Tesla und China lassen Bitcoin & Co. abstürzen

veröffentlicht am 19. Mai 2021

Tesla und China lassen Bitcoin & Co. abstürzen

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Nach dem jüngsten Höhenflug, der den Bitcoin auf fast 65.000 USD katapultierte, geht es derzeit steil bergab. Auslöser des Einbruchs war zunächst die Ankündigung des Elektroauto-Pioniers Tesla, nun doch keine Bitcoin als Zahlungsmittel zu akzeptieren, weil der Stromerbrauch beim „Mining“ extrem hoch ist. Unklar ist, ob Tesla auch sein zu Jahresbeginn getätigtes Bitcoin-Investment von 1,5 Mrd. USD auflöste.

Darüber hinaus kündigte China an, Finanzinstituten zu verbieten, Dienstleistungen im Zusammenhang mit Kryptowährungen anzubieten. Neben Bitcoin geht es auch bei den anderen Kryptos derzeit steil bergab.

Gewichte verschoben

Bereits zuvor kam es im Bereich der sogenannten „Kryptowährungen“ zu enormen Gewichtsverschiebungen. Der ewige Platzhirsch Bitcoin ist zwar weiterhin die Nummer Eins. Sein Marktgewicht ist jedoch von 69% Anfang des Jahres auf 41% abgeschmolzen. Ethereum holte enorm auf und konnte seinen Marktanteil auf knapp 18% steigern.

Die „Spaßwährung“ Dogecoin bringt es trotz des aktuellen Kurseinbruchs immer noch auf einen Marktwert von fast 49 Mrd. USD und einen Platz unter den Top 10. Eine bemerkenswerte Entwicklung, die nicht gerade für die Seriosität des Marktes spricht.

Marktkapitalisierung aktuell kräftig geschrumpft

Die Marktkapitalisierung der Kryptos stieg von 900 Mio. USD zu Jahresbeginn zunächst auf rund 2,5 Bill. USD Anfang Mai. Aktuell bringen alle 9940 digitalen „Währungen“ zusammen mit rund 1,8 Bill. USD noch etwas mehr auf die Waage als der Deutsche Aktienindex (DAX).

Quelle: coinmarketcap.com

Bitcoin noch Nummer Eins

Der Platzhirsch ist unverändert Bitcoin, wenngleich der üblicherweise bei rund zwei Dritteln liegende Marktanteil mittlerweile auf 41% abgeschmolzen ist. Die rasant aufholende Nummer Zwei bleibt Ethereum mit knapp 18%. Alle anderen Kryptos spielen weiterhin eine untergeordnete Rolle, wenngleich der Marktwert jeder Top 10 „Währung“ für eine Mitgliedschaft im DAX reichen dürfte.

Währungen?

Die klassischen Währungs- und Geldfunktionen sind Tauschmittel, Recheneinheit und Wertaufbewahrung. Keine der Kryptos kann diese Anforderungen bisher in ausreichendem Maß erfüllen.

Auch die EU betrachtet die Kryptos nicht als Währungen. Gemäß EU-Geldwäsche-Richtlinie besitzen Bitcoin und Co. nicht den gesetzlichen Status einer Währung oder von Geld. Sie sind laut EU auch kein Zahlungsmittel, sondern lediglich ein Tauschmittel. Umgangssprachlich hat sich für die Kryptos allerdings der Begriff „Währung“ herausgebildet.

Bitcoin als Gold-Ersatz?

In den vergangenen Monaten deutete einiges darauf hin, dass der Bitcoin vom Tausch- oder Zahlungsmittel zu einem Asset für besonders risikofreudige Investoren mutieren könnte. Nach den jüngsten heftigen Kursausschlägen dürfte dies allerdings hinterfragt werden.

Bitcoin-Mining extrem Strom-intensiv

Eine Bremse für die Bitcoin-Akzeptanz dürfte der Trend zu mehr Nachhaltigkeit sein, denn zum „Schürfen“ neuer Bitcoin werden enorme Mengen Strom verbraucht. So wird die Anzahl neu hinzukommender Bitcoin durch immer komplexere Rechenoperationen begrenzt. Das Schürfen wird aufwendiger. Konnte man Anfang 2009 angeblich noch Bitcoins mit einem privaten Rechner schürfen, ist dieses heute Betreibern leistungsstarker Computernetzwerke vorbehalten. Diese stehen größtenteils in China, wo sie u. a. mit billigem Kohlestrom betrieben werden.

