EZB bleibt gelassen: „Steady Hands“

veröffentlicht am 10. Juni 2021

EZB bleibt gelassen: „Steady Hands“

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Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) zeigte sich trotz deutlich gestiegener Inflationsraten gelassen. „Steady Hands“ („ruhige Hand“) lautete das Motto der Präsidentin in der Pressekonferenz. Die Leitzinsen blieben erwartungsgemäß unverändert, die Projektionen wurden turnusmäßig aktualisiert.

PEPP-Käufe bis März 2022

Das Pandemie-Notfallankaufprogramm namens PEPP (pandemic emergency purchase programme) wurde nicht verändert. Es stehen weiterhin 1.850 Mrd. EUR für Anleihekäufe zur Verfügung, von denen bisher knapp 1.115 Mrd. EUR investiert wurden.

Die PEPP-Anleihekäufe werden auch im 3. Quartal deutlich höher ausfallen als zu Jahresbeginn, um weiterhin günstige Finanzierungsbedingungen zu gewährleisten. Die PEPP-Käufe erfolgen bis März 2022. Das Gesamtvolumen muss nicht zwingend ausgeschöpft werden. Bei Bedarf ist jedoch auch eine Aufstockung möglich.

Eine Diskussion über das Ende des PEPP-Programms ist laut EZB derzeit verfrüht.

Neue Projektionen

Die EZB legte eine überarbeitete Fassung ihrer gesamtwirtschaftlichen Projektionen für die Euro-Zone vor. Dabei wurden die Wachstumsschätzungen spürbar und die Inflationserwartungen etwas angehoben.

BIP 2021: +4,6%

Beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) erwartet die EZB für die Euro-Zone Zuwächse von 4,6% in 2021, 4,7% in 2022 und 2,1% in 2023.

Inflationsrate 2021: 1,9%

Die Verbraucherpreise sollen mit 1,9% in diesem Jahr den Zielwert von „nahe, aber unter 2%“ erreichen, in den beiden Folgejahren jedoch mit 1,5% und 1,4% bereits wieder darunterliegen.

Kernrate 2021 bei 1,1%

Die ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise berechnete Kernrate der Inflation soll leicht steigen. Und zwar von 1,1% in 2021 auf 1,3% in 2022 und 1,4% in 2023. Sie liegt damit weiterhin weit unter dem Zielwert.

Die EZB geht davon aus, dass die aktuell sehr hohen Inflationsraten auf Sonder- und Basiseffekten beruhen und lediglich temporärer Natur sind. Diese Auffassung teilt auch die US-Notenbank.

Fazit: Die EZB lässt sich auch weiterhin nicht vom Inflationshype anstecken und bleibt bei der Politik der „ruhigen Hand“. Sie rechnet weiterhin mit moderaten Inflationsraten. Die BIP-Wachstumsschätzungen wurden für 2021 und 2022 spürbar angehoben. Alles in allem bleibt das von der EZB skizzierte Kapitalmarktumfeld recht komfortabel: Hohe Wachstumsraten werden von niedrigen Zinsen und Renditen begleitet.

APP unverändert

Im Rahmen des „normalen“ Anleihekaufprogramms namens APP (asset purchase programme) werden weiterhin monatlich für 20 Mrd. EUR Anleihen erworben. Sie sollen erst eingestellt werden, wenn eine Leitzinserhöhung ansteht.

Leitzinsen unverändert

Der Einlagesatz für Banken („Strafzins“) bleibt bei minus 0,50%, der Hauptrefinanzierungssatz bei 0,00% und der Ausleihsatz bei 0,25%.

TLTROs unverändert

Die gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte namens TLTRO (targeted longer-term refinancing operations) bleiben unverändert. Sie werden bis Dezember 2021 in vierteljährlichem Abstand und mit Laufzeiten von 3 Jahren angeboten.