Australien: Leitzinsanhebung wohl frühestens 2024

veröffentlicht am 1. Juni 2021

Australien: Leitzinsanhebung wohl frühestens 2024

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Die Reserve Bank of Australia (RBA) hält an ihrer geldpolitischen Strategie fest. Leitzins und Ziel-Rendite der 3-jährigen Staatsanleihe bleiben unverändert bei 0,10%. Die dreijährigen Refinanzierungsgeschäfte werden letztmalig Ende Juni angeboten und über die Zukunft der Anleihekäufe wird im Juli entschieden.

Leitzinsanhebung wohl erst 2024

Die RBA ließ den Leitzins Anfang Juni unverändert bei 0,10%. Die Cash Rate soll erst wieder angehoben werden, wenn Vollbeschäftigung herrscht und der Lohnanstieg deutlich stärker ist als heute, so dass die Inflationsrate dauerhaft in der Zielzone von 2% bis 3% liegt. Dies wird nach Einschätzung der Notenbank frühestens 2024 der Fall sein.

Mit dieser Einschätzung unterscheidet sich die RBA von anderen Notenbanken aus der „zweiten Reihe“ wie Kanada, Norwegen und Neuseeland, die ihre Leitzinsen möglicherweise schon 2022 anheben werden.

RBA kauft Anleihen

In Australien läuft noch bis September das zweite Anleihekaufprogramm über 100 Mrd. Australische Dollar (AUD). Die RBA erwirbt wöchentlich für rund 5 Mrd. AUD öffentliche Anleihen mit Laufzeiten zwischen 5 und 10 Jahre. 80% davon entfallen auf Staatsanleihen, der Rest auf Emissionen der Territorien.

Im Juli wird die Notenbank über ein mögliches Nachfolgeprogramm entscheiden. In diesem Zusammenhang betont die RBA noch einmal ihre hohe Priorität für Vollbeschäftigung. Mit anderen Worten: Die Anleihekäufe werden wohl fortgesetzt.

Zinskurvensteuerung bleibt

Seit März 2020 betreibt die RBA eine aktive Zinskurvensteuerung. Sie fokussiert dabei auf die dreijährige Staatsanleihe, deren Rendite bei 0,10% liegen soll. Um den Zielwert zu fixieren, kauft (oder verkauft) die RBA entsprechende Staatsanleihen.

Im Juli wird die Notenbank entscheiden, ob die im April 2024 fällige Staatsanleihe das Zielobjekt bleibt, oder ob zur Anleihe mit Fälligkeit November 2024 gewechselt wird.

Refinanzierungsprogramm endet im Juni

Seit März 2020 stellt die Notenbank den Kreditinstituten zusätzliche Liquidität bereit. Sie können einen Teil ihrer Kredite bei der Notenbank zu 0,10% für drei Jahre refinanzieren. Aus dieser Term Funding Facility (TFF) riefen die Banken bisher 134 Mrd. AUD ab, weitere 75 Mrd. AUD stehen noch zur Verfügung. Allerdings nur noch bis Ende Juni. Dann wird das TFF-Programm eingestellt.

Starkes Wachstum

Die wirtschaftliche Erholung kam schneller und stärker als erwartet. „Down Under“ profitiert vom anhaltenden Rohstoffboom und dem Höhenflug der Rohstoffpreise. Im Gesamtjahr 2020 schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) lediglich um 2,4%.

Die Wachstumsschätzungen für das BIP wurden von der australischen Notenbank Anfang Mai angehoben und liegen aktuell bei 4,75% in diesem Jahr und 3,5% in 2022. Wir halten die Werte für realistisch.

Inflationsrate unter der Zielzone

Die Inflationsrate lag im März mit 1,1% unter der Zielzone von 2% bis 3%. Sie dürfte kurzfristig in den Bereich um 3% steigen, danach aber wieder zurückkommen. Nach Einschätzung der RBA wird sie im Gesamtjahr 2021 bei 1,5% liegen und bis Mitte 2023 auf 2% steigen.

Handelsstreit mit China belastet A-Dollar

Der Australische Dollar legte im Zuge des Rohstoff-Booms kräftig zu, kam zuletzt jedoch wieder etwas zurück. Gegenüber dem Euro liegt er seit Jahresbeginn knapp einen Prozentpunkt vorne.

Ursächlich für den Dämpfer dürfte der Handelsstreit mit China sein, Australiens wichtigstem Handelspartner. Rund 40% der Exporte gehen nach China, ein Viertel der Importe stammt aus China. Nachdem Australien das chinesische Unternehmen Huawei vom Aufbau des 5G-Netzwerks ausschloss und sich zudem vom chinesischen Seidenstraßen-Projekt verabschiedete, erhob China Strafzölle auf australische Waren. Australien ist derzeit dabei, seinen Außenhandel neu auszurichten.

Das weitere Kurspotenzial des A-Dollar dürfte daher trotz vergleichsweise guter Fundamentaldaten wegen des Handelsstreits begrenzt sein.

Öffentliche Finanzen eingetrübt

Das Haushaltsdefizit wird nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) auch 2021 bei 10% des BIP liegen und danach nur langsam wieder sinken. Die Staatsschuldenquote dürfte auf 72% des BIP klettern und anschließend noch etwas zunehmen.

Der aktuelle Leistungsbilanzüberschuss von gut 2% dürfte sich gemäß IWF-Prognose rasch wieder verringern und ab 2024 in ein moderates Defizit verwandeln.