USA: Inflationsrate schnellte auf 5,0%

veröffentlicht am 10. Juni 2021

USA: Inflationsrate schnellte auf 5,0%

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Die den gesamten Warenkorb repräsentierende „Headline“-Inflation sprang in den USA im Mai auf 5,0%. Der Wert übertraf die bereits hohen Erwartungen und erreichte den höchsten Stand seit 2008. Vor einem Jahr, im Mai 2020, lag die Rate wegen eingebrochener Energiepreise und dem Corona-bedingten Absturz der Konjunktur nur bei 0,1%. Daraus resultiert ein starker Basiseffekt, der die aktuelle Inflationsrate überzeichnet.

Preistreiber waren im Mai insbesondere die Energierohstoffe, die rund 55% teurer waren als vor einem Jahr. Aber auch die Preise für Gebrauchtwagen schnellten um fast 30% nach oben.

Kernrate bei 3,8%

Die Kernrate der Inflation wird ohne die besonders schwankungsanfälligen Energie- und Nahrungsmittelpreise gemessen. Sie stieg im Mai auf 3,8%, den höchsten Stand seit 1992. Sie lag vor einem Jahr bei 1,2%. Auch hier kommt ein beachtlicher Basiseffekt zum Tragen.

Notenbank schaut auf „Core PCE“

Im Fokus der US-Notenbank (Fed) steht weder die „Headline“-Inflation noch die Kernrate, sondern die Preisentwicklung bei den Konsumausgaben der privaten Haushalte. Und hier vor allem die um Energie- und Nahrungsmittelpreise bereinigte Kernrate der Konsumausgaben (Core PCE, Personal Consumption Expenditures). „Um wieviel hat sich das tägliche Leben verteuert?“ fragt die Fed.

Die Core PCE lag im April bei 3,1% und dürfte auch im Mai klar über der Marke von 3% gelegen haben. Die Daten werden in etwa zwei Wochen veröffentlicht.

US-Notenbank verfolgt Durchschnittswert

Das Inflationsziel der Fed ist ein Durchschnittswert von 2% über einen längeren Zeitraum, der allerdings nicht festgelegt wurde. Da die Teuerungsraten in den vergangenen Jahren meist unter 2% gelegen haben, müssten sie nun für eine bestimmte Zeit den Zielwert überschreiten. Und genau das dürfte geschehen.

Fed-Sitzung am 15. und 16. Juni

Die aktuellen Inflationsraten, insbesondere die Headline-Inflation, liegen zwar weit über dem Zielwert. Und sie werden dort wohl auch noch eine Weile bleiben. Gleichwohl dürfte die US-Notenbank dies noch nicht zum Anlass nehmen, ihre Geldpolitik restriktiver zu gestalten. Genaueres wissen wir nach der Sitzung des Offenmarktausschusses der Fed am 15. und 16. Juni, auf der auch die Projektionen in aktualisierter Form präsentiert werden.

Erwartung: Die US-Notenbank dürfte die überschießenden Inflationsraten auch weiterhin als temporäres Phänomen betrachten und noch keine Änderung ihrer expansiven Geldpolitik vornehmen.