Das Schürfen neuer Bitcoins verbraucht jährlich geschätzte 134 Terawattstunden. Dies entspricht etwa einem Viertel des Verbrauchs in Deutschland.

Knappheit treibt den Preis

Im Gegensatz zu echten Währungen gibt es beim Bitcoin die mengenmäßige Begrenzung auf maximal 21 Mio. Exemplare, von denen bisher 18,7 Mio. existieren. Steigt die Nachfrage, trifft sie auf ein begrenztes Angebot und sorgt für höhere Kurse.

Die Wechselkurse von Bitcoin und Co. kommen ausschließlich durch Angebot und Nachfrage zustande. Niemand überwacht den Handel, glättet extreme Ausschläge oder ordnet Handelsunterbrechungen an. Es gibt keine festen Handelszeiten. Mit extremen Kursschwankungen ist jederzeit zu rechnen. Im Extremfall kann eine „Währung“ sogar wertlos werden, denn es gibt weder einen inneren noch einen „fairen“ Wert.

Hintergrund

Die Schöpfer der Kryptowährungen verstanden sie als alternative Zahlungsmittel für das Internet-Zeitalter. Sie sollten sich vom allgemeinen Markttrend abkoppeln, weil sie nicht von den Notenbanken „manipuliert“ werden können. So ist die Anzahl von Bitcoins auf 21 Mio. limitiert und ihre Schöpfung („Mining“) geschieht nach festgelegten Regeln.

Digitale Währungen entstanden Ende der 90er

Die ersten Ideen zur Schaffung digitaler Währungen gab es Ende der 90er Jahre. Umgesetzt wurden sie aber erst im Umfeld der Finanzmarktkrise 2008 von einem gewissen Satoshi Nakamoto. Ob es sich dabei um eine Person oder das Pseudonym für eine Gruppe handelt, ist nicht geklärt. Auf jeden Fall wurden im Januar 2009 die ersten 50 Bitcoins „geschürft“. Zwei Jahre später folgten Litecoin, 2013 Ripple und 2015 Ethereum.

Blockchain-Technik als Basis

Kryptowährungen basieren auf der Blockchain-Technik. Standardisierte Datenblöcke („blocks“), in denen Datensätze gespeichert sind, werden mit Hilfe komplexer Rechenoperationen zu einer Kette („chain“) verbunden. Auf dieser Kette aus Blöcken („Blockchain“) werden auch die Kryptowährungen gespeichert. Es gibt also keine zentrale Verwaltung. Die Ketten liegen vielmehr auf den Rechnern der Teilnehmer eines dezentralen Netzwerks, das alle Transaktionen aufzeichnet.

Aufbewahrung in Wallets

Eigentumsnachweise an Bitcoin werden in virtuellen Geldbeuteln („Wallets“) aufbewahrt. Bitcoin selber existieren nur in der Blockchain.

Miner „schürfen“ neue Bitcoin

Digitale Währungen wie Bitcoin werden nicht von Notenbanken geschaffen und nicht von Behörden überwacht. Sie entstehen durch „Schürfen“, indem leistungsstarke Computer im Zuge komplexer Rechenoperationen weitere Blöcke an die bestehende Kette anhängen. Diese „Miner“ werden mit Bitcoins entlohnt.

Bitcoin-Halving

Das maximale Volumen an Bitcoin wurde von vornherein auf 21 Mio. Stück begrenzt. Da aktuell bereits 18.713.643 Exemplare existieren (19.05.2021), wird die Anzahl neu geschürfter Bitcoins stetig weiter eingegrenzt. Dies geschieht u. a. durch das „Halving“. Erhielten die Miner bis Mai 2020 für jeden neu an die Kette gehängten Block noch 12,5 Bitcoin, so wurde die Belohnung im Zuge des Halving auf 6,25 Bitcoin halbiert.