Norwegen: Corona-Krise gut überstanden

veröffentlicht am 17. November 2020

Norwegen: Corona-Krise gut überstanden

Die Wikinger haben den globalen Rezessionsstrudel besser umschifft als andere Volkswirtschaften und kommen relativ gut durch die Corona-Krise.

Das norwegische Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs im 3. Quartal um 4,6% zum Vorquartal, nachdem es in den beiden Vorquartalen um 1,5% bzw. 4,7% geschrumpft war.

BIP 2020: Minus 2%

In der Annahme einer leicht rückläufigen Wirtschaftstätigkeit im laufenden Quartal zeichnet sich für das Gesamtjahr 2020 beim BIP ein Rückgang von knapp 2% ab. Dies ist im internationalen Vergleich ein sehr guter Wert.

BIP 2021: Plus 2,5%

Im nächsten Jahr halten wir eine Wachstumsrate von 2,5% für realistisch. Ende 2021 dürfte das norwegische BIP wieder das Niveau vom 4. Quartal 2019 erreicht haben, der letzten Periode vor der Pandemie.

Leitzins bleibt bei Null

Die norwegische Notenbank Norges Bank ließ den Leitzins auch im November unverändert bei 0,00%. Die Key Policy Rate wurde am 6. Mai auf die Nulllinie gesenkt, wo sie nach Einschätzung der Notenbank noch längere Zeit bleiben wird.

Inflationsrate über dem Zielwert

Die Inflationsrate lag im Oktober mit 3,4% weit oberhalb des Zielwertes des norwegischen Finanzministeriums von 2,0%. Im Fokus der Notenbank ist die um Steuern und Energiepreise bereinigte “Kernrate der Inflation” (CPI-ATE). Sie wird sich nach Einschätzung der Norges Bank in den nächsten Jahren wieder abschwächen

Krone und Ölpreis im Gleichschritt

Die Norwegische Krone (NOK) zählt zu den sogenannten “Ölwährungen”, denn sie bewegt sich üblicherweise im Gleichschritt mit dem Preis für das Nordseeöl Brent.

Dementsprechend stark war auch die Abwertung in Folge des kollabierenden Ölpreises im Frühjahr.

Mittlerweile hat sich die Krone wieder etwas erholt. Gegenüber dem Euro liegt sie seit Jahresbeginn allerdings immer noch gut 8% hinten.

Das weitere Aufwärtspotenzial der Krone dürfte trotz vergleichsweise guter Wirtschaftsdaten begrenzt sein, solange der Ölpreis nicht deutlich steigt.

Finanzendaten solide, aber nachgebend

Durch die Einnahmen aus der Öl- und Gaswirtschaft ist Norwegen per Saldo schuldenfrei, wenngleich die staatlichen (Brutto-)Schulden etwa 36% des BIP ausmachen. Der Haushaltsüberschuss 2020 wird wohl von 8% im Vorjahr auf nur noch 1% des BIP sinken.

Die Leistungsbilanz Norwegens dürfte nach einem 2019-er Überschuss von 4% des BIP in diesem Jahr leicht defizitär werden. Der IWF rechnet mit einem Defizit von gut 1% des BIP.

Staatsfonds hilft der Regierung

Die Gewinne aus dem Öl- und Gasverkauf werden seit 1998 in den Staatsfonds „Government Pension Fund Global (GPFG)” investiert. Er hat aktuell (17.11.2020) einen Marktwert von 10.993 Mrd. NOK bzw. 1.022 Mrd. EUR.

Ende September waren 70,7% des Fonds in Aktien, 2,7% in Immobilien und 26,6% in Anleihen investiert.

Zur Abmilderung der Corona-Folgen plant die norwegische Regierung in diesem Jahr eine Kapitalentnahme von 347 Mrd. NOK. Im 3. Quartal flossen bereits 105 Mrd. NOK ab.