Kanada: Aufschwung setzt sich fort

veröffentlicht am 7. April 2021

Kanada: Aufschwung setzt sich fort

In Kanada liegt der Leitzins seit etwa einem Jahr bei 0,25%. Die Bank of Canada (BoC) will die Overnight Rate erst wieder anheben, wenn die Inflationsrate dauerhaft den Zielwert von 2% erreicht hat. Dies wird nach ihrer Einschätzung erst 2023 der Fall sein.

BoC kauft Anleihen

Der geldpolitische Instrumentenkasten besteht in Kanada aus sehr niedrigen Leitzinsen und der Bereitstellung zusätzlicher Liquidität. So kauft die BoC jede Woche für mindestens 4 Mrd. Kanadische Dollar (CAD) Anleihen des Staates, der Provinzen und der Unternehmen.

Kanada-Dollar als Ölwährung

Der Kanadische Dollar – auch „Loonie” genannt – zählt zum Kreis der „Ölwährungen”, da Kanada große Rohölreserven besitzt. Die Ölwährungen bewegen sich häufig – aber nicht immer – im Gleichschritt mit dem Preis für das „schwarze Gold”.

So stürzte der Loonie im Zuge des Ölpreiseinbruchs im vergangenen Frühjahr regelrecht ab. Auf die erste Erholung des Ölpreises reagierte er noch nicht. Erst Anfang 2021 erreichte ihn der Aufwind.

Seit Jahresbeginn hat der Loonie gegenüber dem Euro knapp 4% zugelegt. Seit Anfang 2020 ist er jedoch immer noch knapp 3% hinten.

Die hohen Rohstoffpreise und das gute fundamentale Umfeld Kanadas dürften im aktuellen Wechselkurs enthalten sein. Das weitere Kurspotenzial des Loonie dürfte daher begrenzt sein.

2020: Ausgeprägte Erholung nach schwerem Einbruch

Im Zuge der Corona-Pandemie brach das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Frühjahr 2020 kräftig ein. Eine Kombination aus niedrigen Zinsen und gezielten Konjunkturprogrammen brachte Kanada im Sommer auf den Wachstumspfad zurück. Im Gesamtjahr 2020 schrumpfte das BIP um 5,4%.

BIP 2021: plus 4,5%

Der Aufschwung wird sich im laufenden Jahr fortsetzen und das BIP voraussichtlich um 4,5% expandieren lassen. Alleine der statistische Überhang aus 2020 beträgt knapp 3%.

Die Notenbank rechnet für mit einem Anstieg des BIP um 4,0% in 2021, um 4,8% in 2022 und um 2,5% in 2023. Wir halten diese Werte für realistisch.

Inflation zieht vorübergehend an

Die Inflationsrate lag im Februar mit 1,1% am unteren Rand der von 1% bis 3% reichenden Spanne um den Zielwert von 2%. Sie wird nach Einschätzung der BoC in den kommenden Monaten vorübergehend an den oberen Rand wechseln, danach jedoch wieder in die Nähe des Zielwertes zurückkehren.

Die BoC rechnet mit Inflationsraten von 1,6% in 2021, 1,7% in 2022 und 2,1% in 2023.

Leistungsbilanzdefizit

Die kanadische Leistungsbilanz bleibt defizitär. Der Fehlbetrag lag in den vergangenen Jahren meist bei etwa 2% des BIP. Er wird nach Einschätzung des IWF in diesem Jahr auf weniger als 1% des BIP abschmelzen, sich danach aber wieder in Richtung 2% des BIP bewegen.

Haushaltsdefizit

Im Zuge der Pandemie verwandelte sich der leichte Haushaltsüberschuss im vergangenen Jahr in ein Defizit von knapp 11% des BIP. Es wird nach Einschätzung des IWF in diesem Jahr auf knapp 8% sinken und bis 2023 auf 1% abschmelzen.

Die kanadische Staatsverschuldung lag vor der Pandemie bei 87% des BIP. Sie schnellte 2020 auf 118% des BIP und dürfte dieses Niveau nur langsam wieder verlassen.