Gold glänzt etwas weniger

veröffentlicht am 3. Dezember 2020

Gold glänzt etwas weniger

Der Preis für die Feinunze Gold gab in den vergangenen Wochen kräftig nach. Mittlerweile hat er sich zwar erholt, liegt aber weiterhin klar unter der 2.000er Marke.

Ursächlich für die Korrektur waren insbesondere die abnehmende Verunsicherung der Anleger sowie die leicht gestiegene Realverzinsung in den USA.

Fazit vorweg: Gold dürfte auch in der Post-Corona-Ära ein wichtiger Faktor in der Asset Allocation bleiben. Angesichts der wachsenden Zuversicht dürfte er jedoch als „sicherer Hafen in unsicheren Zeiten” etwas weniger angesteuert werden. Gleichwohl halten wir die Rückkehr des Goldpreises in den Bereich um 2.000 USD pro Feinunze für realistisch.

Trotz der jüngsten Korrektur des Goldpreises dürfte sich die Anlage in Gold als eines der erfolgreichsten Investments im Corona-Jahr 2020 erweisen. Das gelbe Metall zog zunächst unaufhaltsam an und markierte im August mit 2.070 US-Dollar pro Feinunze einen neuen historischen Höchststand.

Impfstoff sorgte für neue Zuversicht

In der zweiten Jahreshälfte lief die Rallye aus. Umfangreihe Goldverkäufe einiger Notenbanken und die schwache Nachfrage in den Hauptabnahmeländern China und Indien ließen den Goldpreis korrigieren. Zudem sorgten der Präsidentschaftswechsel in den USA und die Entdeckung von Impfstoffen gegen das Corona-Virus für eine abnehmende Verunsicherung der Marktteilnehmer. Belastend wirkten auch die rasante Konjunkturerholung und die daraus resultierende neue Zuversicht der Anleger.

Realzinsanstieg bremste

Die stärkste Bremswirkung dürfte jedoch der Anstieg der Realverzinsung in den USA entfaltet haben. Seit einigen Jahren verläuft der Goldpreis nahezu spiegelbildlich zur amerikanischen Realrendite, abgebildet als Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen abzüglich der Inflationserwartungen.

Dahinter verbirgt sich der Umstand, dass der Erwerb von (zinslosem) Gold umso interessanter ist, je geringer der entgangene Zinsgewinn ausfällt. Bei Renditen nahe Null sind die Opportunitätskosten – also die Kosten der Goldhaltung – weitgehend verschwunden. Steigen die Inflationserwartungen, nimmt die Realverzinsung ab. So sorgen höhere Inflationsraten ebenfalls für steigende Goldpreise. Das korrespondiert mit der Einschätzung, dass Gold als Schutz vor Geldentwertung erworben wird.

Angebots-Nachfrage-Relation wird besser

Die Angebots-Nachfrage-Relation dürfte sich 2021 wieder verbessern. Im 3. Quartal 2020 war die globale Goldnachfrage mit 892 Tonnen (t) fast 20% geringer als im Vorjahr. Die Schmucknachfrage brach sogar um 29% auf 333 t ein. In China und Indien wurden 25% bzw. 48% weniger Goldschmuck geordert. Mittlerweile hat sich zumindest in China die Goldnachfrage wieder deutlich belebt. Die Pandemie ist dort weitgehend besiegt und die Wirtschaft floriert wieder.

Ein stabiler Faktor dürfte auch die Investmentnachfrage bleiben. Sie lag im 3. Quartal mit 495 t um 21% über dem Vorjahr. Während 273 t in Gold-ETFs flossen, schnellte die Nachfrage nach Barren und Münzen sogar um 49% auf 222 t.

Unsicherheit bleibt, nimmt aber ab

Das Vormachtstreben Chinas und die wachsende Ungleichheit in der Welt dürften dafür sorgen, dass politische Konflikte an der Tagesordnung bleiben. Die Unsicherheit wird trotz der neuen Impfstoffe nicht aus der Welz verschwinden, dürfte aber tendenziell abnehmen.

Zinsen bleiben niedrig

Die US-Notenbank versicherte wiederholt, dass sie die Leitzinsen erst wieder erhöht, wenn die Inflation ihren Zielwert nachhaltig überschritten hat. Gemäß ihrer eigenen Projektionen wird dies nicht vor 2024 der Fall sein. Damit dürfte die US-Rendite noch lange sehr niedrig bleiben. Die Inflationsraten liegen immer noch unter dem Zielwert der Notenbank, die Inflationserwartungen ziehen jedoch tendenziell an. Damit dürfte die amerikanische Realverzinsung sehr niedrig bleiben und den Goldpreis stützen.

Alles in allem gibt es zahlreiche Faktoren, die dafür sprechen, dass Gold weiter sehr interessant bleibt, angesichts der wachsenden Zuversicht aber ein wenig vom früheren Glanz verliert.