Neuseeland: Leitzins noch unverändert bei 0,25%

veröffentlicht am 11. November 2020

Neuseeland: Leitzins noch unverändert bei 0,25%

Die Reserve Bank of New Zealand (RBNZ) ließ den Leitzins auch im November bei 0,25%. Dort verharrt die Official Cash Rate (OCR) bereits seit März.

Weitere Leitzinssenkungen werden allerdings nicht ausgeschlossen. Die RBNZ kann sich sogar eine negative OCR vorstellen. Nach ihrer Einschätzung ist das Bankensystem bis zum Jahresende in der Lage, mit negativen Leitzinsen zu arbeiten.

RBNZ kauft Anleihen

Zur expansiven Geldpolitik zählt auch der Erwerb von Anleihen. Im Mai weitete die RBNZ das Anleihekaufprogramm von 33 Mrd. Neuseeland Dollar (NZD) auf 60 Mrd. NZD aus. Im August wurde es auf 100 Mrd. NZD erhöht und bis Juni 2021 verlängert.

Monetäres Vorsorge-Paket aktiviert

Ende September beschloss die RBNZ ein monetäres Vorsorge-Paket. Es beinhaltet niedrigere oder sogar negative Leitzinsen, den Erwerb ausländischer Wertpapiere, Zins-Swaps sowie ein Refinanzierungsprogramm für Retailbanken (Funding for Lending Programme, FLP), das im Dezember aktiviert wird.

Kiwi erholt

Der Wechselkurs des Neuseeland Dollar („Kiwi”) stürzte im Frühjahr zunächst regelrecht ab, konnte sich aber im weiteren Jahresverlauf erholen. Seit Jahresbeginn hat der Kiwi zum Euro knapp 3% verloren.

Fazit vorweg: Angesichts des Zwillingsdefizits (Haushalt und Leistungsbilanz defizitär) und möglicher Leitzinssenkungen dürfte das Erholungspotenzial des Neuseeland Dollar begrenzt sein.

Vom Wachstumspfad abgekommen

Aotearoa, das „Land der langen weißen Wolke”, lag 2019 mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 305 Mrd. Neuseeland Dollar (NZD) bzw. 205 Mrd. USD auf Platz 54 der BIP-Weltrangliste.

Neuseeland hat 4,75 Mio. Einwohner und befand sich seit 2009 auf einem beeindruckenden Wachstumspfad, der angesichts der Corona-Pandemie zu Jahresbeginn verlassen wurde.

BIP 2020: minus 4%

Die Wirtschaft entwickelte sich allerdings besser als erwartet. Neuseeland kommt nach Einschätzung der Notenbank recht gut durch die Corona-Pandemie. Dem Absturz des BIP im 2. Quartal (-12,2% zum Vorquartal) dürfte ein kräftiger Rebound gefolgt sein (+13,4%), so dass das BIP im Gesamtjahr 2020 lediglich um 4,0% schrumpfen wird. Für 2021 rechnet die RBNZ mit einem Zuwachs von 3,3%. Wir halten die Prognosen für realistisch.

Inflationsrate unter der Zielzone

Die Inflationsrate lag im September mit 1,4% noch im unteren Bereich der von 1% bis 3% reichenden Zielzone der RBNZ. Es ist jedoch davon auszugehen, dass sie sowohl 2021 als auch 2022 mit 0,6% bzw. 0,9% den Korridor verfehlt. Erst 2023 dürfte sie ihn mit 1,5% wieder erreichen.

Zwillingsdefizit

Ab 2020 zeichnen sich sogenannte „Zwillingsdefizite” ab. Sowohl der Staatshaushalt als auch die Leistungsbilanz werden in den nächsten Jahren defizitär sein.

So wandelt sich der 2019-er Haushaltsüberschuss von 2,2% des BIP in diesem Jahr in ein Defizit von mehr als 7%. Es dürfte 2021 auf mehr als 9% steigen und soll bis 2023 auf rund 4% sinken. Die bisher recht moderate Staatsschuldenquote von rund 30% des BIP wird deutlich zunehmen.

Die Leistungsbilanz bleibt der Schwachpunkt des neuseeländischen Datenkranzes. In diesem Jahr rechnet die Notenbank mit einem Defizit von 2,8% des BIP. Nach einem Rückgang auf 1,9% in 2021 soll es 2022 mit 3,6% den Hochpunkt erreichen und 2023 auf 3,0% zurückgehen