Japan: Rezession überwunden

veröffentlicht am 16. November 2020

Japan: Rezession überwunden

Die japanische Wirtschaft hat sich im 3. Quartal kräftig erholt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) expandierte um 5,0% zum Vorquartal. Es war der erste Anstieg nach drei negativen Quartalen. Es war zugleich der stärkste Anstieg seit Beginn der Aufzeichnungen 1980. Ihm voraus ging das schwächste Quartal. Von April bis Juni schrumpfte das BIP um 8,2%.

Der aktuelle Zuwachs lag über den Erwartungen, reichte aber nicht aus, den beispiellosen Einbruch des 2. Quartals zu kompensieren. Das BIP-Niveau vor Beginn des Abschwungs dürfte frühestens Ende 2023 erreicht werden.

Japan ist mit einem Bruttoinlandsprodukt von 558 Bill. Japanischen Yen bzw. 5,1 Bill. USD (2019) die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt.

3. Quartal: Konsum als Wachstumstreiber

Maßgeblich gestützt wurde die Konjunktur von zwei staatlichen Programmen im Volumen von umgerechnet 2,2 Bill. USD. Sonderzahlungen von fast 900 USD pro Person ließen die Konsumausgaben um 4,7% steigen. So entwickelte sich der private Verbrauch, der mehr als die Hälfte des BIP ausmacht, zur Säule des Wachstums.

Die Ausfuhren legten um 7% zu. Ursächlich waren steigende Halbleiterexporte nach China und höhere Ausfuhren von Autos in die USA. Enttäuschend fielen dagegen die Investitionen mit einem Quartalsminus von 3,4% aus.

BIP 2020: Minus 5,5%

In der Annahme, dass das BIP im laufenden Quartal nur marginal wächst, zeichnet sich für das Kalenderjahr 2020 ein BIP-Rückgang von 5,5% ab, dem 2021 ein Zuwachs von 2% folgen dürfte. Nimmt man das Ende März endende Fiskaljahr als Bezugsgröße, so ergeben sich ein Minus von 5,6% in 2020 und ein Plus von 3,2% in 2021.

BIP 2021: Plus 2,0%

Im nächsten Jahr dürfte sich das Geschehen in Japan zunehmend normalisieren. Corona-bedingte Dämpfer sind wenig wahrscheinlich. Selbst 2020 wurden lediglich 120.000 Infektionen und weniger als 2.000 Tote registriert.

Zur Normalisierung zählt auch die Rückkehr zu “wenig Wachstum, wenig Inflation und wenig Zinsen”. Dies sind die Merkmale des modernen Japan. 2020 dürfte das BIP noch einmal Auftrieb von den Ausläufern der staatlichen Programme erfahren und um 2% steigen. Danach dürfte sich wieder die Eins vor dem Komma etablieren.

Auf längere Sicht könnte Japan in vielerlei Hinsicht die Blaupause für die Entwicklung in Deutschland sein.

Zweitgrößter Schuldner der Welt

Durch die jüngsten Konjunkturprogramme steigt die japanische Staatsverschuldung weiter. Japan ist mit rund 12 Bill. USD hinter den USA (22,5 Bill. USD) der zweitgrößte Schuldner der Welt. Die entsprechenden Staatsanleihen werden jedoch überwiegend von japanischen Anlegern und der Bank of Japan gehalten. Durch die aktuellen Corona-Hilfen klettert die japanische Staatsschuldenquote auf knapp 260% (!) des BIP.

Der japanische Staatshaushalt ist chronisch defizitär. Das Haushaltsdefizit dürfte 2020 angesichts der Corona-bedingten Sonderausgaben auf 14% des BIP schnellen.

Größter Netto-Gläubiger der Welt

Gleichzeitig besitzt Japan aber auch ein enormes Auslandsvermögen. So ist Japan vor Deutschland und China mit rund 4 Bill. USD der größte Netto-Gläubiger der Welt. Amerikanische Staatsanleihen für mehr als 1,2 Bill. USD sind in japanischem Besitz.

Yen als “sicherer Hafen” Asiens

Vor diesem Hintergrund gilt der Japanische Yen seit Jahren als “sicherer Hafen”, als asiatische Fluchtwährung in unsicheren Zeiten. Gegenüber dem Euro hat er im bisherigen Jahresverlauf knapp 2% nachgegeben.