US-Notenbank hält sich noch zurück

veröffentlicht am 6. November 2020

US-Notenbank hält sich noch zurück

Die US-Notenbank (Fed) ließ die Federal Funds Rate unverändert bei 0,00% bis 0,25%. Der Beschluss entsprach den Erwartungen.

Die Fed unterstrich, sie werde die gesamte Bandbreite der geldpolitischen Instrumente nutzen, um ihre Ziele zu erreichen. Dies ist vorrangig die Vollbeschäftigung, an zweiter Stelle stehen stabile Verbraucherpreise.

Sie forderte erneut die Unterstützung der Politik in Form eines weiteren Konjunkturprogramms. Dies dürfte allerdings auf sich warten lassen, bis das Ergebnis der Präsidentschaftswahl feststeht.

De Fed kauft derzeit jeden Monat für mindestens 120 Mrd. USD Anleihen. Sie wird daran festhalten und das Volumen bei Bedarf erhöhen. Die Anleihekäufe haben die Bilanzsumme der Fed auf mehr als 7 Bill. USD wachsen lassen.

Die Fed wird die Leitzinsen solange nicht anheben, bis wieder Vollbeschäftigung herrscht und die Inflationsrate dauerhaft etwas über dem Zielwert von 2% liegt. Damit dürfte eine Zinsanhebung vor 2023 ausgeschlossen sein.

Fazit: Die US-Notenbank signalisierte, dass sie angesichts steigender Infektionszahlen und damit verbundener Sorgen um den Aufschwung wohl am 16. Dezember die Dosierung der geldpolitischen Maßnahmen erhöhen wird.

Projektionen der US-Notenbank

Gemäß den aktuellen Projektionen der Zentralbankratsmitglieder wird das US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr um 3,7% schrumpfen und 2021 um 4,0% wachsen. Für 2022 und 2023 sind Zuwächse von 3,0% bzw. 2,5% eingeplant.

Hinweis: Die Projektionen der Fed geben die BIP-Veränderung vom Schlussquartal zum Schlussquartal des Vorjahres an. Im Jahresdurchschnitt 2020 dürfte das US-BIP um etwa 4% schrumpfen.

Die Arbeitslosenquote dürfte von 7,6% in 2020 auf 5,5% in 2021 und 4,6% in 2022 fallen. 2023 wird mit 4,0% gerechnet.

Bei den Inflationsraten rechnet die Notenbank erst 2023 mit dem Erreichen des Zielwertes. Die von ihr besonders beachtete Kernrate der Konsumausgaben (Core PCE, Personal Consumption Expenditures) soll nach 1,5% in diesem Jahr auf 1,7% in 2021 und 1,8% in 2022 steigen. Im Jahr 2023 soll dann der Zielwert von 2,0% erreicht werden.

Inflationsziel gelockert

Die Fed beschloss kürzlich ein neues Inflationsziel. Aus dem Punktziel wurde ein flexibles Ziel, die „Target Average Inflation”.

Bisher mussten die geldpolitischen Instrumente so kalibriert werden, dass die Verbraucherpreise möglichst genau um 2,0% zum Vorjahr steigen.

Nun können Phasen oberhalb des Zielwertes mit Phasen unterhalb des Zielwertes kompensiert werden. Steigt die Inflationsrate auf 2,5%, ist dies kein Anlass für eine Verschärfung der Geldpolitik (sprich: höhere Leitzinsen), wenn sie zuvor bei 1,5% war.

Sollte es in den kommenden Jahren zu einem Anstieg der Inflationsraten kommen, wird die Fed dies tolerieren, solange der Durchschnittswert noch bei 2% liegt.

Die von der Fed hauptsächlich betrachtete Kernrate der Konsumausgaben (Core PCE) hat seit Anfang 2019 ausnahmslos die Eins vor dem Komma. Sie lag im September bei 1,6% und dürfte auch 2021 unter der 2%-Marke bleiben. Damit besteht auf absehbare Zeit kein Grund für eine Verschärfung der Geldpolitik. Die extrem expansive US-Geldpolitik kann also noch längere Zeit fortgesetzt werden.