Bitcoin und Co. im Höhenflug

veröffentlicht am 12. Januar 2021

Bitcoin und Co. im Höhenflug

Die sogenannten Kryptowährungen erlebten in den vergangenen Wochen einen neuerlichen Höhenflug. Der Bitcoin erreichte kurzfristig die Marke von 42.000 USD, fiel anschließend aber kräftig zurück. Einmal mehr wurde deutlich, wie extrem die Kursausschläge bei Kryptowährungen sind.

Marktkapitalisierung gestiegen

Die Marktkapitalisierung der Kryptowährungen hat kräftig zugenommen. Alle 8232 digitalen Währungen zusammen bringen rund 937 Mrd. USD auf die Waage. Dies entspricht knapp 60% des Deutschen Aktienindex (DAX).

Bitcoin dominiert den Markt

Unangefochtener Platzhirsch ist der Bitcoin mit einem Marktanteil von knapp 69%. Nummer Zwei ist Ethereum mit gut 13%, alle anderen Kryptos befinden sich unter „ferner liefen”.

Die Bitcoin-Marktkapitalisierung ist mit 644 Mrd. USD etwa so groß wie die der sechs größten DAX-Werte.

Quelle: coinmarketcap.com

Enorme Kursschwankungen

Die Wechselkurse von Bitcoin und Co. kommen ausschließlich durch Angebot und Nachfrage zustande. Niemand überwacht den Handel, glättet extreme Ausschläge oder ordnet Handelsunterbrechungen an. Es gibt keine festen Handelszeiten. Mit extremen Kursschwankungen ist jederzeit zu rechnen. Im Extremfall kann eine Währung sogar wertlos werden, denn es gibt weder einen inneren noch einen „fairen” Wert.

Ripple kam unter die Räder

So geriet vor einigen Wochen die von Ripple Labs emittierte XRP „unter die Räder”, weil die US-Börsenaufsicht XRP nicht als Währung, sondern als Wertpapier einstuft, das grundsätzlich der Regulierung unterliegt. Ripple Labs dagegen sieht XRP als „währungsähnlich”.

Auch die EU betrachtet Kryptowährungen nicht als Währungen. Gemäß EU-Geldwäsche-Richtlinie besitzen Bitcoin und Co. nicht den gesetzlichen Status einer Währung oder von Geld. Sie sind laut EU auch kein Zahlungsmittel, sondern lediglich ein Tauschmittel. Umgangssprachlich hat sich für die Kryptos allerdings der Begriff „Währung” herausgebildet.

Bitcoin mutiert zum Asset

Aufgrund der starken Kursschwankungen dürfte der Bitcoin immer weniger als Tausch- oder Zahlungsmittel geeignet sein. Seit einiger Zeit mutiert er zunehmend in Richtung eines Assets, nämlich einer Anlageklasse für besonders risikofreudige Investoren. Der relativ langsamen Ausweitung des Angebots steht anscheinend eine wachsende Nachfrage gegenüber, so dass die Kurse zuletzt massiv stiegen.

Hintergrund

Die Schöpfer der Kryptowährungen verstanden sie als alternative Zahlungsmittel für das Internet-Zeitalter. Sie sollten sich vom allgemeinen Markttrend abkoppeln, weil sie nicht von den Notenbanken „manipuliert” werden können. So ist die Anzahl von Bitcoins auf 21 Mio. limitiert und ihre Schöpfung („Mining”) geschieht nach festgelegten Regeln.

Digitale Währungen entstanden Ende der 90er

Die ersten Ideen zur Schaffung digitaler Währungen gab es Ende der 90er Jahre. Umgesetzt wurden sie aber erst im Umfeld der Finanzmarktkrise 2008 von einem gewissen Satoshi Nakamoto. Ob es sich dabei um eine Person oder das Pseudonym für eine Gruppe handelt, ist nicht geklärt. Auf jeden Fall wurden im Januar 2009 die ersten 50 Bitcoins „geschürft”. Zwei Jahre später folgten Litecoin, 2013 Ripple und 2015 Ethereum.

Blockchain-Technik als Basis

Kryptowährungen basieren auf der Blockchain-Technik. Standardisierte Datenblöcke („blocks”), in denen Datensätze gespeichert sind, werden mit Hilfe komplexer Rechenoperationen zu einer Kette („chain”) verbunden. Auf dieser Kette aus Blöcken („Blockchain”) werden auch die Kryptowährungen gespeichert. Es gibt also keine zentrale Verwaltung. Die Ketten liegen vielmehr auf den Rechnern der Teilnehmer eines dezentralen Netzwerks, das alle Transaktionen aufzeichnet.

Aufbewahrung in Wallets

Eigentumsnachweise an Bitcoin werden in virtuellen Geldbeuteln („Wallets”) aufbewahrt. Bitcoin selber existieren nur in der Blockchain.

Miner „schürfen” neue Bitcoin

Digitale Währungen wie Bitcoin werden nicht von Notenbanken geschaffen und nicht von Behörden überwacht. Sie entstehen durch „Schürfen”, indem leistungsstarke Computer im Zuge komplexer Rechenoperationen weitere Blöcke an die bestehende Kette anhängen. Diese „Miner” werden mit Bitcoins entlohnt.

Bitcoin-Halving im Mai 2020

Das maximale Volumen an Bitcoin wurde von vornherein auf 21 Mio. Stück begrenzt. Da aktuell bereits 18.597.168 Exemplare existieren (11.01.2021), wird die Anzahl neu geschürfter Bitcoins stetig weiter eingegrenzt. Dies geschieht u. a. durch das „Halving”. Erhielten die Miner bis Mai 2020 für jeden neu an die Kette gehängten Block noch 12,5 Bitcoin, so wurde die Belohnung im Zuge des Halving auf 6,25 Bitcoin halbiert.

Bitcoin-Mining als Gegenteil von Nachhaltigkeit

Die Anzahl neu hinzukommender Bitcoin wird auch durch immer komplexere Rechenoperationen begrenzt. Das Schürfen wird aufwendiger. Konnte man Anfang 2009 angeblich noch Bitcoins mit einem privaten Rechner schürfen, ist dieses heute Betreibern leistungsstarker Computernetzwerke vorbehalten. Diese stehen größtenteils in China, wo sie mit billigem Kohlestrom betrieben werden.

Das Schürfen neuer Bitcoins verbraucht mit geschätzten 90 Terawattstunden jährlich fast so viel Strom, wie die Schweiz und Neuseeland zusammen. Zum Vergleich: Deutschland verbraucht 537 Terawattstunden pro Jahr.

Der CO2-Fußabdruck des Bitcoins soll zudem etwa dem von Neuseeland entsprechen. Das Schürfen neuer Bitcoin ist also das Gegenteil von Nachhaltigkeit.