EURO STOXX®50 ESG Index – ein “nachhaltiger” Verwandter

veröffentlicht am 12. Januar 2021

EURO STOXX®50 ESG Index – ein “nachhaltiger” Verwandter

Der EURO STOXX®50 hat einen „nachhaltigen” Verwandten

Der EURO STOXX® 50 ist einer der führenden Aktienindizes für die Euro-Zone. Er umfasst im Wesentlichen die gemessen an der Marktkapitalisierung des Streubesitzes 50 größten Unternehmen der Euro-Zone.

Da nachhaltige Geldanlagen in den vergangenen Jahren vor allem durch eine veränderte Anlagepolitik institutioneller Anleger einen enormen Bedeutungszuwachs erlangt haben, richten sich auch Indexanbieter wie die Deutsche Börse-Tochter Stoxx auf diesen Trend ein. Ein wichtiges geschäftliches Standbein von Indexanbietern ist die Generierung von Lizenzerlösen auf die Indizes. Produktanbieter, z. B. Fondsgesellschaften, die ETFs (Exchange Traded Funds, börsengehandelte Indexfonds) oder Investmentzertifikate auf diese Indizes auflegen, müssen Lizenzgebühren zahlen.

Mit dem EURO STOXX® 50 ESG hat Stoxx im Frühjahr 2019 einen Aktienindex lanciert, der sich in der Konzeption grundsätzlich an den EURO STOXX® 50 anlehnt. Es werden jedoch einige Modifikationen vorgenommen, die den Index zu einem Marktbarometer machen, das ESG-Aspekte (Environment, Social, Governance), also Sachverhalte sowohl aus dem Umwelt- und Sozialbereich als auch aus dem Bereich guter Unternehmensführung beachtet.

Dies geschieht in einem zweistufigen Prozess: Zunächst werden aus dem EURO STOXX® 50 die 10% der Unternehmen mit dem schlechtesten ESG-Score entfernt. Grundlage dafür sind die Daten der auf ESG-Bewertungen spezialisierten Morningstar-Tochter Sustainalytics. Dann werden weitere Ausschluss-Filter angelegt: Hierzu gehören die Nichtbeachtung der UN Global Compact-Prinzipien in Bezug auf Menschen- und Arbeitsrechte, Umweltrechte und Anti-Korruption. Zusätzlich werden Unternehmen ausgeschlossen, die Tabakprodukte produzieren, in die Herstellung kontroverser Waffen (z. B. ABC-Kampfstoffe, Landminen) involviert sind, mehr als 25% ihrer Umsätze mit der Förderung von Kraftwerkskohle oder der Produktion aus Kraftwerkskohle erzielen.

Die auf diese Weise aus dem EURO STOXX® 50 entnommenen Unternehmen werden durch die jeweils größten Unternehmen ersetzt, die in der gleichen Oberbranche ein höheres ESG-Scoring erzielen als das den Index verlassende und die Kriterien erfüllen.

Falls ein Indexunternehmen die Regeln („schwerer Verstoß”) verletzt, wird es mit einer Frist von zwei Tagen auch außerhalb der vierteljährlichen Überprüfungen ausgeschlossen.

Aus dem EURO STOXX® 50 sind derzeit folgende neun Unternehmen nicht im EURO STOXX® 50 ESG enthalten:

  • AB InBev, Airbus, Adyen, EssilorLuxottica, Flutter Entertainment, Prosus, Safran, Volkswagen, Vonovia

Die ausgeschlossenen Unternehmen wurden durch folgende ersetzt:

  • Ferrari, Heineken, Infineon, Legrand, Orange, Sodexo, Telefónica, Teleperformance, Worldline

Von der Wertentwicklung her kann ein hoher Grad des Gleichlaufes mit der nicht explizit unter ESG-Gesichtspunkten zusammengestellten Variante beobachtet werden:

Wertentwicklung seit Auflage:

Die vergangene Wertentwicklung ist zudem kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung.

Anmerkung: Der Index existiert erst seit dem 30.04.2019. Für den Zeitraum 19.03.2012 bis 30.04.2019 gibt es Simulationsrechnungen des Indexanbieters, die eine hohe Korrelation der beiden Zeitreihen aufweisen. Da wir für diesen Zeitraum keinen Überblick über die Quelldaten der ESG-Variante haben (Zusammensetzung) verzichten wir auf eine Darstellung.

Der beobachtete hohe Gleichlauf ist dadurch erklärbar, dass derzeit mehr als 80% der Unternehmen identisch sind und die herausgefallenen Unternehmen durch Vertreter der gleichen Oberbranche ersetzt werden, die häufig einen ähnlichen Kursverlauf aufweisen, da sie den gleichen Brancheneinflüssen unterliegen.