Euro-Zone: Inflationsrate bei 2,0%

veröffentlicht am 1. Juni 2021

Euro-Zone: Inflationsrate bei 2,0%

.

Die Inflationsrate in der Euro-Zone kletterte im Mai auf 2,0% und lag damit leicht über dem Zielwert von „nahe, aber unter 2,0%“. Im Gesamtjahresdurchschnitt 2021 zeichnet sich ein Wert von 1,8% ab. Die Europäische Zentralbank erwartet bisher lediglich 1,5%. Die Angst vor überschießenden Euro-Inflationsraten erscheint weiterhin übertrieben.

Nach vorläufigen Angaben des europäischen Statistikamtes Eurostat lag der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) im Mai um 0,3% über dem Vormonatsniveau. Die als Inflationsrate bezeichnete Veränderung des HVPI gegenüber dem Vorjahresmonat stieg von 1,6% im April auf 2,0% im Mai.

Energiepreise kräftig gestiegen

Den größten Anteil im Euro-Warenkorb haben mit fast 42% die Dienstleistungen. Sie kosteten 1,1% mehr als im Vorjahr. Für „Lebensmittel, Alkohol und Tabak“ (Anteil knapp 22%) musste 0,6% mehr gezahlt werden, Industriegüter (Anteil knapp 27%) wurden 0,7% teurer. Die Preise für die mit 9,5% im Euro-Warenkorb gewichtete Energie schnellten im Mai um 13,1% nach oben.

Kernrate bei 0,9%

Die um Energie- und Nahrungsmittelpreise bereinigte Kernrate der Inflation lag im Mai lediglich bei 0,9%. Sie steuert im Gesamtjahr 2021 auf einen Wert von 1,2% zu (2020: 0,9%).

Inflationsrate 2021: 1,8%

Legt man das Verlaufsmuster der vergangenen zehn Jahre auf die Preisindexwerte der ersten fünf Monate, wird im Juni und Juli noch die Eins vor dem Komma stehen. Ab August wird bis zum Jahresende voraussichtlich die Marke von 2% überschritten. Im Schlussquartal dürften die Inflationsraten bei etwa 2,5% liegen. Bereits ab Anfang 2022 sollten die Inflationsraten dann wieder die Eins vor dem Komma annehmen.

Im Gesamtjahresdurchschnitt 2021 zeichnet sich eine Euro-Inflationsrate von 1,8% ab. Die Europäische Zentralbank (EZB) rechnet in ihren März-Projektionen mit einem Wert von 1,5%.

Kein Euro-Inflationsgespenst

Anders als in Deutschland gab es bei der Euro-Inflationsrate zu Jahresbeginn keine besonderen Einmaleffekte, so dass der Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB) von „nahe, aber unter 2%“ im weiteren Jahresverlauf nicht so deutlich übertroffen wird wie in Deutschland. Von einem „Euro-Inflationsgespenst“ kann also weiterhin keine Rede sein.

EZB bleibt expansiv

Aus der jahrelangen Unterschreitung des Inflationsziels leitet die EZB ihre extrem expansive Geldpolitik ab. Da der Zielwert auch 2021 nur temporär übertroffen werden dürfte, gibt es für die EZB keinen Grund, restriktiver zu werden. Sie wird an ihren Anleihekäufen festhalten, dürfte allerdings die Programme für zusätzliche Liquidität am Jahresende auslaufen lassen. Hierunter fallen die gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte. Ein Ende der Niedrigzinsphase ist allerdings nicht in Sicht.

Fazit: Die extrem niedrigen Zinsen dürfte noch lange Zeit Bestand haben.