Japan: Aufschwung verzögert sich

veröffentlicht am 18. Mai 2021

Japan: Aufschwung verzögert sich

Der japanische Aufschwung erlitt zu Jahresbeginn einen Dämpfer. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im 1. Quartal um 1,3% zum Vorquartal.

Zudem dürfte sich der für das laufende Quartal erwartete Beginn eines kräftigen Aufschwungs weiter verzögern, denn angesichts steigender Infektionszahlen wurde der Corona-Notstand ausgeweitet. Darüber hinaus lastet die immer umstrittenere Durchführung der Olympischen Spiele Ende Juli auf der Stimmung.

Fazit vorweg: Der Beginn eines kräftigen konjunkturellen Aufschwungs wird sich in Japan weiter verzögern. Vor diesem Hintergrund haben wir unsere Wachstumsprognose für das Bruttoinlandsprodukt auf 3,0% reduziert.

BIP 1. Quartal: minus 1,3%

Das BIP schrumpfte im 1. Quartal um 1,3% zum Vorquartal. Ursächlich für den schwachen Jahresauftakt war u. a. ein von Anfang Januar bis Mitte März reichender Corona-Notstand, der zudem Ende April verlängert wurde.

Die Konsumausgaben, die rund 60% des BIP ausmachen, schrumpften im 1. Quartal um 1,4% zum Vorquartal. Die Investitionsnachfrage gab um 1,4% nach, während die Exporte um 2,3% zulegten.

BIP 2021: Plus 3,0%

Dank massiver staatlicher Konjunkturprogramme gelang in der zweiten Jahreshälfte 2020 eine kräftige Erholung, so dass das japanische BIP im vergangenen Jahr „nur“ um 4,7% schrumpfte.

Im laufenden Jahr war eine kräftige Erholung vorgesehen. So rechnete die Bank of Japan erst kürzlich mit einem diesjährigen BIP-Plus von 4,0%. In den Jahren 2022 und 2023 sollten Zuwächse von 2,4% und 1,3% folgen.

Nach dem schwachen Jahresauftakt und dem erst mit Verzögerung einsetzenden Aufschwung dürften diese Werte zu hoch gegriffen sein. Wir rechnen für 2021 und 2022 mit Zuwachsraten des BIP von jeweils 3,0%.

Geldpolitik unverändert expansiv

Die Bank of Japan ließ den Leitzins im April bei minus 0,10%. Auch die anderen geldpolitischen Rahmendaten blieben unverändert und signalisierten eine anhaltend expansive Geldpolitik.

Yen als „sicherer Hafen“ Asiens

Trotz des verzögerten konjunkturellen Aufschwungs und der ungewöhnlich hohen Staatsschuldenquote Japans sollte der Japanische Yen in Asien weiterhin als „sicherer Hafen“ in unsicheren Zeiten gelten. Seit Jahresbeginn 2021 hat er gegenüber dem Euro gut 5% nachgegeben.