Inflationsrate noch einmal unter Null

veröffentlicht am 6. Januar 2021

Inflationsrate noch einmal unter Null

Die Inflationsrate wies im Dezember zum vierten Mal hintereinander ein negatives Vorzeichen auf.

Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes lag die als Inflationsrate bezeichnete Veränderung des Verbraucherpreisindex gegenüber dem Vorjahresmonat bei minus 0,3%.

Für das Gesamtjahr 2020 errechnet sich damit eine Inflationsrate von 0,5% (2019: 1,4%).

Dezember: Preisindex plus 0,5% zum Vormonat

Der Verbraucherpreisindex kletterte im Dezember im Monatsvergleich um 0,5% auf 105,5 Punkte. Dieser Anstieg ist durchaus saisonüblich, da im Umfeld des Weihnachtsfestes häufig höhere Preise verlangt werden. Die Korrektur erfolgt dann im Januar, wo der Index normalerweise deutlich nachgibt.

Während sich die Energie gegenüber Dezember 2019 um 6,0% verbilligte, wurden Nahrungsmittel um 0,5% teurer. Dienstleistungen verteuerten sich um 1,1%, die Wohnungsmieten lagen wie in den Vormonaten um 1,3% über dem Vorjahresniveau.

Wie geht es weiter?

In unserer Modellrechnung endete die Phase negativer Inflationsraten im Dezember. Bereits im Januar rechnen wir wieder mit einem positiven Vorzeichen, denn der im Januar saisonübliche Rückgang des Preisindex dürfte diesmal geringer ausfallen als in den Vorjahren.

Ursächlich sind das Ende der temporären Mehrwertsteuersenkung, höhere Energiepreise sowie die Anfang Januar begonnene CO2-Bepreisung, die zu höheren Treibstoffpreisen führt.

2021: Inflationsrate 1,0%

Bis etwa zur Jahresmitte 2021 sollten die Inflationsraten die Null vor dem Komma behalten, ehe sie im Sommer wieder über die Marke von einem Prozent steigen.

Im Jahresdurchschnitt 2021 rechnen wir mit einer Inflationsrate von 1,0%. Dieser Wert liegt am unteren Rand der Prognosespanne. Allerdings differieren die Inflationsprognosen für das neue Jahr sehr stark.

Den höchsten Wert erwartet das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel mit 2,6%. Das IfW rechnet durch das Ende der Mehrwertsteuersenkung mit einem preistreibenden Effekt von circa 1,2%. Zudem sollen die Maßnahmen der Klimapolitik die Teuerungen auf der Verbraucherebene um 0,4% steigen lassen.

Die Deutsche Bundesbank erwarte 2021 eine Inflationsrate von 1,8%. Das Münchener ifo Institut rechnet mit einem Anstieg der Verbraucherpreise um 1,6%. Die Gemeinschaftsdiagnose der fünf führenden Forschungsinstitute geht 2021 von einer Inflationsrate von 1,4% aus.

Zielwert der EZB weit verfehlt

Die Inflationsrate blieb im Dezember erneut weit unter dem Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB) von “nahe, aber unter 2%”, den sie auch im neuen Jahr kaum erreichen dürfte.

Aus dieser Zielverfehlung leitet die EZB seit Jahren ihre extrem expansive Geldpolitik ab. Angesichts der weiterhin viel zu niedrigen Inflationsraten dürfte sie die Geldschleusen auch 2021 weit geöffnet halten. Ein Ende der extremen Niedrigzinsphase ist weiterhin nicht in Sicht.

Fazit: Die extrem niedrigen Zinsen dürfte noch einige Zeit Bestand haben.

Hinweis: Die endgültigen Ergebnisse für Dezember 2020 werden am 19. Januar 2021 veröffentlicht.