Australien: Notenbank mit ruhiger Hand

veröffentlicht am 6. April 2021

Australien: Notenbank mit ruhiger Hand

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Die Reserve Bank of Australia (RBA) hat keine Änderung ihrer geldpolitischen Strategie vorgenommen. Der Leitzins und die Ziel-Rendite der 3-jährigen Staatsanleihe liegen weiterhin bei 0,10%. Das Anleihekaufprogramm und die Refinanzierungsgeschäfte bleiben unverändert.

Zweites Anleihekaufprogramm beginnt

Das erste Anleihekaufprogramm im Volumen von 100 Mrd. Australische Dollar (AUD) ist mittlerweile fast komplettiert. Das zweite Anleihekaufprogramm, ebenfalls über 100 Mrd. AUD, beginnt in der nächsten Woche. Wöchentlich werden für rund 5 Mrd. AUD öffentliche Anleihen erworben. 80% davon entfallen auf Staatsanleihen, der Rest auf Emissionen der Territorien. Die Laufzeiten sollen zwischen 5 und 10 Jahren liegen.

Durch die Anleihekäufe wuchs die Bilanzsumme der RBA seit Anfang 2020 um 215 Mrd. AUD.

Leitzins unverändert bei 0,10%

Die RBA ließ den Leitzins auch Anfang April unverändert bei 0,10%. Die Cash Rate soll erst wieder angehoben werden, wenn Vollbeschäftigung herrscht und die Inflationsrate dauerhaft in die Zielzone von 2% bis 3% zurückgekehrt ist. Dies dürfte nach Einschätzung der Notenbank frühestens 2024 der Fall sein.

Zinskurvensteuerung

Seit März 2020 folgt die RBA dem Beispiel Japans und betreibt eine aktive Zinskurvensteuerung. Sie fokussiert dabei auf die dreijährige Staatsanleihe, deren Rendite bei 0,10% fixiert werden soll. Um den Zielwert zu gewährleisten, kauft (oder verkauft) die RBA entsprechende Staatsanleihen.

Im weiteren Jahresverlauf wird die RBA entscheiden, ob die 2024 fällige Staatsanleihe das Zielobjekt bleibt, oder ob zur nächsten Fälligkeit gewechselt wird.

Refinanzierungsprogramm

Seit März 2020 stellt die Notenbank den als ADIS bezeichneten Kreditinstituten (authorized deposit-taking institutions) zusätzliche Liquidität bereit. So können sie bis zu 2% ihrer Kredite bei der Notenbank zu 0,10% für drei Jahre refinanzieren. Aus dieser Term Funding Facility riefen die ADIS bis Ende März 95 Mrd. AUD ab, weitere 95 Mrd. AUD stehen laut RBA zur Verfügung.

Rohstoffboom hilft

Konjunkturell gesehen läuft es in Australien wieder recht gut. „Down Under” profitiert vom Rohstoffboom und dem Höhenflug der Rohstoffpreise.

Die wirtschaftliche Erholung kam damit schneller voran als erwartet. Im Schlussquartal 2020 wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zum Vorquartal um 3,1%, so dass im Gesamtjahr 2020 lediglich ein BIP-Minus von 2,4% zu Buche schlug.

BIP 2021: plus 3,5%

Die australische Notenbank erwartet in diesem und im nächsten Jahr Wachstumsraten des BIP von jeweils 3,5%. Wir halten die 2021-er Prognose für realistisch, der 2022-er Wert erscheint recht optimistisch.

Inflationsrate unter der Zielzone

Wegen des Einbruchs der Energiepreise fiel die Inflationsrate im Juni vergangenen Jahres unter die Nulllinie, erholte sich aber wieder und stand im 4. Quartal 2020 bei 0,9%.

Eigentlich sollen die Verbraucherpreise jährlich um 2% bis 3% steigen. Diese Zielzone wird nach Einschätzung der RBA jedoch mit 1,25% in 2021 und 1,5% in 2022 weiterhin verfehlt.

A-Dollar deutlich erholt

Der Australische Dollar, der im Zuge der Pandemie vor etwa einem Jahr in den freien Fall überging, zählt in diesem Jahr zu den stärkeren Währungen. Gegenüber dem Euro hat er seit Jahresanfang um rund 2,5% zugelegt.

Das weitere Kurspotenzial des A-Dollar dürfte allerdings begrenzt sein, denn der vergleichsweise gute fundamentale Datenkranz Australiens sollte in den aktuellen Notierungen enthalten sein.

Defizit im Staatshaushalt, positive Leistungsbilanz

Durch die Corona-bedingte Ausweitung des Haushaltsdefizits 2020 auf mehr als 10% des BIP wird die Staatsschuldenquote 2021 auf 72% des BIP steigen. Sie dürfte in den kommenden Jahren noch etwas zulegen.

Ein Pluspunkt im fundamentalen Datenkranz bleibt die Leistungsbilanz. Nach aktueller Einschätzung des IWF wird sie auch in den kommenden Jahren Überschüsse aufweisen.