EZB passt ihre Instrumente an

veröffentlicht am 10. Dezember 2020

EZB passt ihre Instrumente an

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) beschloss mehrere Änderungen an seinem geldpolitischen Instrumentenkasten. Dabei blieben die Leitzinsen erwartungsgemäß unverändert.

PEPP auf 1.850 Mrd. EUR erhöht

Das Pandemie-Notfallankaufprogramm namens PEPP (pandemic emergency purchase programme) wurde um 500 Mrd. EUR auf 1.850 Mrd. EUR aufgestockt und bis März 2022 verlängert.

Beim PEPP-Programm weicht die EZB vom sogenannten Kapitalschlüssel ab. Die „normalen” Anleihekäufe müssen so strukturiert werden, dass sie den Anteilen der Euro-Länder am Kapital der EZB entsprachen. Beim PEPP können nun gezielt die Anleihen erwerben, deren Rendite nach Ansicht der EZB zu hoch ist. So wurden zeitweise verstärkt italienische Staatsanleihen gekauft, als deren Renditeabstand (Spread) zu Bundesanleihen sich (zu) stark ausweitete.

APP bleibt

Das „normale” Anleihekaufprogramm namens APP (asset purchase programme), das eigentlich am Jahresende 2020 auslaufen sollte, bleibt erhalten. Es werden bis auf weiteres monatlich für 20 Mrd. EUR Anleihen erworben.

Keine Leitzinsänderung

Bei den Leitzinsen gab es keine Änderungen. Der Einlagesatz für Banken (“Strafzins”) bleibt bei minus 0,50%, der Hauptrefinanzierungssatz bei 0,00% und der Ausleihsatz bei 0,25%. Die Leitzinsen werden so lange auf ihrem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau bleiben, bis die Inflationsrate wieder den Zielwert von „nahe aber unter 2%” erreicht hat.

TLTROs aufgestockt und verlängert

Die gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte namens TLTRO (targeted longer-term refinancing operations) werden aufgestockt und zeitlich verlängert. Bisher waren insgesamt sieben TLTROs von September 2019 bis März 2021 vorgesehen, durchgeführt in vierteljährlichem Abstand und mit Laufzeiten von 3 Jahren. Nunmehr werden zwischen Juni und Dezember drei zusätzliche Geschäfte angeboten. Zudem wird der Höchstbetrag der anrechenbaren Kredite von 50% auf 55% erhöht.

Zusätzliche PELTROs

Im nächsten Jahr werden zudem vier zusätzliche Finanzspritzen namens PELTRO (pandemic emergency longer-term refinancing operations) aufgezogen. Bisher gibt es sieben Tranchen von Mai 2020 bis zum 3. Quartal 2021.

Neue Projektionen

Die EZB legte auch eine überarbeitete Fassung ihrer gesamtwirtschaftlichen Projektionen für die Euro-Zone vor. Dabei wurden die Wachstumsschätzungen reduziert, die Inflationserwartungen jedoch weitgehend beibehalten.

BIP 2021: +3,9%

Beim Bruttoinlandsprodukt erwartet die EZB nach einem Rückgang von 7,3% im Corona-Jahr 2020 Zuwächse von 3,9% in 2021, 4,2% in 2022 und 2,1% in 2023.

Inflationsrate 2021: 1,0%

Die Verbraucherpreise dürften zwar steigen, jedoch noch sehr lange unter dem Zielwert verharren. Einem Anstieg von 0,2% im Jahr 2020 sollen Inflationsraten von 1,0% in 2021, 1,1% in 2022 und 1,4% in 2023 folgen.

Fazit: Das Zinstief wird noch sehr lange anhalten. Ein Ende der Niedrigzinsphase ist nicht in Sicht.