPEC + erhöht Fördermenge wieder

Zwischen Mai und Juli wird die OPEC + die Ölproduktion um insgesamt 2 Mio. bpd erhöhen. Zudem wird Saudi-Arabien, das im Frühjahr freiwillig auf die Förderung von 1 Mio. bpd verzichtete, diese Menge schrittweise wieder in den Markt bringen. Gleichwohl bleiben die Saudis damit weit unter ihren Möglichkeiten. Vor der Krise wurden täglich 10 bis 11 Mio. Barrel gepumpt, aktuell sind es lediglich 8,5 Mio. Insgesamt dürfte das Ölangebot im Sommer jedoch um etwa 3% der gesamten globalen Nachfrage steigen.

Iran könnte mehr liefern

Sollte dem Iran im Atomstreit die Annäherung an die USA gelingen und damit eine Aufhebung der Sanktionen bewirken, könnte er sein Ölangebot deutlich ausweiten. Bis 2018 förderte der Iran knapp 4 Mio. bpd, aktuell sind es lediglich 2,4 Mio. bpd.

USA weit unter früherem Niveau

Aus den USA wird dagegen keine nennenswerte Angebotsausweitung erwartet. Die US-Produktion ist während der Pandemie von 13 Mio. bpd auf rund 11 Mio. bpd gesunken. Anders als in früheren Phasen nahm die US-Ölförderung trotz des kräftigen Preisanstiegs bisher nicht nennenswert zu. Nach Einschätzung der U.S. Energy Information Administration (EIA) wird dies auch nur bedingt geschehen. Sie prognostiziert für das 4. Quartal eine tägliche Förderung von 11,4 Mio. bpd. Im nächsten Jahr sollen es 11,8 Mio. bpd sein.

Die Anzahl der aktiven US-Bohrstellen (Rigs) nahm von 180 im vergangenen Sommer auf 359 Ende Mai zu. In der Spitze waren es im September 2014 allerdings fast 1600 aktive Rigs.

EIA erwartet 64 USD am Jahresende

Die U.S. Energy Information Administration erwartet in der zweiten Jahreshälfte 2021 die Rückkehr zu einem ausgeglichenen Markt. Der Preis für ein Barrel Nordseeöl Brent soll Ende 2021 bei 64 USD und 2022 im Durchschnitt bei 60 USD liegen.

Fazit: Aktuell liegt die Nachfrage nach Öl immer noch über dem Angebot und treibt den Preis. Im weiteren Jahresverlauf sollte sich der Markt dem Ausgleich nähern und die Rohölnotierungen wieder nachgeben. Wir halten die Prognose der EIA von 64 USD für realistisch.