Norwegen: Leitzins könnte schon 2022 steigen

veröffentlicht am 26. Januar 2021

Norwegen: Leitzins könnte schon 2022 steigen

Die norwegische Notenbank Norges Bank ließ den Leitzins im Januar einmal mehr unverändert bei 0,00%. In ihren Projektionen bleibt die Key Policy Rate auch im gesamten Jahr 2021 bei null, steigt allerdings bereits 2022 auf 0,30% und 2023 auf 0,80%. Damit dürfte Norwegen eines der ersten Länder sein, die nach der Pandemie den Leitzins erhöhen.

Inflationsrate über dem Zielwert

Die Inflationsrate lag im abgelaufenen Jahr mit 3,0% weit oberhalb des Zielwertes des norwegischen Finanzministeriums von 2,0%. Ursächlich war die Währungsschwäche, die zu deutlich höheren Importpreisen führte. Im Fokus der Notenbank ist die um Steuern und Energiepreise bereinigte “Kernrate der Inflation” (CPI-ATE). Sie wird sich nach Einschätzung der Norges Bank in diesem Jahr auf 2,1% abschwächen. In 2022 und 2023 soll sie mit 1,4% bzw. 1,5% wieder unter dem Zielwert liegen.

2020: Geringer Konjunkturschaden

Die Wikinger konnten den gewaltigen globalen Rezessionsstrudel 2020 relativ gut umschiffen und verzeichnen nur einen geringen Konjunkturschaden, der zudem in der zweiten Jahreshälfte bereits wieder weitgehend beseitigt wurde. Das norwegische Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte 2020 nach Einschätzung der Norges Bank lediglich um 1,3%.

BIP 2021: plus 4%

Im laufenden Jahr werden die Corona-Einbußen wettgemacht. Bereits im 2. Quartal dürfte das BIP wieder das Niveau vor der Pandemie erreichen. Im Gesamtjahr 2022 rechnet die Notenbank mit einer Wachstumsrate des BIP von 4%, gefolgt von 3,1% in 2022 und 1,6% in 2023. Wir halten diese Schätzungen für realistisch, vorausgesetzt der Ölpreis erleidet keinen neuerlichen Einbruch.

Norwegen lag 2019 mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 3.656 Mrd. Norwegischen Kronen (NOK) bzw. 403 Mrd. USD auf Platz 32 der BIP-Weltrangliste. Der Reichtum des Landes gründet auf der Öl- und Gasförderung in der Nordsee.

Krone und Ölpreis im Gleichschritt

Die Norwegische Krone zählt zu den sogenannten “Ölwährungen”, denn sie bewegt sich üblicherweise im Gleichschritt mit dem Preis für das Nordseeöl Brent.

Dementsprechend stark war die Abwertung in Folge des kollabierenden Ölpreises im Frühjahr 2020, aber auch die anschließende Erholung. Der jüngste Aufwind dürfte aus der für 2022 signalisierten Leitzinserhöhung resultieren.

Mittlerweile hat sich die Krone im Bereich etwas oberhalb von 10 NOK pro Euro stabilisiert. Gegenüber dem Euro liegt sie seit Jahresbeginn 0,7% vorne, seit Anfang 2020 beträgt das Minus gut 5%.

In der Annahme nicht weiter steigender Ölpreise dürfte das weitere Aufwärtspotenzial der Krone begrenzt sein.

Staatsfonds gleicht den Haushalt aus

Die Gewinne aus dem Öl- und Gasverkauf werden seit 1998 in den Staatsfonds „Government Pension Fund Global (GPFG)” investiert. Er hat aktuell (25.01.2021) einen Marktwert von 11.145 Mrd. NOK bzw. 1.074 Mrd. EUR.

Ende September 2020 waren 70,7% des Fonds in Aktien, 2,7% in Immobilien und 26,6% in Anleihen investiert.

Das strukturelle „nicht-Öl-bedingte” Haushaltsdefizit Norwegens wird für 2021 auf 3,6% des Volumens des Staatsfonds GPFG veranschlagt und mit Mitteln aus dem Fonds ausgeglichen.

Leistungsbilanz positiv

Durch die Einnahmen aus der Öl- und Gaswirtschaft ist Norwegen per Saldo schuldenfrei, wenngleich die staatlichen (Brutto-)Schulden etwa 40% des BIP ausmachen.

Der Leistungsbilanzüberschuss Norwegens dürfte 2020 auf 2,8% des BIP gesunken sein, wird aber nach Einschätzung des IWF bereits in diesem Jahr wieder mehr als 4% des BIP ausmachen.