Bank of England kauft weniger Anleihen

veröffentlicht am 6. Mai 2021

Bank of England kauft weniger Anleihen

Die Bank of England (BoE) ließ den Leitzins im Mai bei 0,10%. Auch das Volumen des Anleihekaufprogramms bleibt unverändert. Allerdings werden die wöchentlichen Anleihekäufe um 1 Mrd. Pfund reduziert.

Diese Maßnahme soll laut BoE jedoch nicht als Abkehr von der expansiven Geldpolitik verstanden werden. Restriktiver will die BoE erst werden, wenn die Unterauslastung der Wirtschaft beseitigt ist und die Inflationsrate nachhaltig am Zielwert von 2% liegt.

Anleihekäufe reduziert

Die Mittel für Anleihekäufe bleiben insgesamt bei 895 Mrd. Pfund Sterling (GBP). Davon sind 20 Mrd. GBP für den Erwerb von Unternehmensanleihen und 875 Mrd. GBP für Staatsanleihen vorgesehen.

Bis zum 5. Mai erwarb die BoE Anleihen für 815 Mrd. GBP. Pro Woche kommen nun nur noch 3,4 Mrd. GBP statt 4,4 Mrd. GBP hinzu.

Historie: Die Bank of England erwarb im Rahmen eines Quantitative Easing (QE) von 2009 bis 2012 Staatsanleihen im Volumen von 435 Mrd. GBP, um die Folgen der damaligen Weltwirtschaftskrise abzufedern. Zudem wurden Unternehmensanleihen für 10 Mrd. GBP gekauft.

Im März 2020 erhöhte die BoE das Ankaufvolumen um 200 Mrd. GBP, um die Folgen der Corona-Pandemie abzumildern. Mitte Juni 2020 wurde das Kontingent um 100 Mrd. GBP auf 745 Mrd. GPB aufstockt und im November 2020 erfolgte eine weitere Erhöhung um 150 Mrd. GBP auf 895 Mrd. GBP.

Inflationsrate bald am Zielwert

Die Inflationsrate lag im März mit 0,7% weit unter dem Zielwert der Notenbank von 2,0%. Der Preisauftrieb dürfte allerdings vorübergehend kräftig zunehmen, weil die temporäre Mehrwertsteuersenkung auslief und die Energiepreise einen deutlichen Schub verzeichnen. Am Jahresende 2021 soll die Inflationsrate sogar über dem Zielwert liegen, danach aber wieder zurückfallen.

Die BoE rechnet in diesem Jahr mit einer durchschnittlichen Inflationsrate von 2,5% und Werten von 2% in den beiden nächsten Jahren.

BIP 2021: plus 7,25%

Das britische Bruttoinlandsprodukt (BIP) brach im vergangenen Jahr mit 9,8% doppelt so stark ein wie die deutsche Wirtschaftsleistung. Ursächlich waren der Brexit und die Pandemie.

In diesem Jahr soll nach einem schwachen Jahresauftakt eine rasante Aufholjagd stattfinden. Die BoE hat ihre Wachstumsprognose für 2021 auf 7,25% angehoben. Im nächsten Jahr soll das BIP (aufgrund eines statistischen Überhangs von mehr als 4%) um 5,75% steigen. Erst 2022 wird mit einem Zuwachs von nur noch 1,75% eine Beruhigung erwartet.

Angesichts der schwachen Vergleichsbasis 2020 und der beeindruckenden Impffortschritte halten wir die Projektionen der BoE für realistisch.

Pfund erholt

Das Pfund Sterling hat sich nach den politischen Protesten in Nordirland etwas abgeschwächt. Seit Jahresbeginn liegt es gegenüber dem Euro allerdings immer noch knapp 3% vorne.

Eine weitere Aufwertung des Pfundes sollte möglich sein, wenn sich abzeichnet, dass die optimistischen Wachstumsprognosen der Notenbank tatsächlich realisiert werden können.