Deutschland BIP 2020: Besser als befürchtet

veröffentlicht am 14. Januar 2021

Deutschland BIP 2020: Besser als befürchtet

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Deutschlands ist nach ersten Berechnungen des Statistischen Bundesamtes im vergangenen Jahr um 5,0% geschrumpft. Der Rückgang fiel nicht ganz so stark aus wie befürchtet. Die Konsensschätzung lag bei minus 5,1%. Vor einigen Monaten wurden noch deutlich schlechtere Werte erwartet. Der Rückgang war auch nicht ganz so ausgeprägt wie nach der Finanzmarktkrise (2009: minus 5,7%).

Überhang von 1,5%

Im Schlussquartal 2020 dürfte das BIP trotz neuerlichem Lockdown leicht gestiegen sein. Für das Jahr 2021 errechnet sich ein statistischer Überhang von 1,5%. Sollte das BIP also im gesamten Jahr 2021 auf dem Stand von Ende 2020 verharren (was sehr unwahrscheinlich ist), ergäbe sich für 2021 eine Wachstumsrate des BIP von 1,5%.

Wie geht es weiter?

Unsere Prognose für 2021 beinhaltet einen schwachen Jahresauftakt und eine kräftige Erholung ab dem 2. Quartal. Das deutsche BIP dürfte 2021 um 3,5% wachsen.

2020: Stärkster Konsumeinbruch aller Zeiten

Schwerste Einbrüche verzeichneten im Vorjahr die Ausrüstungsinvestitionen mit 12,5% und der private Konsum mit 6,0%. Es war der stärkste jemals gemessene Rückgang der Konsumausgaben. Auch der Außenhandel implodierte mit einem Minus von 9,9% bei den Exporten und minus 8,6% bei den Importen.

Zuwächse gab es dagegen beim staatlichen Konsum mit 3,4% und bei den Bauinvestitionen mit 1,5%.

Staat und Bau sorgten für Wachstum

Positive Wachstumsbeiträge lieferten demzufolge auch nur der Bau mit 0,2 Prozentpunkten (Pp) und der Staatsverbrauch mit 0,7 Pp.

Der private Verbrauch ließ das BIP um 3,2 Pp schrumpfen, der Außenhandel um 1,1 Pp und die Investitionen insgesamt um 0,8 Pp. Die Entnahmen aus den Vorräten „kostete” zudem 0,7 Pp BIP.

Das verfügbare Einkommen nahm 2020 um 0,8% zu.

Hohe Defizite

Das Haushaltsdefizit erreichte mit 158,2 Mrd. EUR den zweithöchsten Wert seit der Wiedervereinigung. Das Haushaltsdefizit 2020 lag bei 4,8% des BIP.

Fazit: Deutschland ist bisher besser durch die Pandemie gekommen, als erwartet. Wegen des aktuellen Lockdown wird der erwartete kräftige Aufschwung erst mit Verzögerung einsetzen.

Hinweis: Erste Ergebnisse zur Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts im 4. Quartal 2020 wird das Statistische Bundesamt am 29. Januar 2021 veröffentlichen. Detaillierte Ergebnisse der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen folgen am 24. Februar 2021.