Schweden: Krone im Aufwind

veröffentlicht am 8. Dezember 2020

Schweden: Krone im Aufwind

Die Schwedische Krone (SEK) und der Schweizer Franken sind die einzigen Währungen, die 2020 gegenüber dem Euro zulegen können.

Dabei markierte die Krone noch im März mit mehr als 11 SEK für einen Euro einen mehrjährigen Tiefstand. Noch schwächer war sie nur während der Weltwirtschaftskrise, als im März 2009 für einen Euro fast 12 Kronen gezahlt werden mussten.

Aktuell notiert sie mit 10,2 SEK und hat seit Jahresbeginn zum Euro knapp 3% aufgewertet. Der Franken liegt zum Euro lediglich 0,5% vorne.

Konjunktur: Rebound im 3. Quartal

Nach einem beispiellosen Quartalseinbruch von 8,0% im Frühjahr gelang im Sommer der Rebound. Im 3. Quartal wuchs das schwedische Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 4,9% zum Vorquartal. Starke Zuwächse gab es bei den Exporten (+11,2%), den Importen (+9,2%) und den privaten Konsumausgaben (+2,8%), die auch vom Zuwachs des verfügbaren Einkommens um 0,7% profitierten. Die Investitionen legten um 2,8% zu, der Staatsverbrauch stieg um 2,0%.

BIP 2020: minus 3,5%

Die steigenden Infektionszahlen haben auch in Schweden zu Einschränkungen geführt, die für das laufende Schlussquartal einen leichten Rückgang des BIP erwarten lassen. Für das Gesamtjahr 2020 rechnen wir mit einem Minus von 3,5%. Damit schneidet Schweden deutlich besser ab als die meisten anderen Industrieländer.

BIP 2021: plus 2,5%

Die Schwedische Notenbank Sveriges Riksbank erwartet in ihren jüngsten Projektionen Wachstumsraten des BIP von 2,6% in 2021, 5,0% in 2022 und 2,2% in 2023. Wir gehen von 2,5% in 2021 und 3,0% in 2022 aus.

Insgesamt belegte das Königreich Schweden im Jahr 2019 mit einem Bruttoinlandsprodukt von 4.995 Mrd. Schwedischen Kronen bzw. 529 Mrd. USD Platz 26 der BIP-Weltrangliste.

Inflationsziel weit verfehlt

Die Verbraucherpreise sollen sich in einer Spanne von einem Prozentpunkt um den Zielwert von 2% pendeln. Im Oktober lag die Inflationsrate jedoch nur bei 0,3%. Als Messlatte dient der Riksbank die Inflationsrate ohne Hypothekenzahlungen CPIF. Für das Gesamtjahr 2020 wird ein Wert von 0,4% erwartet, dem 2021 ein Anstieg auf 0,9% folgen soll. Selbst in 2022 bzw. 2023 dürfte die CPIF mit 1,2% bzw. 1,7% noch unter dem Zielwert liegen.

Leitzins unverändert bei Null

Die Sveriges Riksbank ließ den Leitzins auch Ende November unverändert bei 0,00%. Sie betonte erneut, den Repo-Satz noch einige Jahre auf diesem Niveau zu lassen.

Mit der Anhebung des Repo-Satzes im Dezember 2019 auf 0,00% endet die fast fünfjährige Periode negativer Leitzinsen in Schweden.

Riksbank kauft mehr Anleihen

Zur Abfederung der Folgen der Corona-Pandemie beschloss die Schwedische Notenbank im März 2020 den Erwerb von Anleihen, um eine angemessene Kreditversorgung und niedrige Zinsen zu gewährleisten. Vorgesehen war der Einsatz von 300 Mrd. Schwedische Kronen vorgesehen.

Anfang Dezember wurde das Programm auf 700 Mrd. SEK erhöht und bis Ende 2021 verlängert.

Die Riksbank kauft Staatsanleihen und „grüne” Kommunalanleihen. Unternehmensanleihen werden nur genommen, wenn die Emittenten die international anerkannten Nachhaltigkeitsstandards beachten.

Leistungsbilanzüberschuss bleibt

Die Leistungsbilanz bleibt ein dicker Pluspunkt innerhalb der schwedischen Fundamentaldaten. Im Gesamtjahr 2019 wies die schwedische Leistungsbilanz nach Angaben des IWF einen Überschuss von 3,9% des BIP auf. Im laufenden Jahr dürfte er zwar auf 2,2% des BIP abschmelzen, jedoch positiv bleiben.

Öffentliche Finanzen trüben sich ein

Die Staatsverschuldung verringerte sich seit Jahren und lag 2019 mit 37% des BIP auf einem moderaten Niveau. Sie dürfte wegen der Corona-Krise erst einmal nicht weiter sinken.

Der Staatshaushalt schloss das Jahr 2019 mit einem Überschuss von einem halben Prozent des BIP ab. Im Corona-Jahr 2020 rechnet die Riksbank mit einem Minus von etwa 7%.

Fazit: Die Krone hat sich aufgrund guter Fundamentaldaten deutlich erholt. Eine weitere Aufwertung ist möglich, wenn es gelingt, den technischen Widerstand bei 10,15 SEK zu überwinden.