Asien: Der größte Markt der Welt

veröffentlicht am 11. November 2020

Asien: Der größte Markt der Welt

 

Wäre die Welt heute ein Dorf mit 100 Einwohnern, kämen davon 59 aus Asien, 17 aus Afrika und nur 10 aus Europa. Lateinamerika würde 8, Nordamerika 5 und Ozeanien 1 Einwohner stellen. Bis 2050 dürfte das Dorf auf 128 Einwohner anwachsen, von denen dann 69 aus Asien kommen.

Kurzum: Asien ist aktuell mit rund 59% der Weltbevölkerung der größte Markt der Erde und wird dies wahrscheinlich auch noch in Jahrzehnten sein.

Bevölkerung: China und Indien vorn

Gemessen an der Bevölkerung sind China und Indien mit jeweils rund 1,4 Mrd. Einwohner die bevölkerungsreichsten Länder Asiens.

BIP in USD: China und Japan hinter USA

Gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) in US-Dollar lagen die USA in der BIP-Weltrangliste 2019 mit 21,4 Bill. USD an der Spitze. Es folgten China und Japan. Das Reich der Mitte belegte mit 14,4 Bill. USD den zweiten Platz, das Land der aufgehenden Sonne mit 5,1 Bill. USD den dritten Platz. Nummer Vier war Deutschland mit 3,9 Bill. USD, gefolgt von Indien mit 2,9 Bill. USD.

BIP in Kaufkraft: China vor USA

Bewertet man die Wirtschaftsleistung allerdings mit der tatsächlichen Kaufkraft, lag China mit einer Kaufkraftparität (PPP) von 23,4 Bill. USD vor den USA mit 21,4 Bill. USD und Indien mit 9,8 Bill. USD.

Auch diese Vergleiche unterstreichen die Bedeutung des riesigen asiatischen Marktes. China ist zudem seit Jahren der wichtigste Handelspartner Deutschlands.

China

Das Reich der Mitte entwickelte sich in den vergangenen Jahrzehnten vom agrarisch geprägten Entwicklungsland zur zweitgrößten Volkswirtshaft der Welt. Mit einer merkantilistischen Außenhandelspolitik wurden die Außenhandelsüberschüsse maximiert und gewaltige Währungsreserven angelegt. Diese erreichten in der Spitze fast 4 Bill. USD und liegen aktuell bei rund 3,3 Bill. USD. Ein Großteil davon ist in amerikanischen Staatsanleihen investiert.

Die finanziellen Reserven werden für umfangreiche Investitionen in Infrastruktur sowie Forschung und Entwicklung in China eingesetzt. Sie dienen aber auch der globalen Expansion. So finanziert die Volksrepublik seit vielen Jahren Infrastrukturprojekte in finanz-schwachen Ländern Afrikas, Lateinamerikas und Asiens, aber auch in Europa. Im Gegenzug sichert sich China langfristig Rechte an Rohstoffen oder an Infrastruktureinrichtungen.

In diesem Zusammenhang ist die 2013 begonnene Belt and Road Initiative zu nennen, in Deutschland besser bekannt als “Neue Seidenstraßen-Initiative”. Mit ihr sollen Wirtschaftsräume in Asien (mit China im Zentrum), Europa und Afrika verbunden werden.

China strebt danach, die USA als Weltmacht Nummer Eins ablösen. Und zwar ökonomisch, politisch und militärisch. Die “Made in China 2025″-Strategie sah vor, bis 2025 zur führenden Technologiemacht zu werden. Bis 2049 will das Reich der Mitte sogar die weltweit führende Wirtschaftsmacht sein. Der Handelsstreit mit den USA erzwang allerdings kürzlich eine Kurskorrektur. Die neu definierte „Politik der zwei Kreisläufe” soll einerseits die Exportabhängigkeit verringern und die Binnennachfrage stärken, andererseits eine wichtige Stellung im Welthandel sichern. Sie ist der Eckpfeiler des neuen Fünfjahresplans.

China wird die einzige größere Volkswirtschaft sein, die das Jahr 2020 mit einer positiven Wachstumsrate des BIP abschließt. 2021 ist als Reaktion auf das sich abzeichnende 2020-er Plus von „nur” 2% ein Zuwachs von bis zu 9% zu erwarten. Danach sollten sich die Wachstumsraten zwischen 4 und 5% bewegen.

Die Chinesische Währung ist der Renminbi (RMB). Der häufig verwandte Begriff Yuan bezeichnet die Einheiten der Währung. Der Wechselkurs des RMB wird von der Notenbank gesteuert. Er kletterte in den vergangenen Monaten über die Marke von 7 RMB pro USD. Sie gilt inoffiziell als Untergrenze, bei der die Notenbank Peoples Bank of China (PBoC) mit Interventionen beginnt.

Die PBoC führte Mitte 2019 den neuen Leitzins LPR ein und senkte ihn in vier Schritten auf 3,85%. Sollte die konjunkturelle Situation eine weitere Lockerung der geldpolitischen Zügel erfordern, dürfte sie zusätzliche Liquidität bereitstellen und den Leitzins unverändert lassen.

Japan

Bis in die neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts wuchs das japanische BIP mit Jahresraten zwischen 3% und 7%. Japan galt weltweit als ökonomisches Vorbild. Sein Aufstieg zur globalen Wirtschaftsmacht Nummer Eins schien lediglich eine Frage der Zeit.

Dann platzte die japanische Immobilienblase. Der Nikkei 225 Aktienindex begann eine mehr als zehnjährige Talfahrt. Heute notiert er mit rund 23.300 Yen immer noch weit unter den früheren Höchstständen.

Die Bank of Japan (BoJ) senkte den Leitzins bis Ende 1995 von 6% auf 0%. Seit Anfang 2016 liegt er bei minus 0,1%. Die BoJ versucht seit Ende der 90-er Jahre die tief im Bewusstsein der Bevölkerung verankerte Deflationsmentalität mit der Bereitstellung zusätzlicher liquider Mittel zu bekämpfen. Zu diesem Zweck erwirbt sie in großem Stil Wertpapiere wie Anleihen und Aktien-ETFs. Darüber hinaus verfolgt sie eine Zinskurvensteuerung mit einer Zielrendite von 0,00% für 10-jährige Staatsanleihen.

Japan wandelte sich Ende des vorigen Jahrhunderts vom umjubelten Wachstumschampion zu einer Volkswirtschaft, die heute geprägt ist durch „wenig Wachstum, wenig Inflation und wenig Zinsen”.

Das japanische BIP dürfte im laufenden Jahr um 6% schrumpfen und sich 2021 um 2% erholen.

Schwachpunkt des japanischen Datenkranzes ist die Staatsverschuldung, die nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds in diesem Jahr auf 266% des BIP steigen soll.

Gleichwohl gilt der Japanische Yen in Asien als „sicherer Hafen”. Der Euro legte gegenüber dem Yen zuletzt wieder etwas zu, ist seit Jahresbeginn aber nahezu unverändert.