Gold vom Zinsanstieg belastet

veröffentlicht am 3. März 2021

Gold vom Zinsanstieg belastet

Der Preis für die Feinunze Gold gab in den vergangenen Wochen weiter nach. Mittlerweile ist er sogar unter die technische Unterstützungslinie bei rund 1.750 USD gefallen.

Ursächlich für die anhaltende Korrektur sind vor allem die deutlich gestiegenen Renditen in den USA und die stark gewachsene Zuversicht der Marktteilnehmer.

Fazit vorweg: Gold dürfte auch in der Post-Corona-Ära seinen festen Platz in der Asset Allokation behalten. Allerdings fällt die Gewichtung geringer aus als in den von Verunsicherungen geprägten Vorjahren. Als „sicherer Hafen in unsicheren Zeiten“ hat Gold aktuell an Bedeutung verloren. Eine rasche Rückkehr des Goldpreises in den Bereich um 2.000 USD pro Feinunze ist derzeit nicht in Sicht.

Sinkende Realzinsen erforderlich

Eine Renaissance des Goldes setzt eine neue Welle globaler Verunsicherung oder deutlich steigende Inflationsraten und dementsprechend sinkende Realzinsen voraus. Der relativ enge Zusammenhang besteht nämlich weiterhin: Steigen die US-Realzinsen, sinkt der Goldpreis. Und umgekehrt.

Der Anstieg der 10-jährigen US-Rendite ist im Bereich um 1,50% zum Stillstand gekommen. Die weitere Entwicklung wird davon abhängen, ob es der US-Notenbank gelingt, durch verbale Interventionen und / oder verstärkte Anleihekäufe einen weiteren Renditeanstieg zu verhindern.

Die Inflationsraten in den USA tendieren derzeit in Richtung des Notenbank-Zielwertes von 2%. Allerdings gibt es wachsende Befürchtungen, dass das aktuelle Konjunkturpaket überdimensioniert ist und einen zusätzlichen Preisauftrieb verursacht. Sollten die Inflationserwartungen dadurch nach oben gehen, wäre dies der Hebel für wieder steigende Goldpreise.

China und Indien machen Hoffnungen

China und Indien sind die beiden wichtigsten Märkte für den Handel mit Goldschmuck. Im vergangenen Jahr brach die Nachfrage nach Goldschmuck in China um 35% und in Indien um 45% ein. Mittlerweile gibt es jedoch erste Anzeichen für eine Erholung der Nachfrage in beiden Ländern.

Hoffnungen macht vor allem die anhaltend kräftige konjunkturelle Entwicklung in China. Sie ist eng korreliert mit der Nachfrage nach Gold.

2020: Goldnachfrage unter 4. 000 t

Im vergangenen Jahr lag die globale Nachfrage nach dem gelben Metall erstmals seit elf Jahren bei weniger als 4.000 Tonnen (t). Als die ersten Impfstoffe gegen Corona präsentiert wurden, brach die Goldnachfrage ein. Im 4. Quartal 2020 war sie mit 783 t um 28% geringer als im Vorjahr. Im Gesamtjahr 2020 gab es ein Minus von 14% auf 3.760 t.

Die Schmucknachfrage sank 2020 um 34% auf 1.412 t. Die Zentralbanken kauften nur noch 273 t (-59%).

ETFs mit Rekordzufluss

Die mit Gold unterlegten börsengehandelten Fonds (Gold-ETFs) verzeichneten in den ersten drei Quartalen noch Zuflüsse von 1.007 t. Im Schlussquartal flossen dann 130 t ab, so dass per Saldo „nur“ 877 t hinzukamen – allerdings immer noch ein Rekordzufluss. Insgesamt sind derzeit rund 3.033 t Gold in ETFs hinterlegt.

Bei den ETFs hat es nach Angaben des World Gold Council (WGC) bereits Anfang 2021 wieder Zuflüsse gegeben. Das WGC bleibt optimistisch und setzt darauf, dass die starke Ausweitung der Staatsschulden und die Negativzinsen zu einer Inflationsbeschleunigung führen. Diese wiederum lässt die Realverzinsung sinken und erhöht den Anreiz zum Erwerb von Gold.